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Opferrolle für die „alte Liebe“

Manuel Janzer Opferrolle für die „alte Liebe“

Wenn am Sonnabend um 14 Uhr Holstein Kiel gegen den VfB Stuttgart II antritt, schlagen beim Kieler Manuel Janzer zwei Herzen in der Brust. Er spielte zehn Jahre für das heutige Schlusslicht der Dritten Liga – und fehlt Holstein gegen seinen Ex-Verein.

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Zwangspause für den Störche-Flügel: Manuel Janzer kann beim Duell gegen seinen Ex-Klub VfB Stuttgart II wegen der Folgen eines Muskelfaserrisses nur zuschauen.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Die streikende Muskulatur lässt einen Einsatz nicht zu. Stattdessen schlagen Sonnabendnachmittag (14 Uhr) auf der Tribüne gleich zwei Herzen in seiner Brust. Manuel Janzer, angeschlagener Mittelfeldspieler des Fußball-Drittligisten Holstein Kiel, hofft, dass „seine“ Störche mit dem erst sechsten Heimsieg dieser Saison allerletzte Restzweifel am Klassenerhalt beseitigen. Dass ausgerechnet das Tabellenschlusslicht VfB Stuttgart II in die Opferrolle gedrängt werden muss, ist für den Vollblut-Schwaben die Kehrseite der Medaille.

 Kein Wunder, trug der 24-Jährige doch fast zehn Jahre das weiße Trikot mit dem roten Brustring. Nahm ab 2004 alle Stufen des lange gepriesenen VfB-Internats. Schoss an der Seite von Torwart Bernd Leno 2009 im Finale um die deutsche B-Jugendmeisterschaft gegen den FC Bayern mit dem blutjungen David Alaba einen Treffer zum 3:1-Triumph nach Verlängerung. Stand mit der U17-Nationalmannschaft wenige Tage zuvor auf dem EM-Siegerpodest. Galt als potenzieller Anwärter für den Bundesliga-Kader – und schaffte letztlich den Sprung doch nicht. Immerhin 94 Drittligaeinsätze verbuchte Janzer in Reihen des Erstliga-Ausbildungsteams. Nun scheint für das Drittliga-Gründungsmitglied der Abstieg in die Vierte Liga besiegelt.

 „Diese negative Entwicklung beobachten zu müssen, tut schon ein wenig weh. Schließlich bin ich in Stuttgart groß geworden“, sagt der gelernte Sport- und Fitnesskaufmann. Seit knapp zwei Jahren geht der pfeilschnelle Flügelspieler für andere Klubs auf Tor- und Punktejagd. Erst Heidenheim, seit dieser Serie Kiel. Eine gewisse Verbundenheit ist geblieben. Mit dem VfB-II-Routinier Angelo Vier hat der gebürtige Aalener in den vergangenen Tagen telefoniert. Auch die Ursachenforschung der Stuttgarter Misere gehörte zu den Gesprächsinhalten. „Vielleicht fehlt dem VfB II in diesem Jahr einfach auch ein Stück Qualität“, rätselt Janzer.

 Mit Sicherheit aber sei der sportliche Abschwung im Nachwuchsbereich dem Abgang des Ex-Jugendleiters Frieder Schof geschuldet. Der 59-Jährige war nach 29-jähriger Arbeit als VfB-Nachwuchsleiter, in dessen Ära Entdeckungen wie Kevin Kuranyi, Sami Khedira und Mario Gomez fallen, 2013 dem Ruf von Ralf Rangnick zu RB Leipzig gefolgt.

 So weit indes geht Janzers Zuneigung zur „alten Liebe“ nicht, dass er bei der Frage nach dem Tipp fürs heutige Duell nicht klar Stellung bezieht: „Wir gewinnen gegen meinen Ex-Verein mit 3:0.“ Dass er keinen aktiven Beitrag leisten kann, nervt den Blondschopf gewaltig. Bereits zum dritten Mal in dieser Saison fällt Janzer wegen muskulärer Probleme im hinteren linken Oberschenkel aus. In der jüngsten Zwangspause hat er sich zwecks Ausschaltung möglicher Krankheitsherde zwei Weisheitszähne ziehen lassen.

 Für Uwe Stöver, Geschäftsführer Sport bei den Störchen, steht der Fall VfBII als Beispiel für die Qualitätssteigerung der Dritten Liga, die mit ihrer Ausgeglichenheit gerade zweiten Mannschaften mit ihren gut ausgebildeten, aber im Herrenbereich teils noch zu inkonstant agierenden Talenten große Probleme bereite. Stöver selbst könnte mit einem Kieler Heimsieg letzte Restzweifel an seinem Aufstieg beseitigen. Denn nach übereinstimmenden Medienberichten soll der 48-Jährige Einigkeit mit dem Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern erzielt haben und das Holsteinstadion schon bald als neuer Sportchef der „Roten Teufel“ in Richtung Betzenberg verlassen. Voraussetzung für die offizielle Verkündung: der endgültige Klassenerhalt der Störche.

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Ein Artikel von
Andreas Geidel
Sportredaktion

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