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Zum Finale ein Desaster

Holstein Kiel Zum Finale ein Desaster

Die Saison 2015/16 endete für den Fußball-Drittligisten Holstein Kiel, wie sie für ihn begonnen hatte: Mit einer über alle Maßen frustrierenden Heimklatsche.

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Holstein Kiel war am Sonnabend selten auf der Höhe.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. 0:4 hieß es am 25. Juli 2015 gegen Mainz 05 II, auch in der Höhe verdient 0:3 (0:1) an diesem 14. Mai 2016 gegen das in allen Belangen bessere Team von Rot-Weiß Erfurt. Den Klassenerhalt hatten beide Teams bereits vor zwei Wochen in trockene Tücher gewickelt. Doch statt des erhofften Sprungs auf Platz acht, schlossen die offensiv wie defensiv desaströsen Störche das Spieljahr auf dem enttäuschenden Rang 14 ab.

Immerhin 5098 Zuschauer im Holsteinstadion trauten von Beginn an ihren Augen nicht. So desolat präsentierten sich die Schützlinge von KSV-Cheftrainer Karsten Neitzel, die zuletzt stolze acht Partien in Folge ohne Niederlage geblieben waren und in dieser Phase lediglich zwei Gegentreffer kassiert hatte. Gegen den Fußball-Stolz Thüringens aber pendelten die Störche mit ihrer Leistung zwischen konsequenter individueller Drittliga-Untauglichkeit und kollektivem Versagen. Zwischenzeitlich erweckte die Darbietung ohne Mumm und Leidenschaft den Begriff Arbeitsverweigerung zu neuem Leben. Entgegen aller gegenteiligen Behauptungen im Vorfeld schienen die Gastgeber mit ihren Gedanken zum Leidwesen des lange geduldig gebliebenen Anhangs bereits in ihrem erst heute beginnenden Urlaub.

Die Thüringer waren zuletzt zweimal in Serie als Verlierer vom Rasen geschlichen. In Kiel allerdings zeigten sie ihre gute Seite. Und dies, obwohl Coach Stefan Krämer mit Blick auf das Landespokal-Halbfinale am Mittwoch gegen den Oberligisten Rudolfstadt fünf potenzielle Stammkräfte zu Beginn zwecks Schonung auf der Bank gesetzt hatte. Die Störche mussten unfreiwillig auf Kenneth Kronholm, Marlon Krause (Aufbautraining), Willi Evseev (Zehen-OP), Dominik Schmidt (Schambeinentzündung), Mathias Fetsch und Tim Siedschlag (beide Kniereizung), Patrick Kohlmann (Blessur am Sprunggelenk) und kurzfristig auch auf Patrick Herrmann (muskuläre Probleme in der Wade) verzichten. Dieser Umstand allein erklärte allerdings nicht den mangelnden Einsatz als Grundtugend.

RW-Routinier Daniel Brückner, der überragende Akteur auf dem Platz, vernaschte auf der linken offensiven Bahn in Durchgang eins den Herrmann-Vertreter Rene Guder in Serie, dann in Halbzeit auch dessen Nachfolger Denis-Danso Weidlich. Erzielte schon nach sechs Minuten per Volleyschuss das 1:0 für Gäste selbst und lieferte sowohl für das 2:0 durch Theodor Bergmann (52.)  als auch das 3:0 durch Jannis Nikolaou (66.) die Flanken. Auf der Gegenseite verschenkte Marc Heider (83.) den einzigen Hochkaräter der Kieler.

Hier finden Sie Fotos der Partie Holstein Kiel gegen RWE im Mai 2016.

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Ein in dieser Form unerwarteter Rückschlag für die Störche, die nach ihrer jüngsten Erfolgssträhne und den drei in dieser Woche verkündeten Neuzugängen Dominic Peitz (KSC), Dominick Drexler (Aalen) und Luca Dürholtz (Dresden) den Schwung der alten in die kommende Serie transportieren wollten. „Heute war zum Glück nicht der Tag der Abrechnung. Erfurt war aggressiv und zeigte eine hohe Laufbereitschaft. Wir waren heute so dezimiert, dass wir nicht in der Lage waren, dem Gegner Paroli zu bieten“, hielt sich Uwe Stöver in seiner Kritik noch moderat zurück. Der in Richtung Kaiserslautern scheidende Sportchef war vor dem Anpfiff wie die Leihspieler Robin Zentner (Mainz), Evseev (Nürnberg), Fabin Schnellhardt (Duisburg) sowie Manuel Hartmann (Schilksee), Fabian Arndt (ETSV Weiche) und Louis Mandel (Ziel unbekannt) verabschiedet worden. Gut möglich, dass schon zu Wochenbeginn weitere Abgänge von Holstein publik gemacht werden. Die auslaufenden Verträge der Mittelfeldspieler Maik Kegel und Finn Wirlmann sind noch nicht verlängert, doch es könnte auch noch Spieler treffen, die ein bis zum 30. Juni 2017 datiertes Arbeitspapier bei den Störchen besitzen. Filigranfußballer Schnellhardt hofft auf den Verbleib an der Förde in letzter Minute: „Ich würde gerne in Kiel bleiben. Aber der MSV Duisburg kämpft noch gegen den Abstieg aus der Zweiten Liga und hat deshalb derzeit andere Probleme. Ich hoffe, die Vereine einigen sich noch.“

