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Kein Profi von der Stange

Holstein-Neuzugang Peitz Kein Profi von der Stange

Wer sich mit Dominic Peitz unterhält, der merkt schnell: Der 31-Jährige ist kein Fußball-Profi von der Stange. Da die KSV ein Verein mit hervorragenden Perspektiven sei, habe sich das Gesamtpaket Holstein „stimmig angefühlt“.

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Dominic Peitz in Aktion.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Dabei bezieht sich diese Beschreibung keineswegs auf das lässige Outfit (kurze Hose, T-Shirt). Der mit einem Dreijahresvertrag ausgestattete Neuzugang des Drittligisten Holstein Kiel nimmt den Ball dennoch gerne auf. „Bei meiner Länge von 1,96 Meter bin ich froh, wenn ich etwas finde, was passt. Bei bestimmten Anlässen geht’s auch edler.“

 Den hätte es vor Jahresfrist geben können, wenn der Karlsruher SC nicht so dramatisch im Rückspiel der Bundesliga-Relegation am HSV gescheitert wäre. Ohne seine Leit-Figur Peitz, der wegen einer seiner insgesamt 127 Gelben Karten seit 2005 im heimischen Wildpark gesperrt war. „Die Momentaufnahme war natürlich traurig. Aber prinzipiell war das Erreichen der Aufstiegsspiele eines der Top-3-Erlebnisse meiner Karriere“, so Peitz, der den Verdacht, er komme angesichts der Kartenzahl als überhartes „Zweikampf-Monster“ daher, verbal weggrätscht: „Ich habe mich noch nie grob unsportlich verhalten. Ich bin ein Grenzgänger auf dem Rasen, aber die rote Linie behalte ich immer im Auge.“

 Paderborn, Werder Bremen II, Osnabrück, Union Berlin und Augsburg waren die ersten Stationen seines Profi-Weges. Mit Hansa Rostock stieg er 2012 aus der Zweiten Liga ab, mit dem KSC ein Jahr später ins Bundesliga-Unterhaus auf. Am Ende seiner vier fast durchgängig verletzungsfreien Jahre in Karlsruhe drückten die Fans ihre Verehrung für Peitz mit einer beeindruckenden Choreografie aus. Dass zeitgleich das Verhältnis zwischen Peitz und dem Klub im Zusammenhang mit einer gescheiterten Vertragsverlängerung abgekühlt war, zeigt die Grundeinstellung des Neu-Storches: Kult heißt nicht kuschen. Und dass die Vereinsoberen öffentlich behaupteten, er habe in den Verhandlungen eine Frist verstreichen lassen, ließ ihn nicht ruhen. „Es geht immer um Ehrlichkeit, um die Wahrheit“, sagt Peitz, dessen Version („Diese Frist gab es niemals. Das Wort Abschied ist mir in den Mund gelegt worden“) durch später folgende Äußerungen des Sportlichen Leiters Jens Todt bestätigt wurde. Der KSC ist Geschichte, doch verbiegen lassen wird sich der 178-fache Zweitligaspieler auch in Kiel nicht. „Man sollte immer versuchen, sachlich zu bleiben. In unserem Sport steht die Gruppe im Vordergrund, niemals der Einzelne – und da werde ich versuchen, meine Erfahrungen einzubringen.“

 Nicht zuletzt aus familiären Gründen lehnte Peitz das Einjahresangebot plus Option des KSC ab: „Ich bin inzwischen Familienvater, da trägt man langfristig eine noch bedeutendere Verantwortung.“ Dass er sein Geld mit dem Fußball verdient, bewertet Peitz als Privileg. Und ergänzt: „Ich definiere mich nicht als Fußballprofi, sondern als Mensch. So behandle ich Menschen, und so möchte ich auch behandelt werden.“

 Peitz steht vor dem Bachelor-Abschluss für den Studiengang Sportbusinessmanagement an der IST-Hochschule Düsseldorf. Zusammen mit seiner Frau Britta, einer Master-Absolventin des Faches Wirtschaftsarabistik, und dem anderthalbjährigen Töchterchen hat er an der Förde eine neue Wahl-Heimat gefunden.

 Der Wunsch, etwas von dem beruflichen und privaten Glück an andere zurückzugeben, ist geblieben. Und so könnte es sein, dass der für diese Zwecke ausgebildete Familienhund, der vierjährige Goldendoodle-Rüde Bootsmann, wie zuletzt in Karlsruhe auch in Kiel zwecks Therapie autistische Kinder besucht. Dominic Peitz, wahrlich kein Profi von der Stange.

 Holsteins erstes Testspiel startet am Freitagabend (19 Uhr/Beckersbergstadion) beim SV Henstedt-Ulzburg.

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Ein Artikel von
Andreas Geidel
Sportredaktion

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