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„Ich habe keinen Zweifel an der Qualität“

Wolfgang Schwenke im Interview „Ich habe keinen Zweifel an der Qualität“

Nur zwei Punkte trennen Holstein Kiel nach einem Drittel der Saison von Platz 18 – ist der Fußball-Drittligist im direkten Anflug auf die Abstiegsränge? Geschäftsführer Wolfgang Schwenke stellt sich im Interview mit den Kieler Nachrichten den Fragen zur Kader-Qualität und der weiteren sportlichen Entwicklung der Störche.

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Ernste Miene zur ernsten sportlichen Lage: Wolfgang Schwenke, Kaufmännischer Geschäftsführer und Vizepräsident der Kieler Störche, im Holsteinstadion, der Heimstatt des Fußball-Drittligisten.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Vor der vergangenen Serie hatte das Duo Wolfgang Schwenke (Kaufmännischer Geschäftsführer) und Karsten Neitzel (Cheftrainer) nach dem Abgang des ehemaligen Sportlichen Leiters Andreas Bornemann den über Jahre gewachsenen Kader mit dem „Triple-K“, Kenneth Kronholm, Patrick Kohlmann und Maik Kegel, überaus erfolgreich verstärkt. Vor diesem Spieljahr verließen zwölf Akteure das Nest der Störche, zehn externe Neuzugänge kamen. Zu viel Masse statt Klasse? „Nein“, sagt Schwenke vor dem Heimspiel am Sonnabend (14 Uhr) gegen Spitzenreiter Dynamo Dresden im Interview mit den Kieler Nachrichten: „An der Qualität des Kaders besteht für mich überhaupt kein Zweifel.“

Herr Schwenke, Holstein trennen nach einem Drittel der Saison nur noch zwei Punkte vom ersten der drei Abstiegsränge. Auf der Gegenseite sind es aber auch nur drei Zähler bis Rang neun. Wie bedrohlich ist die sportliche Lage?

Die Situation ist noch nicht bedrohlich und schon gar nicht hoffnungslos. Aber wir nehmen die Lage natürlich sehr ernst, sind sensibilisiert. Wichtig ist, dass wir auch jetzt Ruhe bewahren. Wir haben auch in der Vergangenheit brenzlige Situationen sehr gut überstanden.

An der Leistung des Cheftrainers in seinem originären Arbeitsfeld gibt es kaum etwas auszusetzen. In der Weiterentwicklung des Spielstils steckt ein hoher Anspruch, die Handschrift Karsten Neitzels ist deutlich zu erkennen. Woran es elementar mangelt, sind positive Ergebnisse. Eine Frage der Qualität des personell umstrukturierten Kaders?

Was unser Trainerteam in den vergangenen Jahren geleistet hat, ist in der Tat enorm. Es arbeitet mit einem extrem hohen Maß an Leistungsbereitschaft und Professionalität. Und an der Qualität unseres Kaders besteht für mich überhaupt kein Zweifel. Wir brauchen einfach ein knackiges Erfolgserlebnis. Denn was wir bisher im personellen Bereich erlebt haben, dazu brauchen andere Klubs zwei Spielzeiten. Da sind die Kreuzbandrisse von Kronholm, Krause und Salem. Oder auch die Verletzung von Nyarko und Janzer zu Beginn der Saison und aktuell Saliou Sane. Dazu das Ausscheiden des Sportlichen Leiters Ralf Heskamp. Unter solchen Vorzeichen braucht es Zeit, damit sich eine Mannschaft findet.

Trug der mittlerweile wieder als Nachwuchs-Scout für den FC Bayern tätige Ralf Heskamp die Hauptverantwortung für die Zusammenstellung des Kaders?

Nein, die personellen Entscheidungen sind immer im Team getroffen worden. Mit den Trainern, Ralf Heskamp und mir.

Ohne die abgewanderten Rafael Kazior und Mikkel Vendelbo fehlen echte Häuptlinge im Lager der Störche. Die Neuzugänge Denis-Danso Weidlich und Dominik Schmidt wurden von Karsten Neitzel zu Saisonbeginn direkt in den Mannschaftsrat beordert. Das lässt den Schluss zu, dass die beiden als neue Führungskräfte auserkoren waren. Ein Anspruch, dem weder Weidlich noch Schmidt bislang gerecht werden konnten. Warum hat Holstein nicht erprobte Zweitliga-Kämpen wie beispielsweise das Düsseldorfer Urgestein „Lumpi“ Lambertz bei Dynamo Dresden als eher berechenbare Größen verpflichtet?

