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„Eisenfuß“ machte einen Traum wahr

Würzburger Kickers bei KSV „Eisenfuß“ machte einen Traum wahr

Fußball-Nostalgiker dürften den Aufstieg des FC Würzburger Kickers mit Wohlwollen registriert haben. Mit den Rothosen, die am Sonnabend (14 Uhr) bei Holstein Kiel zu Gast sind, ist ein echter Traditionsklub auf die bundesweite Fußballbühne zurückgekehrt.

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Wie früher als Spieler jetzt auch als Trainer direkt und schnörkellos: Der gebürtige Würzburger und ehemalige Verteidiger Bernd Hollerbach (mi., hier beim „Tag der Legenden“ in St. Pauli 2009) legt Wert auf eine stabile Defensive.

Quelle: dpa

Würzburg/Kiel. Am vergangenen Dienstag hätte man in der Kickers-Geschäftsstelle 108 Kerzen anzünden müssen. Genau diesen Geburtstag feierte der 1907 gegründete Liganeuling und blickte dabei auf eine bewegende Vereinshistorie zurück. Bis 1918 tummelte sich der FC mit den Bayern und 1860 in der höchsten Spielklasse. Im Zweiten Weltkrieg kam der Spielbetrieb zum Erliegen, als nach einem Bombenangriff die Stadion-Tribüne komplett niederbrannte. Und nach einer Saison in der Zweiten Bundesliga Süd (1977/78) hielten sich die Kickers noch fünf Jahre in der Bayernliga, bevor sie anschließend in Bezirks- und Landesliga in den Niederungen des Amateurfußballs verschwanden.

 Es ist der 31. Mai dieses Jahres, als das Würzburger Dallenbergstadion (heute: Flyeralarm-Arena) abermals in seinen Grundfesten erschüttert wird. Nach einem 6:5-Rückspiel-Krimi im Elfmeterschießen gegen Südwest-Meister 1. FC Saarbrücken machen die Kickers den so lang ersehnten Drittliga-Aufstieg perfekt. Am Spielfeldrand außer Rand und Band: Bernd Hollerbach. Die Vereinsoberen um FC-Boss Michael Schlagbauer, der mit Hollerbach in der Jugend zusammengespielt hatte, holte den 1969 in Würzburg geborenen Ex-Profi 2014 in seine Heimat zurück. Der gelernte Metzger aus der Gemeinde Rimpar sollte den Klub als Chefcoach in den Profifußball zurückführen. Und wer Hollerbach schon als Spieler erlebt hat, der wusste: keine Kompromisse. Mit Bayern-Meisterschaft und Aufstieg setzte sich der verlorene Sohn auf Anhieb ein Denkmal in der 1311 Jahre alten Bischofsstadt.

 Nach seiner aktiven Profi-Karriere bei St. Pauli, Kaiserslautern und dem HSV hatte „Eisenfuß“ Hollerbach zunächst als Trainer beim VfL 93 Hamburg angeheuert. Eine weitere Saison als Coach beim VfB Lübeck folgten anschließend vier Spielzeiten als Assistent von Felix Magath in Wolfsburg (2008/09 deutscher Meister) und auf Schalke. Beim VfL übernahm der heute 45-Jährige zudem die U23-Mannschaft, die ihm 2008 seinen einzigen Besuch im Kieler Holsteinstadion (0:1) bescherte. „Das ist zwar schon lange her, aber ich kann mich noch gut daran erinnern“, erzählte Hollerbach.

 Am Sonnabend kehrt er mit den Kickers als Tabellenzehnter und mit einem Punkt mehr als die Störche nach Kiel zurück. „Ich denke, wir können bisher als Aufsteiger sehr zufrieden sein. Wir sind mittlerweile in der Dritten Liga angekommen.“ Deshalb rechnet sich Hollerbach auch gegen Holstein etwas aus. „Wir wissen, dass Kiel eine gute Mannschaft hat. Wir kommen mit Respekt, aber ohne Angst. Immerhin ist unsere Auswärtsbilanz mit bisher einer Niederlage nicht ganz so schlecht.“

 Auffällig ist, dass die Würzburger nahezu die gleiche Saison spielen wie Holstein im vergangenen Jahr. Zwar hatte die KSV zu diesem Zeitpunkt auf Rang elf vier Punkte mehr auf dem Konto. Viele Unentschieden und vor allem die wenigsten Gegentore zeichnen aber auch die Kickers aus. Hollerbachs Handschrift, der in seiner Zeit als Abwehrspieler satte 135 Gelbe Karten einsammelte? „Nein, das liegt ganz einfach an der Spielklasse. Eine Kompaktheit ist zwar die Basis. Aber das Niveau ist viel höher als in der Regionalliga Bayern. Es ist einfacher zu verteidigen, als Tore zu schießen“, meint der FC-Coach, dem die Kickers auch ihren prominenten Trikotsponsor zu verdanken haben. Hollerbach ist seit vielen Jahren mit dem schwäbischen Sansibar-Wirt Herbert Seckler befreundet.

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