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Ein Rätsel namens Harder

KSV Holstein Ein Rätsel namens Harder

Trotz Trainer- und Betreuerstäben, wissenschaftlicher Analysemethoden und mentaler Hilfestellung gibt es sie im Profifußball immer noch – diese Rätsel, die bei allen Beteiligten nur Fragezeichen erzeugen. Auch Holstein Kiel hat so ein Problem, das derzeit niemand lösen kann. Es heißt Tammo Harder.

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70 Spiele, 22 Treffer und elf Torvorlagen für Borussia Dortmund II in der Dritten Liga, aber in Diensten von Holstein Kiel läuft es beim 22-jährigen Angreifer Tammo Harder nicht.

Quelle: Sonja Paar

Kiel.  Der Angreifer war von dem Mitte August beurlaubten KSV-Coach Karsten Neitzel vor der Saison von Borussia Dortmund II an die Förde gelotst worden und galt als einer von jenen Neuzugängen, die den Störchen im Laufe von maximal drei Jahren zum Zweitliga-Aufstieg verhelfen sollen. Doch den Erwartungen ist der 22-Jährige (Vertrag bis 30. Juni 2018) bislang nicht gerecht geworden. Ganze zwei Drittliga-Einsätze mit 71 Minuten Spielzeit stehen zu Buche, davon 67 Minuten beim 3:1-Heimsieg am 9. August über die Sportfreunde Lotte, zu dem er immerhin ein Tor beisteuerte. Mickrige vier Minuten kamen noch beim 3:0 gegen Zwickau am 27. August hinzu, unter Neitzel-Nachfolger Markus Anfang stand der gebürtige Dülmener überhaupt noch nicht auf dem Platz.

 Warum er weder im Training noch im Wettkampf die nötige Leistung bringt, bleibt trotz intensiver Ursachenforschung ungeklärt. „Ich habe zwei längere Gespräche mit Tammo geführt und ihn gefragt, wie er sich sein Engagement bei Holstein Kiel vorstellt. Wir wollen mit ihm eine Option im Angriff haben, aber er muss diese Option auch anbieten. Derzeit ist er kein Trainingsweltmeister“, beschreibt Anfang die ungute Situation, weist aber auch darauf hin, dass „Tammo in der Dritten Liga Tore schießen kann“. In der Tat bestätigen die Leistungsdaten aus seiner BVB-Zeit, dass er der KSV eigentlich helfen können müsste. 70 Spiele, 22 Tore und elf Assists in den Drittliga-Spielzeiten 13/14 und 14/15, die Regionalliga-West-Saison 15/16 absolvierte der beidfüßige Mittelstürmer, der auch Linksaußen und hängende Spitze spielen kann, mit 32 Spielen (sechs Tore, neun Vorlagen).

 Harder selbst schwankt zwischen Ratlosigkeit und Optimismus. „Die aktuelle Situation stellt mich nicht zufrieden. Ich versuche einfach weiter, im Training Gas zu geben und mich anzubieten. Ich kann der Mannschaft mit meinen Qualitäten auf jeden Fall weiterhelfen“, betont der 1,74 Meter große Offensiv-Allrounder, der besonders auf seine Effizienz hinweist: „Dass ich noch keine 90 Minuten gespielt und dennoch schon ein Tor gemacht habe, kann ja auch schon etwas aussagen. Ich brauche nicht viel Zeit, um zu treffen. Ich will mich durchbeißen, meine Chance erzwingen.“

 Einlassungen, denen nach Anfangs Ansicht noch nicht die entsprechenden Taten gefolgt sind. Dabei könnte der Trainer jede funktionierende Fachkraft gut gebrauchen, um das anhaltende Defizit bei der Chancenverwertung in den Griff zu bekommen. Als positives Beispiel nennt der 42-Jährige seinen Stürmer Manuel Janzer, der sich selbst aus der Krise gezogen hatte, bevor er am 5. November gegen Erfurt (0:0) erneut einen Muskelfaserriss erlitt.

 Psychische Befindlichkeitsstörungen schließt Harder indes als Ursache für seine Formkrise aus. „Manchmal vermisse ich meine Freundin, die Familie und die Freunde, aber Heimweh habe ich nicht, dafür bin ich nicht der Typ.“ Dass sein Nervenkostüm dennoch angegriffen sein könnte, dafür spricht als Indiz die Rote Karte, die er am vergangenen Wochenende in Diensten der „Zweiten“ beim 4:0-SH-Liga-Sieg in Oldenburg sah – wegen einer Tätlichkeit. In der 48. Minute hatte er noch das 2:0 erzielt, eine Viertelstunde später musste er das Feld zwangsweise verlassen. Das Urteil über die Höhe der Sperre steht noch aus, aber Tammo Harder dürfte mehrere Wochen lang noch mehr Zeit zum Nachdenken haben.

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