23 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
„Rafael Kazior ist nicht 1:1 zu ersetzen“

Karsten Neitzel im KN-Interview „Rafael Kazior ist nicht 1:1 zu ersetzen“

Für Fußball-Drittligist Holstein Kiel beginnt am Sonnabend (14 Uhr) mit der Heimpartie gegen Mainz 05 II der Ernst der neuen Punktspielsaison. Cheftrainer Karsten Neitzel (47) sieht die Störche gut gerüstet, spricht in diesem Interview über den Sinn von Prognosen und Maßnahmen gegen interne Störenfriede.

Voriger Artikel
„Störche“ weihen neue Voliere ein
Nächster Artikel
Holsteinstadion noch Großbaustelle

Sonnige Aussichten für die Dritte Liga: Holstein Kiels Cheftrainer Karsten Neitzel beim Interviewtermin mit Blick auf die Förde.

Quelle: Matthias Hermann

Kiel. Herr Neitzel, nur ein Testspiel gegen einen Gegner auf Liga-Augenhöhe, dazu mit Milad Salem, Kenneth Kronholm, Saliou Sane, Evans Nyarko, Maik Kegel, Manuel Janzer Dominik Schmidt und Fabian Arndt acht verletzte oder zwischenzeitlich angeschlagene Profis – sieht der optimale Verlauf einer ohnehin nur viereinhalbwöchigen Saisonvorbereitung nicht anders aus?

 Das hätte in der Tat geschmeidiger vonstatten gehen können. Der Kreuzbandriss von Milad ist unter den genannten Fällen natürlich besonders bitter. Mit der Auswahl der Testspiel-Gegner kann ich leben. Gegen SonderjyskE, Hertha BSC II und VfB Lübeck kann man spielen und wichtige Erkenntnisse gewinnen. Nur im letzten Test vor dem Saisonauftakt hätte ich mir einen höherklassigen Gegner als Stockelsdorf gewünscht. Ich glaube aber, dass wir insgesamt ganz gut dabei sind.

Ohne ausgeschiedene Leistungsträger wie Rafael Kazior oder Mikkel Vendelbo muss der neu formierte Kader auch eine neue Hierarchie entwickeln. Inwieweit ist dieser Prozess schon abgeschlossen?

 Ein derartiger Prozess endet vielleicht nie. Im Moment ist in der Gruppe ordentlich Bewegung. Die Spieler beschnuppern sich, Neugierde herrscht zwischen den neuen und schon länger in Kiel tätigen Akteuren. Die, die schon länger das Holstein-Trikot tragen, machen es den Neuen leicht. Sie geben sich große Mühe bei der Integration.

  Vor allem der zu Werder Bremen II gewechselte Rafael Kazior hinterlässt eine große Lücke. Wer soll dessen Nachfolger als Kapitän werden, wer übernimmt die Rolle des sportlichen Taktgebers auf dem Rasen?

 Ich werde am Dienstag den fünfköpfigen Mannschaftsrat bestimmen. Diese Gruppe wählt dann den neuen Kapitän. In den vergangenen beiden Jahren habe ich sowohl Mannschaftsrat als auch Kapitän wählen lassen. Dieses Prozedere wäre in diesem Jahr aufgrund des personell umstrukturierten Kaders vielleicht nicht so ganz aussagekräftig gewesen. „Rafa“ ist natürlich nicht 1:1 zu ersetzen. Aber das muss auch nicht sein. Die Verantwortung, die er getragen hat, muss sich jetzt auf mehrere Schultern verteilen. Maik Kegel und Fabian Schnellhardt könnten in diesem Punkt eine sehr wichtige Rolle spielen. Vor allem stehen die Offensivspieler in der Pflicht.

  Beim 0:1 in Lübeck am vergangenen Mittwoch mangelte es in vorderster Front an Durchsetzungsvermögen, auch die kreativen Elemente blieben auf der Lohmühle überschaubar. Vor allem aber war der bedingungslose Teamspirit der vergangenen Serie noch nicht zu erkennen. Ist die Mannschaft schon reif für den Saisonstart?

