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„Das geht physikalisch doch gar nicht“

Marcel Meinert „Das geht physikalisch doch gar nicht“

Es ist einer der begehrtesten Arbeitsplätze in der Fußball-Branche: TV-Kommentator im Stadion. Marcel Meinert reist für den Bezahlsender Sky durchs Land. Am Sonnabend war der 35-jährige gebürtige Heider beim Pokalspiel der Störche gegen den VfB Stuttgart im Einsatz. Ein besonderer Auftrag, denn Meinert jubelt und leidet als Schleswig-Holsteiner mit Holstein Kiel.

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Marcel Meinert in der Kommentatorenbox im Kieler Holsteinstadion. Der in Heide geborene und in Neumünster aufgewachsene 35-Jährige war am Sonnabend als Reporter beim Pokalspiel der Störche im Einsatz.

Quelle: Jörg Lühn

Kiel. Hinter der Spielbegleitung steckt reichlich Arbeit. Während der Konferenz im Produktionsmobil von Sport Cast, dem TV-Mediendienstleister, informiert Leiter Tobias Barenthien, dass es keine Kabinenbilder gibt: „Egal, wie das Spiel ausgeht.“ Sieben Kameras sind im Einsatz. Meinert, der 1999 am Kant-Gymnasium in Neumünster sein Abitur gemacht hat und 2006 während der Fußball-WM bei einem Moderatoren-Wettbewerb in Berlin entdeckt wurde, stimmt mit Aufnahmeleiter Jörn Tietgen eine Stell-, Mikrofon- und Kameraprobe für das Interview mit Stuttgarts Trainer Alexander Zorniger ab. Oben in der Kommentatorenbox rückt er die beiden Monitore sowie die Sprecheinheit mit ihren 16 Dreh- und zwölf Schaltknöpfen zurecht. Das Headset wird justiert.

 Während die VfB-Fans auf den Stuttgarter Bus warten und auf ein Foto mit Martin Harnik hoffen, weiß Meinert längst, dass der 28-jährige gebürtige Hamburger nicht mit dabei ist. Noch 25 Minuten bis zum Anpfiff. Meinert schwitzt in der Box. Trotz geöffneten Fensters sorgen Abendsonne und elektronische Geräte für eine hohe Raumtemperatur. Er hat einen fast freien Blick auf das Spielfeld. Das Live-Bild sieht er zweimal. Der rechte Monitor zeigt die Aufnahme in Echtzeit, links wird das Fernsehbild ausgestrahlt, das der Zuschauer zu Hause neun Sekunden verzögert empfängt. „Der Datentransfer braucht seine Zeit“, sagt Meinert.

 Um 20:24,53 Uhr ist Sky live drauf. Sieben Sekunden zu früh. Meinert wartet den Pokaltrailer ab, ehe er die Zuschauer an den Fernsehschirmen begrüßt: „An der Kieler Förde kann man auch an einem Sonnabendabend um kurz vor halb neun noch Moin-Moin sagen.“ Die Kunst einer möglichst objektiven Spielbegleitung liegt darin, eigene Einschätzungen mit kleinen Geschichten zu mischen. Meinert bejubelt das 1:0 von Rafael Czichos: „Da brat’ mir doch einer ’nen Storch!“ Das 1:1 durch Daniel Didavi ist für ihn ein lockerer Spaziergang am Ostseestrand. Beim 1:2 durch Daniel Ginczek weiß er sofort, dass Vorbereiter Tobias Werner den Ball nicht mit der Hand spielte, und in der Nachspielzeit schlägt die Stimme hoch: „Er weiß doch, wo das Tor steht, Rafael Czichos! Und dann der Flugkopfball, da wo er physikalisch gar nicht hingehen kann – unfassbar!“

 Für den Kommentator folgen noch die schnellen Interviews auf dem Feld, Pressekonferenz, eine letzte Besprechung mit dem Team und die Fahrt zurück zu den Eltern nach Neumünster. Dort war er seit Mittwoch einquartiert. Am Sonntagmittag war das Pokalspiel für ihn abgehakt. Meinert flog zurück nach München, fuhr ins Studio nach Ismaning und kommentierte das Premier-League-Spiel Stoke City gegen den FC Liverpool. Erst am Abend schloss er zu Hause in Landshut Ehefrau Tina und Sohn Finn wieder in die Arme.

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