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Fußball-Fanprojekt besteht Tüv

Präventiv gegen Gewalt und Extremismus Fußball-Fanprojekt besteht Tüv

Das präventiv gegen Gewalt und politischen Extremismus im Umfeld des Drittligisten Holstein Kiel wirkende Fanprojekt wurde nun mit dem Tüv-Siegel ausgezeichnet.

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AWO Fanprojekt Kiel: Yvonne Leyk, Jerome Schneider, Mathias Woloszyn und Wolf-Ulrich Schwark.

Quelle: Matthias Hermann

Kiel. Ein urdeutsches Motto lautet: Vertrauen ist gut, Kontrolle besser. Kein Auto darf ohne gültige Tüv-Plakette über die Straßen zwischen Flensburg und Konstanz fahren. Und staatlich geförderte Maßnahmen unterliegen naturgemäß der besonderen Beobachtung. Folglich verwundert es wenig, dass im Land des amtierenden Fußball-Weltmeisters auch die präventiv gegen Gewalt und politischen Extremismus wirkenden Fanprojekte ein Siegel benötigen. Über diesen Stempel als Zeichen der offiziellen Würdigung darf sich Jerome Schneider als Leiter des vierköpfigen Kieler Fanprojekts jetzt freuen.

 Zusammen mit seinen Mitstreitern, der 25-jährigen Yvonne Leyk, Mathias Woloszyn (36) und Ulrich Schwark (53), erhält der 29-jährige Soziologe und Pädagoge am 24. Oktober in der Halbzeitpause des Heimspiels des Fußball-Drittligisten Holstein Kiel gegen Dynamo Dresden die drei Jahre gültige Urkunde. Sehr zur Freude auch der Trägerin des Fanprojektes, der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Kiel. Ein Schriftstück, das dem bei der Awo angestellten Quartett zwar nicht direkt die rund 180000 Euro Unterstützung per anno für seine Arbeit sichert, das aber, so Schneider, ein „guter Indikator ist für die weitere materielle Unterstützung“. 50 Prozent zahle Stadt und Land, der Deutsche Fußball-Bund (DFB) komme für den Rest auf. „Damit liegen wir finanziell im deutschen Fanprojekt-Mittelfeld“, sagt Schneider.

 Im Zuge des Drittligaaufstiegs der Störche im Sommer 2013 konstituierte sich das Kieler Fanprojekt unter dem Dach der „Koordinationsstelle Fanprojekte in Deutschland“ (KOS) als offizielle Anlaufstelle für Rat und Unterstützung suchende Fußball-Anhänger an der Förde. Wirtschaftlich und inhaltlich unabhängig von der KSV Holstein, aber zunächst untergebracht in Containern hinter der Westtribüne des Holsteinstadions. Mittlerweile haben Schneider und Co. dort die Türen nur bei Heimpartien geöffnet. Ansonsten ist eine 113 Quadratmeter große Wohnung in der Von-der-Tann-Straße Treffpunkt der interessierten Fans. Hilfe bei Bewerbungsschreiben gehören ebenso zum Arbeitsalltag wie Gespräche am Billard- oder Drehfußballtisch. Das gemeinsame Montags-Kochen wird schon mal durch einen Besuch von Holstein-Cheftrainer Karsten Neitzel bereichert. Ein Segeltörn oder ein Fan-Turnier gehören ebenso zum Programm. „Unsere Hauptzielgruppe sind die jungen Ultras. Enger Kontakt besteht im Moment zu 30 Jugendlichen“, berichtet Schneider. Die „Szenekundigen Mitarbeiter“ Woloszyn (Mitbegründer der ersten Kieler Ultra-Szene) und Schwark seien dabei „eine Art Türöffner für uns auf der Tribüne“.

 Jetzt also der Stempel vom Fanprojekt-Tüv. Verliehen durch die „Arbeitsgruppe (AG) Qualitätssicherung“, einer externen Einrichtung der KOS. In der AG arbeiten unter anderem Vertreter/innen des DFB, der Deutschen Fußball Liga, der Deutschen Sportjugend (DJS) sowie der Universität Hannover unter Leitung des renommierten Diplom-Soziologen Gunter A. Pilz. Überprüft wurden Punkte wie angemessene Räumlichkeiten, das Vorhandensein einer Träger-Organisation, die Bereitschaft zu regelmäßigen Fortbildungen der Mitarbeiter oder auch die Kommunikationsfähigkeit mit der Polizei speziell bei Hochsicherheitsspielen, bei denen sich das Fanprojekt als deeskalierender Vermittler sieht. Grundlage der AG-Tätigkeit ist das „nationale Konzept Sport und Sicherheit“ (NKSS). Was nach Bürokraten-Deutsch klingt, bringt Schneider, nach eigenem Empfinden seit seinem fünften Lebensjahr Fußball-Anhänger aus Leidenschaft, mit Blick auf die aktuellen politischen Probleme auf eine einfache Formel: „Angesichts des Zustroms von Flüchtlingen versuchen wir, fremdenfeindlichen oder rechtspopulistischen Gefahren entgegenzuwirken. Denn Fußball braucht keine Sprache, alle sind auf einem Nenner. Unabhängig von Religion, Kultur oder Herkunftsland.“

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