 Das sehe ich ein bisschen anders. Die Arbeit gegen den Ball funktioniert schon ganz gut. Und bei eigenem Ballbesitz gehen auch schon viele Dinge. Wir hatten fünf Hochkaräter gegen Lübeck. Die musst du nutzen, da fehlte in einigen Situationen die individuelle Qualität beim letzten Pass oder Schuss. An der Verbesserung der Effizienz müssen wir weiter hart arbeiten. Das kriegen wir hin. In der vergangenen Saison hatten wir eine enorme Mannschaftsqualität und haben über einen langen Zeitraum eine große Konstanz gezeigt. Bei der Zusammensetzung des Kaders für das neue Spieljahr haben wir versucht, mögliche Verletzungsfälle besser kompensieren zu können. Die verbesserte individuelle Qualität und den Teamgeist zusammenzufügen, das ist unser großes Ziel. Dieses Puzzle muss passen. Und da helfen gute Ergebnisse zum Saisonstart natürlich immens.

 Stichwort „erhöhter Konkurrenzkampf“: Mit welchen Maßnahmen wollen Sie unzufriedene Spieler bei der Stange halten – und was passiert mit denen, die sich beleidigt in ihr Schneckenhaus zurückziehen?

 Ich verlange von keinem Spieler, dass er sagt: „Toll, dass ich nicht spiele.“ Er darf mit seinen Gefühlen nur niemanden belasten, er darf nicht kontraproduktiv sein. Wir Trainer sind immer gesprächsbereit, nur Diskussionszirkel wie im Bundestag wird es bei uns nicht geben. Die Tür ist bis zum Ende der Transferperiode am 31. August in beide Richtungen offen. Wenn sich jemand nicht wohl fühlt, soll er zu mir kommen. Ich gehe aber davon aus, dass dies nicht der Fall sein wird.

  Einstelliger Tabellenplatz – so lautet die offizielle Zielsetzung des Klubs. Understatement nach Platz drei in der Vorsaison oder eine realistische Einschätzung?

 Tabellen-Prognosen sind spannend für die Fans und Journalisten, aber im Grunde sind sie oberflächlich. Unser Ziel ist es, die Gruppe, und damit meine ich den kompletten Verein, nachhaltig weiter zu entwickeln. Wir gehören zu den zehn bis zwölf Teams der Dritten Liga, die bei der Ausschöpfung aller Möglichkeiten oben in der Tabelle mitspielen können.

  Wen würden Sie nach aktuellem Stand der Dinge auf den Favoritenschild für die Aufstiegsplätze zur Zweiten Liga heben?

 Vielleicht Dynamo Dresden. Doch solche Umfragen, wie sie im Moment gemacht werden, basieren auf dem Gefühl, was im vergangenen Jahr gewesen ist. Und was aktuell auf dem Transfermarkt passiert ist. Wir hätten im letzten Jahr aber zum Beispiel auch mit einem neunten Platz eine gute Saison gespielt. Und ich verweise gerne auf das Beispiel des 1. FC Saarbrücken. Der gehörte in der Saison 2013/14 zu den Top-Favoriten der Liga und ist dann am Ende des Spieljahres abgestiegen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Andreas Geidel
Sportredaktion

ANZEIGE
Mehr zum Artikel
Holstein Kiel
Foto: Da trug er die Kapitänsbinde schon: Marlon Krause im Landespokalfinale gegen den VfB Lübeck.

Dienstagnachmittag vor dem 15.30-Uhr-Training stieg weißer Rauch aus dem Kreis des Mannschaftsrates des Fußball-Drittligisten Holstein Kiel auf: Die von Cheftrainer Karsten Neitzel bestimmten Maik Kegel, Tim Siedschlag, Denis-Danso Weidlich und Dominik Schmidt wählten mit Marlon Krause das fünfte Ratsmitglied zum neuen Kapitän.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten: Holstein Kiel 2/3