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Leben mit Niederlagen in der Horrorsaison

TSV Schilksee Leben mit Niederlagen in der Horrorsaison

Im vergangenen Sommer standen die Flaggen beim TSV Schilksee voll im Wind. Die Fußballer stiegen binnen sechs Jahren von der Kreisklasse in die Regionalliga auf. Mittlerweile sind sie die erfolgloseste Mannschaft in den ersten vier deutschen Ligen. Wie geht sie damit um?

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Wieder nichts: Erdogan Cumur schlägt Hände und Trikot vors Gesicht.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Am Sonntag (14 Uhr) nimmt das Dauerschlusslicht den 26. Anlauf auf den ersten Sieg. Zu Gast ist der Goslarer SC, der nur zwei Plätze höher, aber 26 Punkte besser platziert ist. Die Fördekicker stürzen in der Regionalliga seit Wochen von Niederlage zu Niederlage. „Wir lassen uns nicht mehr aus der Bahn werfen und tragen vieles mit Humor“, sagt Mannschaftsführer Chris Kröhnert. Der 21-Jährige stand in 22 der 25 Spiele zwischen den Pfosten und war trotz 64 Gegentoren ein Leistungsträger. Davon hatte der TSV nicht viele, weil die Finanzmittel für das Regionalliga-Monopoly beschränkt waren. „Ja, wir hatten zu wenig Geld“, sagt Liga-Obmann Bodo Schild. „Hinter Holstein Kiel und dem THW sammeln wir in Kiel die Krümel auf.“

Nicht vorbeitet auf das Monopoly

Zu überraschend kam am 6. Juni vergangenen Jahres nach einer 2:3-Niederlage in Hildesheim der Aufstieg. Schon sieben Wochen später folgte der Anpfiff in der neuen Spielklasse, 1216 Zuschauern pilgerten in die Jürgen-Lüthje-Arena. Heute kommen noch 100. In den folgenden Monaten zeigte sich, diese Liga ist mehr als eine Nummer zu groß. 25 Spiele sind absolviert. Kein Sieg steht auf dem Konto. „Ich habe gelitten wie ein Hund. Wir haben viel Lehrgeld bezahlt“, sagt Schild. Mit fliegenden Fahnen geht es zurück in die Schleswig-Holstein-Liga. „Wir bereuen den Aufstieg nicht. Aber wir hatten bei den Neuzugängen nicht das glücklichste Händchen“, sagt Sven Schuster, Geschäftsführer der Fußball-Projekt gGmbH. Schild ergänzt: „Wir mussten uns mit Spielern arrangieren, die Schilksee nicht im Herzen tragen.“

 Zudem zeigte sich, dass ein Trainerjob an der Schilkseer Straße kein Posten für die Ewigkeit ist. Kevin Schulz, Mittelfeldspieler des ETSV Weiche, prognostizierte nach dem 5:0 seines Klubs und dem ersten bevorstehenden Trainerwechsel: „Wenn Thorsten Gutzeit das hier nicht schafft, schafft das keiner. Er ist der Beste.“ Nach 15 Spielen mit drei Unentschieden gab der ehemalige Holstein-Trainer auf. Nachfolger Frank Drews hielt es ohne Punktspiel gerade zwölf Tage im Amt. „Gut möglich, dass wir am Anfang zu euphorisch, zu naiv waren“, sagt Drews. Es sei nicht gelungen, auf dem Platz eine Einheit zu werden. Der Interimscoach gab auch seinen Posten als Sportlicher Leiter bei den Fördekickern auf.

"Am Montag ist es oft nicht einfach"

Trainer-Nachfolger Mathias Losch hielt es 224 Tage auf der Trainerbank. Die Ergebnismisere konnte der 47-Jährige nicht ändern. In neun Spielen gab es neun Niederlagen. „Er hat die Truppe eigentlich gut im Griff gehabt“, sagt Schuster.  Schild zeigte einen dünnen Geduldsfaden und griff mit Stefan Lau zu Trainer Nummer vier. Eigentlich war der 35-jährige A-Lizenzinhaber erst für den Neuaufbau im Sommer in der SH-Liga eingeplant. Zur Premiere gab’s ein 0:1 in Lüneburg.

