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Holstein Kiel will besser sein als Manchester City

Trainer Neitzel Holstein Kiel will besser sein als Manchester City

Mittags Grillen, abends Flutlicht-Fußball der Güteklasse eins: Diese Sonnabendkost kann sich wirklich sehen lassen. Drittligist Holstein Kiel hofft im DFB-Pokal auf ähnliche Wundertaten wie in der Saison 2011/2012, als die von Flensburg bis Konstanz beachteten Störche bis ins Viertelfinale kamen. Dagegen will Bundesligist VfB Stuttgart am Sonnabend (20.30 Uhr/live bei Sky) unbedingt einen Fehlstart ins neue Spieljahr vermeiden. Das Holsteinstadion ist ausverkauft, rund 1500 Schlachtenbummler aus dem Ländle machen einen Abstecher an die Ostsee, Spannung pur an der Förde.

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Schöne Pokalmomente im Holsteinstadion: Hier trifft Fiete Sykora (4. v. li.) beim 2:0-Zweitrundensieg gegen den MSV Duisburg am 26. Oktober 2011 per Kopf zur 1:0-Führung der Störche. Der zum Viertligisten ETSV Weiche Flensburg gewechselte Routinier wird am Sonnabend in der Halbzeitpause ebenso offiziell aus dem Nest der Störche verabschiedet wie der letztjährige „Capitano“ Rafael Kazior.

Quelle: Frank Molter

Kiel. „Wir sind glasklarer Außenseiter. Alles, was sich ergebnismäßig in unsere Richtung dreht, ist eine kleine Sensation“, stellt Störche-Cheftrainer Karsten Neitzel nüchtern fest. Doch ein minimales Schlupfloch hält sich der 47-Jährige im Vorfeld dann doch offen: „Wir werden hoch konzentriert sein. Jeder Spieler muss 100 Prozent auf den Rasen bringen. Und wir werden natürlich einen guten Torwart brauchen.“ Gemeint ist Niklas Jakusch, der wie Patrick Herrmann, Tim Siedschlag und Marc Heider schon vor vier Jahren zum erweiterten Pokal-Aufgebot der Störche zählte.

 Voller Respekt beschreibt Neitzel die Arbeit seines Kollegen, den neuen VfB-Coach Alexander Zorniger. Das 4:2 der Schwaben vor einer Woche im Härtetest gegen das englische Star-Ensemble von Manchester City ließ alle Kritiker beim VfB vorerst verstummen. Von „Ball-Jägern“ und „Stuttgarter Überfall-Fußball“ ist nunmehr ob des extrem aggressiven und riskanten Pressings der Süddeutschen die Rede. „Wir wissen, was auf uns zukommt“, sagt Neitzel: „Das ist das Bullen-System aus der Zeit Zornigers bei RB Leipzig – nur noch perfekter. Niemand darf sich erschrecken, wenn dir plötzlich jemand in den Hals beißen will.“ Wer mehr als zwei Ballkontakt benötige, laufe Gefahr, die Kugel postwendend zu verlieren. „Manchester City hatte Anstoß. Und nur sechs Sekunden später hatte VfB-Torjäger Daniel Ginczek die Chance zum 1:0“, skizziert Neitzel eine für die Spielweise des Kontrahenten typische Szene. Die inhaltlich logische Konsequenz: „Wir müssen halt besser sein als Manchester City.“ Das Publikum könne natürlich helfen, jede gewonnene Grätsche werde sicher lauter gefeiert als im Liga-Alltag.

 Dass der Kieler Fußballlehrer nicht schon vor dem Anstoß klein beigibt, zeigt auch die Überlegung in Sachen Mannschaftsaufstellung. Im Gros sei es die Formation, die zuletzt beim 2:0 in Halle den ersten Saison-„Dreier“ einfuhr. Fraglich sei lediglich, ob der etatmäßige, aber im Moment noch auf der Suche nach der Top-Form befindliche Spielmacher Maik Kegel oder doch der Gold-Joker des vergangenen Sonntags, Manuel Schäffler, von Beginn an zum Einsatz komme. Vollblutstürmer Schäffler stünde als Synonym für ausgeprägten Offensivmut.

 Alexander Zorniger plagt derweil vor seiner Pflichtspiel-Premiere mit dem VfB Stuttgart ein herber Verletzungsrückschlag. Der von Neitzel als „echte Waffe“ gepriesene Ivorer Serey Dié muss wegen eines Muskelfaserrisses im Hüftbereich kurzfristig passen. Alternativen auf der „Sechs“ sind der „klare Stratege“ Lukas Rupp oder der „aggressive Zweikämpfer“ Carlos Gruezo. Der Ausfall von Dié wiegt nach Ansicht Zornigers extrem schwer: „Serey ist für mich derjenige, der mit jeder Faser die Bequemlichkeit aus der Truppe jagt.“ Einem Einsatz von Ginczek (Sprunggelenk), neben Edel-Techniker Daniel Didavi aktuell torgefährlichster Akteur der Schwaben, und Martin Harnik (Erkältung) dürfte indes nichts mehr im Wege stehen.

 Dennoch warnt der ebenfalls 47-jährige Zorniger, der beim letztjährigen Fast-Absteiger eine Aufbruchstimmung ausgelöst hat, vor der bei jedem Favoriten gefürchteten Selbstüberschätzung. „Kiel ist etwas anderes als Manchester City.“ Zumal der Gegner noch eine Geheimwaffe parat hält. Mit Blick auf den rustikalen Charme des Holsteinstadions flachste Neitzel gegenüber den Stuttgarter Nachrichten: „Der eine oder andere wird sich sicher umschauen, wenn er die Kabine betritt. Das ist Fußball pur und nicht Seidentuch im Jackett. Da bleibt einem schon mal der Holzwurm im Hintern stecken.“ Wahrlich Furcht einflößende Aussichten für den Erstligisten.

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Ein Artikel von
Andreas Geidel
Sportredaktion

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