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Tag eins ohne Karsten Neitzel

Ex-Trainer der KSV Holstein Tag eins ohne Karsten Neitzel

16. August 2016, kein Tag wie jeder andere für den Fußball-Drittligisten Holstein Kiel. Nach der für Profiverhältnisse langen Zeit von drei Jahren und 46 Tagen als Cheftrainer muss Karsten Neitzel das Nest der mit vier Punkten in vier Spielen mäßig gestarteten Störche zu einem frühen Saisonzeitpunkt verlassen.

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Gemischte Gefühle vor der erhofften Aufbruchstimmung: Als die Holstein-Profis am Vormittag zum Waldlauf aufbrachen, war niemand zu Scherzen aufgelegt. Es herrschte mannschaftsinterner Redebedarf.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Wie es mit seinem Assistenten Jan Sandmann (sechs Jahre Spieler bei Holstein, sieben Jahre Trainer) weitergeht, steht noch in den Sternen. Der Tag eins ohne Neitzel im Zeitraffer.

7.55 Uhr: Die Geschäftsführer Ralf Becker (Sport) und Wolfgang Schwenke (Finanzen) teilen Karsten Neitzel mit, dass er mit sofortiger Wirkung freigestellt ist. Assistenzcoach Jan Sandmann soll weiter in die Vereinsarbeit eingebunden werden, zunächst jedoch nicht bei der Profimannschaft.

8.15 Uhr: Neitzel und Sandmann verlassen das Klubgelände, sind vorerst nicht zu erreichen.

8.27 Uhr: Die Pressemitteilung der KSV Holstein flattert in die Redaktionsstuben: „Wir sind mit der sportlichen Entwicklung nicht zufrieden“, wird Becker darin zitiert: „Wir hatten das Gefühl, handeln zu müssen und wollen einen frischen Impuls setzen, um unsere sportlichen Ziele zu erreichen.“ Ein Nachfolger soll zeitnah präsentiert werden.

8.30 Uhr: Der 28-jährige U23-Trainer Ole Werner (DFB-Elite-Jugend-Lizenz) und der 34-jährige U19-Coach Hannes Drews (DFB-Lizenz) erfahren von Becker, dass sie als Interimslösung die Profimannschaft auf das Landespokal-Viertelfinale am Sonnabend beim ETSV Weichevorbereiten sollen. Und auch auf das nächste Drittliga-Heimspiel gegen Zwickau (28. August). Das Duo, das von Werner angeführt werden soll, fährt danach zum gemeinsamen Frühstück.

9.20 Uhr: Die Profis trudeln im Trainingszentrum Projensdorf ein, wirken teilweise geschockt, wollen sich gegenüber der Presse nicht äußern.

10.00 Uhr: Den Spielern wird im Besprechungsraum der Stand der Dinge erklärt.

10.25 Uhr: Unter Führung von Fitnesstrainer Timm Sörensen absolvieren die Drittliga-Störche eine 45-minütige Laufeinheit.

13.00 Uhr: Sportchef Becker erklärt gegenüber KN-online noch einmal die Gründe für die Entscheidung gegen Neitzel aus seiner Sicht. Es seien nicht ausschließlich die ersten vier Spiele ausschlaggebend gewesen. Er habe bei seinem Amtsantritt am 2. Juni zahlreiche Dinge über Dritte gehört, habe sich aber selbst ein Bild von der Lage machen wollen. „Ich habe in dieser Zeit die Situation als festgefahren empfunden“, so Becker, der zudem Tendenzen von Unruhe und Uneinigkeit erkannt haben will. Er habe keine angemessene Fortentwicklung der Mannschaft gesehen. Obwohl Neitzel das Team nach seinen Wünschen zusammengestellt habe.

Zu dem frühen Zeitpunkt der Freistellung nach der ersten Englischen Woche sagt Becker, dies sei „auch aus Respekt vor dem Trainer geschehen“. Um ihn auch wegen der öffentlichen Kritik nicht weiter in einem Zustand der Ungewissheit zu belassen. Er erhoffe sich nun eine Aufbruchstimmung. Werner und Drews sollen in den beiden nächsten Pflichtspielen auf der Bank sitzen. Ziel sei es, in der Länderspielpause nach dem Zwickau-Spiel den Neitzel-Nachfolger zu präsentieren.

15.30 Uhr: Werner und Drews bitten zu der ersten Einheit unter ihrer Leitung. Nach 90 Minuten sagt „Chef“ Werner: „Wir haben dies alles nicht zu entscheiden, wir sind Angestellte des Vereins. Unser Auftrag ist, die Mannschaft auf das Pokalspiel einzustellen.“ Sein Eindruck sei, dass das Thema alle Beteiligten gehörig beschäftige. Der von Rückenbeschwerden geplagte Routinier Patrick Kohlmann (33), der einzige Profi, der sich äußern wollte, bestätigt diese Einschätzung: „Das alles kam für mich sehr überraschend. Ich finde es sehr, sehr schade. Ich hatte ein sehr gutes Verhältnis zu den Trainern Neitzel und Sandmann. Das ist die erste Trainerentlassung in meinen über 14 Profijahren, die ich miterlebe.“

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Ein Artikel von
Andreas Geidel
Sportredaktion

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Neitzel-Nachfolge
Foto: Ole Werner wird als Trainer fungieren.

Die KSV Holstein setzt nach der Freistellung von Trainer Karsten Neitzel am Dienstagmorgen auf eine Interimslösung: Trainer Ole Werner (28, U23) und Fußball-Lehrer Hannes Drews (34, U19) sollen den Fußball-Drittligisten in den kommenden Pflichtspielen gegen ETSV Weiche und FSV Zwickau betreuen.

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