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Ein guter Service kostet halt auch Geld

Holstein Kiel Ein guter Service kostet halt auch Geld

Die Aufregung um die Preiserhöhung für Heimspiele des Fußball-Drittligisten Holstein Kiel ist groß. Immenser Unmut herrscht zudem unter den 170 Störche-Anhängern, die von der Haupttribüne auf die Vortribüne oder die Gegengerade wechseln sollen. Im Interview mit dieser Zeitung bezieht Störche-Geschäftsführer Wolfgang Schwenke Stellung zu dem Balanceakt zwischen den aus seiner Sicht wirtschaftlichen Notwendigkeiten und des für ihn zum sportlichen Erfolg unabdingbaren Wir-Gefühls auch zwischen Zuschauern und Mannschaft.

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Holstein Kiels Geschäftsführer Wolfgang Schwenke „kann sehr gut nachvollziehen, dass die Personen, die nach 25 Jahren ihren Sitzplatz auf der Haupttribüne verlassen sollen, traurig oder sauer sind“.

Quelle: imago sportfotodienst

Kiel. Herr Schwenke, trotz des Nicht-Aufstiegs der Störche unter dramatischen Umständen kommt eine Preiserhöhung für die Holstein-Heimspiele. Können Sie diese, auf den ersten Blick widersprüchliche Maßnahme dem Kieler Fußball-Volk erklären?

Es gilt bei dieser Diskussion, verschiedene Aspekte zu berücksichtigen. Wir werden im Stadion kurzfristig strukturelle Maßnahmen herbeiführen. Veränderungen, zu denen auch deutliche Verbesserungen im Bereich Catering gehören. Vor allem aber wollen wir die Mehreinnahmen für eine verbesserte Qualität des Kaders nutzen.

Heimspiele der Störche sind für die Zuschauer im Vergleich die teuersten in der Dritten Liga. Warum ist das so?

Auch hier muss man differenzieren. Beim Blick auf die Dauerkarten-Kunden relativiert sich der Preisvergleich. Wer jetzt eine Dauerkarte kauft, zahlt nur für 16 statt für die insgesamt 19 Heimspiele dieser Drittliga-Saison, das sind pro Spiel knapp 11 Euro und damit liegen wir im Ligadurchschnitt. Dazu haben wir ein im Vergleich qualitativ sehr hochwertiges, aber kostenloses Stadion-Magazin. Die Anfahrt zu Heimspielen per Bahn oder Bus ist beim Kauf einer Eintrittskarte ebenso kostenlos. Wir wollen unseren Zuschauern einen guten Service bieten. Aber der kostet haltet auch Geld.

Kommen wir zu den rund 170 Haupttribünen-Besuchern, die jetzt nach zum Teil jahrzehntelanger Vereinstreue Platz machen sollen für Sponsoren oder Partner des Klubs. Jenen „Event-Zuschauern“, denen nach Auffassung der „echten“ Fans das Buffet im VIP-Raum wichtiger ist als die Darbietung auf dem Rasen. Können Sie die öffentliche Kritik nachvollziehen?

Die Kritik an den sogenannten VIP-Kunden kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Diese verhalten sich im Grundsatz genau so emotional und begeisterungsfähig wie andere Fans. Unser Hauptproblem liegt in der begrenzten Zuschauerkapazität unserer Haupttribüne. Die ist komplett ausverkauft. Gleichzeitig besteht ein großes Interesse potenzieller Sponsoren an unserem Verein, denen wir die Möglichkeit schaffen müssen, schnell in den VIP-Raum zu gelangen. Dort werden die Gespräche unter den Wirtschaftspartnern geführt. Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass die Personen, die nach 25 Jahren ihren Sitzplatz auf der Haupttribüne verlassen sollen, traurig oder sauer sind. Ich kann ihnen nur sagen, dass auf den von uns alternativ angebotenen Plätzen auf der Vortribüne oder Gegengeraden der Stadionbesuch sogar besser sein kann als bislang, denn dort ist man näher am Fußballgeschehen. Außerdem sollen jahrelang bestehende Freundschaften nicht zerstört werden. Die angesprochenen Zuschauer können sich ihre neuen Plätze aussuchen. Unter anderem aus diesem Grund bieten wir am kommenden Montag einen Termin im VIP-Raum des Holsteinstadions an. Wird der Bereich der Haupttribüne ausgebaut, sind diese rund 170 Holstein-Fans die ersten, denen wir eine Rückkehr an alte Stätte anbieten werden. Ich kann in meiner Funktion als Geschäftsführer nicht ausschließlich frohe Botschaften verkünden. Wir generieren durch diese Maßnahme Mehreinnahmen in Höhe von rund 200000 Euro. Deshalb bitte ich um Verständnis.

Die Störche sind im zurück liegenden Spieljahr dank eines außergewöhnlichen Teamgeistes und auch dank des Zusammenspiels mit den Kieler Zuschauern in unerwartet hohe Tabellenregionen geflogen. Entwickelt sich Holstein jetzt zu einem unnahbaren Profiklub von der Stange oder kämpfen Sie weiter um das typisch schleswig-holsteinische Wir-Gefühl, bleiben Trainer und Spieler regionale „Stars zum Anfassen“?

Ich bin seit sechs Jahren bei Holstein im Amt. Und mein Credo hat sich in keinster Weise verändert: Der Teamgeist besitzt oberste Priorität! Das ist auch eine der großen Herausforderungen für die neue Saison mit unseren fünf Neuzugängen plus X. Unsere Zuschauer besitzen ein ausgeprägtes Gespür, ob das von uns angestrebte Wir-Gefühl der Mannschaft echt ist oder nicht. Unsere Fans sind in diesem Punkt ein sehr gutes Barometer. Wir wollen unsere Fans wieder mitnehmen. Deshalb haben wir am 26. Juni um 15 Uhr in Projensdorf den Saison-Opener angesetzt. Nach dem Show-Training werden wir bei Kaffee, Kuchen, Bratwurst und Bier zu moderaten Preisen die neuen Spieler vorstellen. Unsere Fans sollen in den Dialog mit unseren Profis gehen. Weiter sind Autogrammstunden wie im Tierheim Uhlenkrug geplant. Wir wollen den ständigen Austausch mit unseren Fans und den Vereinen der Region.

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Ein Artikel von
Andreas Geidel
Sportredaktion

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Dass die Kommerzialisierung des Fußballs auch in der Dritten Liga nicht mehr aufzuhalten ist, bekamen jetzt rund 170 treue Anhänger von Holstein Kiel zu spüren, denen der Verein mitteilte, dass sie ihre Plätze für Sponsoren hergeben müssen.

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