Nehmen wir das Beispiel „Rafa“ Kazior. Auch er hat sich erst im Laufe der Jahre zu einem Führungsspieler entwickelt. Eine neu zusammen gestellte Mannschaft bietet auch neue Chancen. In diesem Zusammenhang war es völlig richtig, routinierte Spieler wie Weidlich oder Schmidt, die schon in ihren ehemaligen Vereinen Führungsaufgaben übernommen haben, in den Mannschaftsrat zu bestimmen. Aber auch sie müssen in Kiel erst einmal richtig ankommen. Auch sie sind schließlich nur Menschen. Unsere Philosophie zielt zudem nicht in Richtung Stars. Wir setzen auf das Mannschaftsgefüge, sowohl auf Spezialisten als auch auf Spieler, die universell einsetzbar sind. Auch in der vergangenen Saison hatten wir keine überragenden Einzelspieler. Selbst die Tore haben sich auf zahlreiche Schultern verteilt. Da hat jeder Verantwortung übernommen.

Vor der Saison wurde dauerhaft von den Risiken gesprochen, die der „extreme Konkurrenzkampf“ in einem Kader mit „brutal hoher Qualität“ beinhalte. Waren das im Nachklapp zu optimistische Signale, die den Spielern möglicherweise suggerierten, man könne sich - unabhängig von der Stärke der Gegnerschaft - zuallererst nur selbst schlagen?

Zu diesem Zeitpunkt war diese Einschätzung genau richtig, weil alle gesund waren. Wir haben aber jetzt eine andere Situation. Der Kader ist aufgrund von Verletzungen etwas ausgedünnt. Die Mannschaft stellt sich derzeit fast von alleine auf. Wir wollen aber nicht täglich über unser Verletzungspech klagen, damit haben andere Mannschaften auch zu kämpfen.

Wird die Suche nach einem neuen Sportlichen Leiter als wichtiger Kompetenz-Partner des Cheftrainers jetzt intensiviert? Und wie hoch ist auch mit Blick auf den 800000-Euro-Deal von Hauke Wahl zum SC Paderborn die Wahrscheinlichkeit für weitere Transfers in der Winterpause?

Wir bleiben bei der Suche nach einem neuen Sportlichen Leiter völlig unaufgeregt, es gibt keine zeitlichen Vorgaben. Wichtig ist einzig und allein, dass wir den für uns richtigen Mann finden. Die Summe von 800000 Euro für Hauke Wahl kann ich nicht bestätigen. Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch einmal erklären, dass Hauke uns frühzeitig informiert hat, er wolle unbedingt in die Zweite Liga. Wir haben den finanziellen Rahmen für einen Wechsel vor Ablauf seines bis zum 30. Juni 2016 datierten Vertrages vorgegeben und wegen des massiven Interesses des 1. FC Kaiserslautern zugleich Dominik Schmidt aus Münster verpflichtet. Alles ist super fair abgelaufen. Wir hätten Hauke gerne behalten, doch als das Angebot aus Paderborn kam, standen wir im Wort. Jetzt aber im Winter auf „Teufel komm raus“ neue Spieler zu verpflichten, bringt nichts, das wäre blinder Aktionismus. Wir brauchen bezahlbare Spieler, die uns besser machen. Die ohne Zeitdruck zu suchen, ist unser ständiges Geschäft. Reagieren müssten wir allerdings, wenn es weitere Verletzungen gibt.

Eine fast ketzerische Frage zum Abschluss: Ist die aktuelle Lage ein Fluch der guten Taten aus der glorreichen Vorsaison inklusive der daraus in der Öffentlichkeit entstandenen Erwartungshaltung?

Hätten wir den gleichen Kader wie im Vorjahr, wäre diese Frage durchaus berechtigt. Wir haben jetzt mit einer neuen Mannschaft aber andere Voraussetzungen zu stemmen. Dass die Öffentlichkeit unsere aktuelle Situation kritisch betrachtet, ist dennoch für mich nachvollziehbar, weil sie keine exakten exakten Detailkenntnisse besitzt.

Das Interview führte Andreas Geidel

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Ein Artikel von
Andreas Geidel
Sportredaktion

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