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„Duell gegen Holstein schwer vorstellbar“

Interview mit Rafael Kazior „Duell gegen Holstein schwer vorstellbar“

Seit Donnerstag herrscht im Nest der Störche Urlaubs-Atmosphäre. Im Gepäck der Drittliga-Profis bis zum Trainingsbeginn am 24. Juni liegen die Fitness-Anleitungen des Trainerstabes für die vor allem mental wichtigen Erholungstage nach dem Drama der Allianz Arena vom 2. Juni. Doch einer der traurigen Holstein-Helden von München geht als Spieler für immer von Bord des Kieler Fußball-Flaggschiffes: Der 32-jährige Kapitän Rafael Kazior.

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Und wieder ein Treffer von Rafael Kazior (li.): Elf Tore, so viel wie nie zuvor in einer Spielzeit, erzielte der scheidende Störche-Kapitän in dieser Saison. Nach insgesamt 152 Punktspielen im Holstein-Trikot wechselt der 32-Jährige jetzt von der Förde an die Weser.

Quelle: Matthias Hermann

Kiel. Herr Kazior, in meinem Kopf laufen immer noch die Bilder der entscheidenden Szenen des Relegationsspieles in München ab. Wie ist das bei Ihnen?

Bei mir ist das ganz ähnlich. Vor allem der Tag danach war geprägt von der Erinnerung an die Bilder der letzten zwölf Minuten. Die Autogrammstunde bei „Citti“ hat dann aber wirklich gut getan. Die vielen Menschen dort, die uns gedankt haben für die tolle Saison. Natürlich hatten auch wir uns einen anderen Ausgang als die 1:2-Niederlage gewünscht. Aber es ja nichts, sich selbst zu bemitleiden. Spätestens, wenn die neue Saison mit dem Trainingsauftakt beginnt, muss das Thema abgehakt sein.

Ganz besonders schlimm muss die Situation direkt nach dem Abpfiff in München in der Holstein-Kabine gewesen sein.

Es war ruhig, gespenstisch ruhig. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Da gab’s keine Wutanfälle, kein Geschrei. Das war einfach nur eine allgemeine Schockstarre. Es herrschte komplette Fassungslosigkeit. Unser Trainer Karsten Neitzel hat sich um ein paar aufbauende Worte bemüht. Letztlich musste aber jeder selbst für sich mit diesem grausamen Moment klar kommen.

Sie wechseln zur kommenden Saison zu Werder Bremen II. Wie beschreiben Sie im Rückblick Ihre letzten vier Jahre bei Holstein Kiel?

Es war einfach toll! In jedem Jahr hatten wir ein Highlight. 2012 der Einzug ins DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Borussia Dortmund und die Niederlage am letzten Spieltag in Wolfsburg, die uns den Aufstieg in die Dritte Liga gekostet hat. Im Jahr darauf die Punktabzüge am Tagh vor dem entscheidenden Spiel gegen Havelse und der Aufstieg in der Relegation gegen Hessen Kassel. Im vergangenen Jahr dann der Klassenerhalt am letzten Spieltag in Darmstadt. Und jetzt der Relegations-Krimi von München. Es war immer immer Nerven aufreibend im positiven Sinne. Ich verlasse Kiel mit einem überaus positiven Gefühl. Ich habe viele tolle Leute hier kennengelernt. Und mit Karsten Neitzel den besten Trainer meiner Karriere erlebt. Einen, der mich noch ein Stück weiter gebracht hat.

Wie emotional waren die letzten Umarmungen, die letzten Handshakes für Sie?

Das war noch einmal intensiv. Alle haben mir viel Glück in Bremen gewünscht – außer, wenn es gegen Holstein geht. Vom Verein gab’s einen Blumenstrauß, einen Bildband als Erinnerung und eine Uhr. Ich werde auf jeden Fall Kontakt halten und den Weg der Störche weiter verfolgen.

Ihr neuer Arbeitgeber ist künftiger Drittliga-Konkurrent von Holstein. Können Sie sich ein Duell gegen Ihre Noch-Kollegen schon vorstellen?

Im Moment ist das tatsächlich nur schwer vorstellbar. Beispielsweise gegen Mikkel (Vendelbo/d. Redaktion) und Heidi (Marc Heider/d. Redaktion), zu denen ich auch privat einen Superkontakt hatte, zu spielen. Warten wir mal den Spielplan ab, vielleicht geht alles schneller als man denkt. Dann ruht die Freundschaft für 90 Minuten. Das ist das dann emotionales Business.

Mit welchen Erwartungen fahren Sie an die Weser?

Ich bin von Trainer Alexander Nouri als Ersatz für den bisherigen Führungsspieler Florian Bruns eingeplant und soll ein Auge auf die jungen Spieler haben. Ich werde im Rahmen meines Zweijahres-Vertrages aber auch andere Stationen des Klubs durchlaufen. Das Teammanagement oder auch die Scouting-Abteilung. Vielleicht ergibt sich die Möglichkeit, einen Trainerschein zu erwerben. Das wäre mein Traum. Ich möchte auch später ganz nahe an einer Mannschaft sein. Ich liebe den Stallgeruch des Fußballs. Jetzt geht’s aber erst einmal für 13 Tage nach Dubai zum Entspannen.

Das Interview führte Andreas Geidel.

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Ein Artikel von
Andreas Geidel
Sportredaktion

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