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Normal ist das nicht

SG Sonnenhof Großaspach Normal ist das nicht

Die Berg ruft! Und 30 000 kommen. So war es im Sommer vergangenen Jahres, als Schlagerstar Andrea Berg in ihrer Heimatgemeinde Aspach zwei Open-Air-Konzerte vor jeweils 15 000 Anhängern gab. Austragungsort war die Mechatronik Arena, die Heimstatt des Fußball-Drittligisten SG Sonnenhof Großaspach.

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Melodien für Millionen produziert Schlagerstar Andrea Berg, der prominenteste Fan des selbsternannten Dorfklubs SG Sonnenhof Großaspach.

Quelle: dpa

Aspach/Kiel. Dieser kann von dem Zuschauerzuspruch für seinen prominentesten Fan nur träumen. 2528 Besucher sahen im bisherigen Saisonschnitt die Heimauftritte der SG, und diesen Wert wird auch das Gastspiel von Holstein Kiel am Sonnabend (14 Uhr) nicht gravierend verändern.

Lediglich Fortuna Köln sowie die Reserveteams der drei Bundesligisten Werder Bremen, Mainz 05 und VfB Stuttgart verzeichnen noch weniger Zuschauer als der 8300-Seelen-Ort am Südrand der Löwensteiner Berge in Baden-Württemberg, zwischen Stuttgart und Heilbronn gelegen. Funktionsträger und Fans betrachten ihre SG voller Stolz als Dorfverein – der vier Tage vor Saisonschluss als Tabellenvierter reelle Aussichten zumindest auf den Relegationsplatz hat. Normal ist das nicht. Aber normal ist bei diesem Klub der gesamte sportliche und gesellschaftliche Zusammenhang nicht.

Regelmäßige Hauskonzerte

Die Spinne im Provinznetz heißt Ulrich Ferber. Der 53-Jährige ist erfolgreicher Spielerberater, der u.a. Mario Gomez, Bernd Leno und Joshua Kimmich im Portfolio hat, betreibt eine Marketing-Agentur und besitzt das oberhalb des Stadtteils Kleinaspach gelegene „Erlebnishotel Sonnenhof“, in dem seine Ehefrau Andrea Berg analog zu Udo Lindenbergs Quartier im Hamburger Atlantic ihre Dauer-Residenz eingerichtet hat. Dort gibt die 50-jährige Ikone der leichten U-Musik regelmäßig Hauskonzerte, von dort aus besucht sie gelegentlich den Profifußball im anderen Stadtteil Großaspach.

Die außergewöhnliche Geschichte des Klubs im Rems-Murr-Kreis nahm ihren Anfang 1976, als der begeisterte Hobbykicker Ferber mit ein paar Freunden die Thekenmannschaft SG Sonnenhof gründete, die 1994 mit der SpVgg Großaspach fusionierte. Von der Landesliga ging es im Laufe der Jahre immer weiter nach oben bis hin zum Aufstieg in die Dritte Liga vor zwei Jahren. Nach Rang 15 in der Debüt-Saison klopft der Klub nun ans Tor zur Zweiten Liga.

Spieler schaffen sich zweites Standbein

Zu den Besonderheiten der SG, deren Gesamtetat 2,85 Millionen Euro beträgt und damit weit unter dem Liga-Durchschnitt liegt, gehört das duale System: Rund 15 bis 25 Stunden in der Woche verbringen die Spieler in Betrieben oder an der Uni. „Wichtig ist, dass die Spieler sich ein zweites Standbein schaffen. Das gibt Sicherheit, weil man sich in der Dritten Liga nicht so viel zur Seite legen kann“, erläutert Rüdiger Rehm, seit 2012 Chefcoach. Der 37-Jährige würde an dem Ausbildungsmodell trotz einiger logistischer Probleme auch nach einem Aufstieg festhalten wollen. „Aber der Weg dahin geht wahrscheinlich über die Relegation und ist noch weit. Mit der Zweiten Liga beschäftigen wir uns noch gar nicht“, ergänzt der Ex-Profi.

Dass Andrea Berg ungleich mehr Zuschauer in die im Jahr 2011 von einer Investorengruppe gebaute Arena (Kapazität 10000) zieht als der erfolgreiche Drittligist, ist für Rehm kein Problem: „Wir können uns mit Andrea nicht messen. Der Verein profitiert von ihr, ihre Fans sind unsere Fans und umgekehrt.“ Sollte der Aufstieg gelingen, müsste das Stadion gemäß DFL-Auflagen im ersten Jahr um 2000 und danach um weitere 3000 Plätze erweitert werden. Dann könnte die SG Sonnenhof Großaspach in der Liga von Andrea Berg mitspielen – theoretisch zumindest.

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