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Mikkel Vendelbo ist Botschafter

Holstein Kiel Mikkel Vendelbo ist Botschafter

Als er im Januar 2014 Hönefoss BK verließ und einen bis 30. Juni 2016 befristeten Vertrag bei Holstein Kiel unterschrieb, schüttelten zahlreiche skandinavische Fußball-Experten den Kopf. Warum nur wechselte Mikkel Vendelbo, der in seiner dänischen Heimat hoch angesehene Profi, freiwillig von der Ersten norwegischen in die nördlich von Flensburg bis dato nahezu gänzlich unbekannte Dritte Liga Deutschlands?

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Wiederholung erwünscht: Holsteins „Danish Dynamite“ Mikkel Vendelbo (2.v.li.) trifft von der Strafraumgrenze zum 1:0 gegen Regensburg. Gelingt dem 27-Jährigen am Sonnabend gegen Fortuna Köln sein zweiter Saisontreffer?

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Gut 15 Monate später können die Skeptiker von einst den ungewöhnlichen Weg des Mittelfeldspielers nur allzu gut nachvollziehen.

 Am Sonnabend (14 Uhr) empfängt Vendelbo mit seinen Störchen Fortuna Köln (live bei N3). Es gilt, mit dem siebten Heimsieg in Folge vorzeitig das Ticket für die Aufstiegsspiele zur Zweiten Bundesliga zu lösen. Rund 8000 KSV-Fans werden das Holsteinstadion erneut in einen prall gefüllten Hexenkessel verwandeln. „Beim letzten Spiel in Kiel waren sechs Freunde von mir zu Besuch. Sie konnten kaum glauben, welche Stimmung hier herrschte“, erzählt der 27-jährige Vendelbo und strahlt dabei übers ganze Gesicht. Den letzten Auswärtsauftritt der Kieler bei Spitzenreiter Arminia Bielefeld bezeichnet der Anhänger der Heavy-Metal-Band Rammstein fast schon sentimental als emotionalen Höhepunkt seiner Karriere. Die prächtige Kulisse von über 24000 Zuschauern auf der Alm, die gefühlt gleiche Anzahl an Fan-Schals, die Kiel als Vorbild dienenden, ohrenbetäubenden Gesänge von den Rängen und am Ende der enthusiastische Jubel der gut 1500 Holstein-Schlachtenbummler über das Last-Minute-2:2 – für Vendelbo war das alles „krass und so geil“.

 Die Interviewwünsche dänischer Journalisten häufen sich in letzter Zeit ob der konstanten Erfolge der Störche, so der zweifache Familienvater. „Ihre am meisten gestellte Frage heißt: Sind die Deutschen verrückt? Und ich antworte: Ja!“ Danish-Dynamit Mikkel Vendelbo, Botschafter für die Dritte Liga.

 Mit seinem Stammverein Esbjerg fb habe er mitunter auch in vollen Stadien gespielt, erinnert sich das taktisch versierte und zweikampfstarke Nordlicht. „Dies aber nur, wenn es gegen Bröndby oder Kopenhagen ging. Doch die dänischen Zuschauer verhalten sich eher wie ein Theaterpublikum. In Deutschland schreien, singen und klatschen alle – dieser Support ist richtig cool.“ Nur rund 100 Kilometer liegen zwischen Kiel und der dänischen Grenze. „Und doch ist das hier eine andere Fußball-Welt“, schwärmt Vendelbo.

 Holstein-Erfolgstrainer Karsten Neitzel weiß, was er an seinem Skandinavien-Import hat. Immerhin zählt Vendelbo zu jenen elf Akteuren seines Kaders, die vor Spieltag 36 bereits 30 Punktspiel-Einsätze im Trikot der Störche zu verzeichnen haben. Kontinuität in Sachen Stammpersonal – auch das ist eine der Erfolgsformeln des Tabellendritten. Weitere Tugenden beschreibt Tattoo-„Monster“ Vendelbo: „Wir wissen, wir können viel laufen. Wir wissen, dass wir auch gut kicken können. Und wir glauben an uns. Das hat man bei dem 2:2 in Halle nach 0:2-Rückstand und zuletzt in Bielefeld gesehen.“

 Mit seinem bislang einzigen Saisontor bescherte Vendelbo den Störchen am 21. März den 1:0-Heimtriumph gegen Jahn Regensburg. Dass Fußball-Kiel den Störchen nach 34-jähriger Abstinenz auf der Rückkehr ins Bundesliga-Unterhaus kollektiv die Daumen drückt, hat Vendelbo mittlerweile verinnerlicht. Er selbst strebt dazu mit Macht die Erfüllung eines persönlichen Traumes an: skandinavischer Botschafter für die Zweite Liga!

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Ein Artikel von
Andreas Geidel
Sportredaktion

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