Holstein-Kapitän Rafael Czichos hatte sich derweil seinen 26. Geburtstag anders vorgestellt. Ausgerechnet gegen jenen Klub, für den er vor seinem Wechsel nach Kiel im vergangenen Sommer drei Jahre lang die Stiefel geschnürt hatte, hatte es ein derart desillusionierendes Erlebnis gegeben. „So wie wir heute ins Spiel gegangen sind, kann man keine Punkte in dieser Liga holen. Wir hatten den Erfurtern in keiner Minute körperlich etwas entgegen zu setzen. Mit Halbgas gewinnst du in der Dritten Liga rein gar nichts“, haderte Czichos.

Sein Chef hatte es fast die Sprache verschlagen. Neitzel mochte das Geschehen nicht in seine Einzelteile zerlegen, begnügte sich bis ins Mark enttäuscht mit einer Pauschal-Analyse: „Mit dem Satz, das war ein schlechtes Heimspiel, ist alles gesagt.“

Die erneute Niederlage vor eigener Kulisse stieß die Kieler auf Platz 18 der Heimtabelle in der 20-köpfigen Konkurrenz zurück – ein blamables Resultat Möglicherweise auch deshalb schloss Neitzel weitere Aktivitäten auf dem Transfermarkt nicht aus.

Bittere Momente an der Förde, die allerdings einem Ponyhof im Vergleich zur Situation in Stuttgart ähneln. Der ruhmreiche VfB steigt mit seiner Profimannschaft aus der Bundesliga ab, die U23 aus der Dritten Liga. Begleitet in die Regionalliga werden die Schwaben von ihrer lokalen Konkurrenz, den Stuttgarter Kickers, und Energie Cottbus. In einem an Dramaturgie nicht zu überbietenden Herzschlagfinale im Kampf um den Klassenerhalt hatte Wiesbadens Altmeister Alf Mintzel mit seinem Treffer zum 3:1-Heimsieg erst in der 94. Minute für die endgültigen Weichenstellungen gesorgt.

Einzelkritik: Holstein in Schulnoten

Zentner : Eine gute Parade, ein folgenloser Fangfehler, ohne Schuld bei den drei Gegentoren. Note: 3

Guder : Demonstrierte wider Willen, dass er zumindest auf der Position des Rechtsverteidigers nicht drittligatauglich ist. Note: 5,5

Sigurbjörnsson : Bereinigte in Durchgang eins noch manch gefährliche Situation vor dem eigenen Gehäuse. Fügte sich nach der Pause dem Schicksal. Note: 4

Czichos : Dem Kapitän auf dem sinkenden Schiff schenkte niemand Gehör. Mühte sich ohne positive Folgen. Note: 3,5

Sicker : Ausgerechnet der Youngster zählte auf der Linksverteidiger-Position zu den willigsten unter flügellahmen Störchen. Note: 3,5

Lewerenz : der mit elf Toren treffsicherste Kieler suchte immer wieder das Duell Eins-gegen-Eins. Und blieb zu 99,9 Prozent hängen. Note: 5

Kegel : Machte sich auf das Leben auf der Spielmacherposition ohne Not ob zu vieler Schnörkel und zu geringer Zielstrebigkeit schwer. War allerdings geschwächt von einem Infekt. Note: 4,5

Nyarko : Keine Antizipation, träge im Kopf und mit den Beinen, miserable Zweikampf- und Passquote – auf der „Sechs“ eine 6. Note: 6

Schnellhardt : Versuchte es zumindest aus der Distanz und deutete immerhin Kreativität und Dynamik an. Note: 4

Heider : Wahrlich kein Galaauftritt, aber zumindest gefährlichste Offensivkraft der Kieler mit der Lizenz zur Leidenschaft. Vergab den Riesen zum möglichen 1:3 (83.). Note: 4  

Sane : Bei seinen Auftritten fehlt mehr und mehr die Fantasie, dass es sich um einen Drittliga-Stürmer handeln könnte. Note: 6

Wirlmann : Kam für Nyarko, konnte aber dem desaströsen Geschehen auch keine Wende mehr geben. Note: 4,5

Weidlich : Löste Guder ab, verschätzte sich nach 22 Sekunden bei einem Flugball und sah wie sein Vorgänger fast dauerhaft die Hacken seines Kontrahenten Brückner. Note: 5,5

Schäffler : Bewies als Sane-Ersatz wenigstens einmal seine Kopfballstärke (68.) und bisweilen körperliche Präsenz. Note: 4,5      

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