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Traum mit Selbstkritik

Arne Sicker Traum mit Selbstkritik

Er lebt seinen Traum, glaubt an seine Zukunft als Profifußballer, ohne sich jedoch wie so viele seiner zahllosen Mitträumer rund um den Globus schon jetzt für einen Großen zu halten. Arne Sicker ist mit 18 Jahren der jüngste Spieler im Holstein-Kader, Linksverteidiger, bescheiden, realistisch, mithin keiner, der die gängigen Klischees der Branche bedient.

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Voll dabei: Arne Sicker (re.) verteidigt im Training gegen Marc Heider, links Finn Wirlmann.

Quelle: pae: Uwe Paesler

Manavgat. In der laufenden Saison spielt er noch für die U19, doch bereits im Oktober ist der 1,84 Meter große Linksfuß von Chefcoach Karsten Neitzel in den Drittliga-Kader hochgezogen worden. Der Blondschopf hofft auf einen Profivertrag bei der KSV, und sein Talent lässt diesen Wunsch nicht als verwegene Utopie erscheinen.

 In seinem ersten Trainingslager mit den etablierten Jungs fühlt er sich „sehr wohl. Ich werde gut integriert. Die äußeren Bedingungen hier sind bestens, es gibt nichts zu meckern“. Unzufrieden sei er lediglich mit dem 1:3 im Testspiel am Mittwoch gegen Halle und seiner eigenen Defensivleistung gewesen, nachdem er in der Pause Patrick Kohlmann auf der linken Seite abgelöst hatte. Selbstkritik, unter Fußballprofis keine selbstverständliche Tugend, ist für den gebürtigen Eckernförder obligatorisch: „Die Ruhe am Ball, die Passgenauigkeit, das Stellungsspiel, daran muss ich noch arbeiten.“

 Seine fußballerische Ausbildung verlief gradlinig. Mit fünf Jahren begann er das Kicken beim Barkelsbyer SV, wechselte sechs Jahre später zur FT Eider Büdelsdorf und stieß danach zur U13 von Holstein. „Angefangen habe ich im Angriff und im linken Mittelfeld, aber irgendwann musste ich mal als linker Verteidiger aushelfen. Das hab’ ich wohl ganz gut gemacht, auf der Position fühlte ich mich gut. Und so hat sich die Sache immer weiter nach hinten entwickelt.“ Rein taktisch betrachtet, versteht sich. Seit der U17 hat er sich als Linksverteidiger „festgespielt“.

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 Noch ist Arne Sicker kein Berufsfußballer, sondern „nur“ ein Spieler in der A-Junioren-Bundesliga. Doch er will den Weg zum Profi, auf dem so viele Talente scheitern, gehen. Seine im vergangenen Jahr erworbene Fachhochschulreife vervollständigt er derzeit mit einem Praktikum bei Holstein, das über viereinhalb Monate geht. „Über berufliche Alternativen habe ich mir noch keine Gedanken gemacht“, sagt der Teenager, der es mindestens ein Jahr lang versuchen wird, sich in der auf Hochleistung und Erfolg gepolten Branche durchzusetzen.

 Sein berufliches Traumziel und sein Vorbild sind jedenfalls schon mal von hoher Qualität. „England wäre der absolute Traum“, verrät Sicker und nennt als Spieler, den er am meisten bewundert, Mats Hummels. Der Nationalspieler von Borussia Dortmund sei zwar kein Außenverteidiger, „aber wegen seiner Ausstrahlung, der Zweikampfstärke und des Stellungsspiels schätze ich ihn sehr“. Konkrete Vorstellungen hat der Kieler Nachwuchsmann bereits von seinem eigenen Spielverständnis: „Wichtig ist es, nach hinten zu sichern. Wenn das gut läuft, will ich Vorstöße wagen, um die Mannschaft offensiv zu unterstützen und vielleicht auch Flanken zu schlagen, die zu Torchancen führen.“ Arne Sicker weiß, was er kann und will – und was er nicht kann und nicht will. Nicht schlecht für einen 18-Jährigen.

Tagebuch aus der Türkei von Thomas Pfeiffer

Heimkehr im Zwiespalt

Schon ist die Trainingslager-Woche im Hotel Starlight Convention Center zu Manavgat fast vorbei. Heute noch Holsteins letztes Testspiel gegen den MSV Duisburg, und am Sonntag um 9.55 Uhr hebt die Maschine vom Flughafen Antalya aus in Richtung Heimat ab. Meine Gefühle sind zwiespältig. Die Offenheit, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen, die hier leben, hat mich beeindruckt. Das ist in den übrigen Tourismus-Hochburgen rund ums Mittelmeer keineswegs selbstverständlich. Auf der anderen Seite hat der furchtbare Terror von Istanbul auch hier an der türkischen Riviera Entsetzen und Sorge ausgelöst, sowohl bei Einheimischen als auch bei Gästen. Ich versuche den zwangsläufig auftretenden Reflex „Hier kann man also auch nicht mehr hinfahren“ zu unterdrücken, denn unsere Gastgeber können vor der Bedrohung nicht einfach wegfliegen. Man mag sich gar nicht vorstellen, welche Folgen ein Anschlag hier im Sommer hätte, wenn in der Hochsaison Millionen Erholung und Spaß suchen. Und doch kann gemäß der perfiden Logik des Terrors so eine Tragödie nicht ausgeschlossen werden. Der Tourismus in der gewohnten Form wäre dann wohl erledigt, den feinen Menschen hier die Lebensgrundlage für eine unbekannte Dauer entzogen. Es sind dramatische Zeiten.

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Ein Artikel von
Thomas Pfeiffer
Sportredaktion

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