Für Timo Nath, der mit sieben Toren in 14 Einsätzen erfolgreichster Torschütze des TSV ist, war das fünfte Saisonspiel gegen Hannover 96 II mit zwei Gegentoren in der Nachspielzeit der Knackpunkt. „Uns ging zum Ende die Puste aus“, sagt Nath. Hohn und Spott müsse er im Freundeskreis wegen der stetigen Niederlagen nicht ertragen. „Nur am Montag ist es oft nicht einfach.“

Die schwächsten Mannschaften

Bundesliga: Tasmania Berlin belegte in der Spielzeit 1965/66 mit zwei Siegen und 28 Niederlagen den letzten Platz. Die Berliner starteten am 14. August 1965 mit einem 2:0 gegen den Karlsruher SC, ehe sie danach bis zum 21. Mai 1966 keine Begegnung mehr gewannen. Die längste Serie ohne Sieg betrug 31 Spiele in Folge. Umgerechnet auf die Drei-Punkte-Wertung standen zum Saisonende zehn Zähler auf dem Konto. Tage ohne Sieg: 279.

2. Bundesliga Nord: Dem Spandauer SV gelangen in der Serie 1975/76 zwei Siege und vier Unentschieden. Die Werkself von Bayer Leverkusen musste sich am 14. Februar 1976 mit 0:1 im Berliner Stadtteil beugen. Zuvor holten die Rot-Weißen aus den ersten 22 Spielen nur einen Punkt (1:1 gegen Wattenscheid 09). Umgerechnet auf die Drei-Punkte-Wertung standen zum Saisonende zehn Zähler auf dem Konto. Tage ohne Sieg: 189.

2. Bundesliga Süd: Der FK Pirmasens blieb die ersten 27 Spiele in der Saison 1977/78 ohne Sieg. Dann folgte am 4. März 1978 mit dem 3:0 über den FSV Frankfurt der einzige Sieg in der gesamten Serie. Darüber hinaus gab es vier Unentschieden. Umgerechnet auf die Drei-Punkte-Wertung standen zum Saisonende sieben Zähler auf dem Konto. Tage ohne Sieg: 210.

Regionalliga (als dritte Spielklasse): Göttingen 05 holte in der Saison 1997/98 insgesamt 13 Punkte. Dabei gab es zwei Siege und sieben Unentschieden. Der VfR Neumünster versuchte sich 2003/04 in dieser Liga, holte am Ende 23 Punkte. Allerdings blieben die Veilchen bis zum 2:1-Auswärtssieg bei Borussia Dortmund II 238 Tage ohne Sieg. Der Klassenerhalt wurde um 18 Punkte verfehlt.

Regionalliga (als vierte Spielklasse): Türkiyemspor Berlin sammelte 2010/11 fünf Punkte durch fünfmal Unentschieden. Krönung: Am Saisonende wurden wegen Verstößen im Lizenzierungsverfahren noch drei Punkte abgezogen. Von den zurzeit bundesweit 91 Regionalligateams ist der TSV Schilksee als einzige Mannschaft ohne Dreier. Sollte Sonntag gegen Goslar gewonnen werden, wäre eine Serie von 268 Tagen ohne Sieg beendet. Elf Tage früher als bei Tasmania.

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Regionalliga Nord
Foto: Tim Gürntke hatte die Führung für den TSV Schilksee in Lüneburg auf dem Fuß.

 Wer gegen den TSV Schilksee antritt, hat ein Freispiel um drei Punkte in der Fußball-Regionalliga. Am Sonntag brauchte der Lüneburger SK lange, um den 1:0-Erfolg sicherzustellen.

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