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Werner/Drews - Ein Interims-Duo mit Zukunft?

Holstein Kiel Werner/Drews - Ein Interims-Duo mit Zukunft?

Nach dem Rausschmiss von Karsten Neitzel könnte Holstein Kiel am Dienstag der Öffentlichkeit einen neuen Trainer präsentieren. Doch warum einen neuen Trainer suchen, wenn es mit der Interimslösung Ole Werner/Hannes Drews gut läuft? Ein Plädoyer von KN-Reporter Andreas Geidel.

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Ole Werner - gefeiert von den Fans, gepriesen von den eigenen Profis.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Mit einer für sein Alter erstaunlichen Gelassenheit beendete Ole Werner seinen ersten, vielleicht aber doch nicht letzten Drittliga-Spieleinsatz als Trainer der KSV Holstein. Mit Lob überschüttet worden war der 28-Jährige nach dem 3:0-Erfolg der Störche gegen Aufsteiger FSV Zwickau ob der ebenso mutigen wie gelungenen Strategie und Personalwahl. Sein zentrales Statement sprach Bände: „Ein guter Plan ist wichtig, noch wichtiger aber ist die Umsetzung. Und das hat die Mannschaft heute hervorragend gemacht.“

Hier der gebürtige Preetzer als Chef der Kieler Interims-Mission, dort Werners sechs Jahre älterer Mitstreiter Hannes Drews. Während der unterhaltsamen 90 Fußball-Minuten hatte der 34-Jährige neben dem die Kommandos unaufgeregt aufs Feld rufenden Werner auf der Bank gesessen, und auch in der folgenden Pressekonferenz lauschte der vor Glück und innerer Zufriedenheit strotzende Drews den Worten Werners zurückhaltend vom Seitenrand. Werner und Drews wirkten wie zwei von Bodenstand geprägte Kumpels. Zwei Männer vom Fach, die im Verbund ein echtes Wir-Gefühl symbolisierten.

Der Charme des Störche-Stallgeruchs

Gefeiert von den Fans, gepriesen von den eigenen Profis. „Ich habe in den vergangenen Tagen oft genug durchblicken lassen, was ich dazu denke“, hielt der bärenstarke Tim Siedschlag ein kurzes nonverbales Plädoyer auf das Gespann mit ehrlicher Verbundenheit zum Nest der Störche.

Ein in dieser Form unverhoffter Glücksfall für Ralf Becker bei seiner Suche für die Nachfolge des am 16. August freigestellten Karsten Neitzel? „Heute wollen wir uns über das Ergebnis und die gute Leistung freuen“, antwortete der KSV-Sportchef ausweichend auf die Frage nach der Zukunft Werners und Drews. Vor der Partie hatte unter anderem Präsident Roland Reime bestätigt, dass der Verein mit mehreren Trainer-Kandidaten in aussichtsreichen Verhandlungen stehe. Dass nach Klärung letzter Detailfragen die Präsentation des neuen Mannes für den kommenden Dienstag angedacht sei.

Verbunden sei mit dem neuen externen Coach, so Becker direkt nach dem Rausschmiss Neitzels, die Hoffnung auf neue Reize und Impulse. Sowohl eine Mannschaft als auch einzelne Spieler müsse der neue Mann entwickeln können, dazu eine große Affinität zum Nachwuchs besitzen. Werner und Drews, zuvor zuständig für die U23 und U19, scheinen diese sehr allgemein gehaltene Profilbeschreibung in vollem Umfang zu erfüllen. Sie besitzen Stallgeruch und haben es binnen 14 Tagen ohne großes Tamtam geschafft, dem Team eine eigene Handschrift zu verpassen. Erst der Pokalsieg in Flensburg, dann ein die Fans auf den Rängen mitnehmender Dreier gegen Zwickau mit insgesamt 5:0 Toren – mehr Ergebnis geht im Ergebnissport Fußball nicht.

Becker schließt Weiterbeschäftigung aus

Dumm nur, dass Becker die Weiterbeschäftigung des Interims-Duos in dieser Funktion in den vergangenen Tagen kategorisch ausschloss. Auch müsste die Hackordnung zwischen Chef Werner (Elite-Jugend-Lizenz) und Assistent Drews (Inhaber der auf eigene Kosten erworbenen Fußballlehrer-Lizenz) laut Vorschrift des Deutschen Fußball-Bundes offiziell umgekehrt werden, sollte Becker seine Einschätzung korrigieren. Eine mit Risiken verbundene Gewissensentscheidung.

Doch stehen hinter einem fremden Trainer nicht noch größere Fragezeichen? Zumal dann, wenn die offiziell nicht bestätigte Geschichte stimmen sollte, dass der erste Wunschkandidat Beckers am Abend vor der Entmachtung Neitzels kurzfristig abgesagt habe. Warum also jetzt in einem Anflug von Hektik im Rahmen der selbst gesetzten Frist neue Namen präsentieren? Warum nicht zumindest bis auf weiteres weiter arbeiten mit Drews und Werner? Den sich abzeichnenden Flow nutzen, Zeit gewinnen und beobachten, wie sich das Flaggschiff des Kielers Fußballs unter ihrer Führung und Teilnahme der schon bald wieder einsatzbereiten Galionsfigur Dominic Peitz entwickelt?

Rückblick auf Saison 2009/10

Eine charmante, aus der Improvisation geborene Vorstellung mit regionalem Bezug. Erinnert sei in diesem Zusammenhang an die Saison 2009/10. Als Falko Götz fristlos gefeuert wurde, dessen „Co“ Torsten Fröhling zwei Siege in drei Partien holte, mangels Perspektiven, so die damals offizielle Diktion des Vereins, aber wieder ins zweite Glied degradiert wurde. Christian Wück hieß stattdessen der Heilsbringer. Am Ende des Spieljahres stand der Abstieg!

„Wir sind für alles offen. Die Entscheidungen treffen nicht wir“, sagte Ole Werner am Sonnabend. Er gehe davon aus, zusammen mit Hannes Drews am Montag das Regenerationstraining zu leiten. Na dann!

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Ein Artikel von
Andreas Geidel
Sportredaktion

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