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Verletzte Holstein Kiel Fit im Schlaf

Muskelverletzungen zählten in der vergangenen Saison eher zu den Raritäten beim Fußball-Drittligisten Holstein Kiel. Das ist in dieser Serie anders. Leben die Profis nicht ihrem Job entsprechend?

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Diese Störche mussten beim Punktspielstart 2016 wegen Muskelverletzungen passen: (von links) Evans Nyarko, Manuel Janzer und Maik Kegel.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Allein zum Jahresbeginn mussten sich Maik Kegel (Muskelverhärtung in der Hüfte), Manuel Janzer (Muskelverhärtung im hinteren Oberschenkel) und Evans Nyarko (Muskelfaserriss in der Wade) aufgrund ihrer Beschwerden mit Physiotherapie und Lauftraining begnügen. Am vergangenen Sonntag gesellte sich nun auch noch Tim Siedschlag mit einem Muskelfaserriss in der Wade, den er beim 3:2-Erfolg bei Fortuna Köln erlitt, zu diesem Trio.

Sörensen stimmt Rangnick zu

Fragen ergeben sich aus einer These von Ralf Rangnick: „Aus fachlicher Distanz betrachtet, kann ich nur sagen: Spieler, die sich mit Haut und Haaren ihrem Beruf verschreiben, sind in aller Regel selten verletzt“, hatte der Sportdirektor und Chefcoach des potenziellen Bundesliga-Aufsteigers RB Leipzig in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ behauptet. „Diese Aussage geht komplett in die richtige Richtung“, sagt Timm Sörensen, Fitnesstrainer der Störche. Nicht nur die eigenverantwortliche Arbeit im Kraftraum und die richtige Ernährung, vor allem ausreichender Schlaf sei fundamental wichtig für die Spieler. „Und dies nicht nur in zwei Nächten pro Woche“, so Sörensen. Ganz auszuschließen seien Verletzungen indes naturgemäß nie. Wie beispielsweise bei Siedschlag, der sich in Köln beim Versuch einer Balleroberung mit langem Bein die Blessur einhandelte. Die knapp siebenstündige Bus-Rückfahrt aus der Domstadt habe sich, so Sörensen, für den 28-Jährigen dabei als Glücksfall erwiesen. Der Mittelfeldspieler habe das Bein hochlegen und kühlen können. „Dadurch ist die Einblutung vergleichsweise gering geblieben“, erklärt Sörensen. Jetzt gelte es für Siedschlag, mit Geflügel oder fettreichem Fisch den Proteinspeicher zu Gunsten der Stoffwechselbeschleunigung aufzufüllen. Inklusive medizinischer Behandlung lasse sich die Zwangspause so auf drei, möglicherweise gar nur zwei Wochen beschränken.

Heftigere Belastungen schädlich

Generell sieht Sörensen im Missverhältnis der stetig intensiver werdenden körperlichen Belastungen im Wettkampf und der kurzen Erholungsphasen eine Hauptgefahrenquelle für den Anstieg muskulärer Probleme: „Die Profis sind chronisch überbelastet. Kleinere Verletzungen können im saisonalen Ablauf nicht korrigiert werden. Der Körper holt sich dann das, was er an Ruhe benötigt.“ Eine mindestens vierwöchige Sommerpause wäre ideal. Die betrug für die Störche 2015 nur 21 Tage, in diesem Winter waren es nur 15 freie Tage. „Tim Siedschlag ist zuletzt durch die Aufstiegsspiele 2013 und die Relegation im vergangenen Jahr nicht gerade von Urlaub geküsst worden“, sagt auch Holstein-Cheftrainer Karsten Neitzel, der seinem „Sechser“ geringe Trainingsausfallzeiten und gute Erholungswerte attestiert.

Der Fall Nyarko, der zum zweiten Mal in dieser Spielzeit über einen längeren Zeitraum mit Wadenbeschwerden ausfällt, und der des ebenfalls muskulär anfälligen Janzer, der mittlerweile wie Kegel wieder am Mannschaftstraining teilnimmt und am Sonnabend (14 Uhr) im Heimspiel gegen Osnabrück zum Kader zählen könnte, sorgen bei dem für seine besonnene Dosierung der Alltagsbelastung bekannten Neitzel für selbstkritische Töne: „Da geht man in die Tiefe. Der Spieler trägt 50 Prozent Verantwortung, das Trainer- und Medizinerteam die anderen 50. Man kann einen Spieler auch kaputt trainieren.“

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Ein Artikel von
Andreas Geidel
Sportredaktion

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