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„Eine normale Saison für Holstein“

Karsten Neitzel im Interview „Eine normale Saison für Holstein“

Abspannen, neue Kräfte sammeln, Kiel mit einem für die Öffentlichkeit unbekannten Ziel verlassen – Karsten Neitzel, Cheftrainer des Fußball-Drittligisten Holstein Kiel, genießt nach einem turbulenten Spieljahr seinen Urlaub bis zum Start der Vorbereitung am 19. Juni. KN-online traf ihn zum Interview.

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Karsten Neitzel stellt sich den Fragen im Interview.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Platz acht war im Endklassement angestrebt, es wurde nach dem finalen Rückschlag gegen Erfurt (0:3) Rang 14. „Klar, dass man unzufrieden ist, wenn man schlechter abschneidet als im Vorjahr. Aber differenziert betrachtet, war das eine normale Saison für einen Klub wie Holstein Kiel. Keine gute und keine schlechte“, sagt Neitzel im Rückblick.

Die Störche haben nach einer tabellarischen Achterbahnfahrt drei Spieltage vor Saisonende den Klassenerhalt perfekt gemacht. Trotzdem bewertete die Konkurrenz Holstein nach Relegationsplatz drei im Vorjahr als negative Überraschung der jetzt abgelaufenen Serie. Eine zutreffende Bewertung?

Karsten Neitzel: Da gibt es viele Sichtweisen. Man kann es sich einfach machen und nur die Abschlusstabelle nehmen. Darüber sind wir natürlich auch nicht erfreut. Es wäre definitiv möglich gewesen, über einen längeren Zeitraum Platz drei im Auge zu behalten. Wir hatten schon im September und Oktober des letzten Jahres eine gute Phase, haben in der aber zu viele Punkte liegen gelassen. Wie auch jetzt im März und April, als wir acht Spiele in Folge ungeschlagen geblieben sind. Doch wir haben nach guten Spielen zu oft 0:0 gespielt. Hier und da ein „Dreier“ mehr, dann hast du eine echte Chance. Auch, dass man – wie in der Vorsaison - mal ein schlechtes Spiel gewinnt, wäre nötig gewesen, um oben dran zu bleiben. Wie beispielsweise bei unserem 1:0-Heimsieg gegen Aalen. Es bleibt aber festzuhalten, dass Holstein sich in den vergangenen drei Jahren als Drittligist zementiert hat. Holstein zählt zu den 56 besten Vereinen im Land des Weltmeisters. Selbst als Kiel von 1978 bis 1981 zu der damals zweigeteilten Zweiten Liga gehörte, waren das immerhin 58 Klubs. Dazu gibt es andere, warnende Beispiele. Wie die Stuttgarter Kickers, die letzten Jahr knapp hinter uns Vierter geworden waren und jetzt in die Regionalliga abgestiegen sind. Oder der SC Paderborn, der nach dem Bundesliga-Abstieg direkt in die Dritte Liga durchgereicht wurde.

Hat das Last-Minute-Scheitern im Aufstiegsdrama von München am 2. Juni 2015 zu lange und zu intensiv auf der Seele der Profis gelastet?

Nein, aus meiner Sicht nicht. Natürlich haben wir nach München viel positives Feedback bekommen und waren als Mitfavorit im Aufstiegsrennen gehandelt worden. Wir hier im Klub hatten München aber schon sehr schnell abgehakt. Dass die Spieler damals mit hängenden Ohren in den Urlaub gegangen sind, war klar. Aber dann kam die neue Saison mit neuen Kollegen ...

 und mit neuen Problemen. Wie die lange unsichere Defensive, die im Vorjahr noch das Prunkstück der Kieler gewesen war.

Das stimmt. Wir haben nach den Verletzungsausfällen von Torwart Kenneth Kronholm und Marlon Krause und nach den Abgängen von Rafael Kazior, Mikkel Vendelbo und Hauke Wahl zu lange gebraucht, um defensiv stabil zu sein. Das war ein Hauptproblem. Das zweite war die mangelnde Konstanz der vermeintlich festen Größen im Team. Das Wellenbad der Einzelnen war zu groß. Ein positives Beispiel in dieser Hinsicht ist Rechtsverteidiger Patrick Herrmann. Auf die ganze Saison gesehen, hat er es geschafft, defensiv zu 98 Prozent die Erwartungen zu erfüllen. Zwei oder drei gute Spiele hinzulegen, schaffen viele. Echte Qualität verlangt aber deutlich mehr.

Zu einer Bilanz gehört immer auch ein Blick nach vorne. Wie lauten Ihre Zielsetzungen?

Ziel ist es, den Kader zu verstärken. Ziel ist es, wieder oben in der Tabelle ranzuschnuppern. Wir wollen die Wahrscheinlichkeit des Erfolges erhöhen. Vielleicht kommt nach Dominic Peitz, Dominick Drexler und Luca Dürholtz noch der eine oder andere Neuzugang dazu. Eine gesunde Kaderstärke wäre 20 Feldspieler plus drei Torhüter. Dann müsste man aber fast ohne Verletzungen durchs Jahr kommen. Dass das kaum funktioniert, hat diese Saison bewiesen. Und du kannst nicht 18 Häuptlinge im Kader haben.

Interview: Andreas Geidel
 und Thomas Pfeiffer

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Ein Artikel von
Andreas Geidel
Sportredaktion

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