12 ° / 2 ° wolkig

Navigation:
Wales wird Gruppensieger, England Zweiter

Russland draußen Wales wird Gruppensieger, England Zweiter

Wales und England stehen bei der Fußball-Europameisterschaft im Achtelfinale. Aaron Ramsey (11. Minute), Neil Taylor (20.) und Gareth Bale (67.) schossen die Waliser am Montag in Toulouse zu einem 3:0 (2:0) gegen Russland und damit zum Gruppensieg.

Voriger Artikel
Löw plant Veränderung der Startelf und fordert volles Risiko
Nächster Artikel
Wales und England im EM-Achtelfinale - Russland raus

Wales besiegt Russland mit 3:0.

Quelle: Armando Babani/ dpa

Saint-Étienne/Toulouse . Chancen zum Sieg gab es genug, doch am Ende musste sich England mit Platz zwei hinter Wales zufrieden geben. Die Slowaken müssen noch auf den Achtelfinal-Einzug warten. Nach dem verpassten Gruppensieg klatschte Kapitän Wayne Rooney missmutig seine Teamkollegen ab und applaudierte den englischen Fans. Auch ohne Glanz haben die Three Lions als Gruppenzweiter das EM-Achtelfinale erreicht und gehen einem möglichen K.o.-Duell mit Weltmeister Deutschland zunächst aus dem Weg. Das stark veränderte Team von Trainer Roy Hodgson kam beim Vorrunden-Showdown gegen die Slowakei nicht über ein 0:0 hinaus und fiel damit in der Staffel B sogar noch hinter den britischen Rivalen Wales zurück.

„Wir sind schon enttäuscht mit dieser Position. Damit hat wirklich keiner gerechnet. Wir haben es immer wieder versucht, aber sie haben uns die Türe zugeknallt. Wir konnten ihre Abwehr nicht knacken“, sagte Abwehrspieler Gary Cahill.

Vor den Augen von Ehrengast Prinz William und 39 051 Zuschauern brachte am Montag in Saint-Étienne auch der erst in der zweiten Halbzeit eingewechselte Kapitän Wayne Rooney nicht den Sieg für die überlegenen Three Lions. England trifft in der Runde der besten 16 nun auf den Zweiten der Gruppe F und bekommt es womöglich am nächsten Montag in Nizza mit Portugal um Superstar Cristiano Ronaldo zu tun. EM-Debütant Slowakei muss als Gruppendritter noch um den Sprung ins Achtelfinale zittern, besitzt aber eine gute Ausgangslage. Bei einem deutschen Sieg gegen Nordirland am Dienstag sind die Slowaken durch.

„Wir haben gemerkt, dass sie frustriert waren. Wir haben es noch nicht zu hundert Prozent geschafft, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass wir im Achtelfinale sind. Es ist fantastisch“, befand der slowakische Torhüter Matus Kozacik.

Englands Nationaltrainer Roy Hodgson ging mit seiner großen Rotation ins Risiko. Der Coach änderte seine bislang zweimal aufgebotene Startformation auf gleich sechs Positionen und gab auch Rooney zunächst eine Pause. Für ihn rückte Jack Wilshere ins Team, zudem kamen im Angriff wie erwartet Jamie Vardy und Daniel Sturridge zum Einsatz.

Hodgson, der noch vor Anpfiff in den sozialen Netzwerken für diese Maßnahme kritisiert wurde, verteidigte seine Entscheidung: „Ich denke, es ist kein Wagnis. Wir haben einen starken Kader.“

Vardy und Sturridge rechtfertigten ihre Nominierung gleich am Anfang. Der Mittelstürmer des englischen Meisters Leicester City hatte die erste gute Szene in der 5. Minute, als er den Ball aus halbrechter Position mit dem Knie aufs Tor brachte und vier Minuten später mit einer Kopfballverlängerung Sturridge zu einer guten Möglichkeit aus vier Metern verhalf.

Die Engländer starteten dominant und angriffslustig mit einem sehr agilen Vardy, der in der 15. Minute eine weitere gute Gelegenheit hatte, aber an Kozacik scheiterte. Die überlegenen Engländer konnten ihr klares Chancenplus nicht zum Führungstreffer nutzen. Adam Lallana vergab vor der Pause die nächste Tormöglichkeit, doch der slowakische Keeper parierte erneut. Die mehr als 30 000 Fans im Stade Geoffroy-Guichard forderten den Einsatz von Rooney, der ach knapp einer Stunde als Kapitän aufs Feld kam.

Die Slowaken hatten dem beherzten Auftritt wenig entgegenzusetzen und zogen sich immer weiter zurück. Auch ihr eigentlich bester Spieler, Marek Hamsik, konnte in seinem 90. Länderspiel keine Akzente setzen. Da brachten sich die Engländer eher selbst in Verlegenheit. Torhüter Joe Hart musste nach einem Rückpass von Chris Smalling in höchster Not retten (53.), kurz darauf hielt der Schlussmann einen Ball von Vladimir Weiss.

Mit Rooney, Harry Kane und dem ebenfalls eingewechselten Dele Alli, der in der 61. Minute nach Flanke von Jordan Henderson die größte Chance des Spiels vergab, kam noch mal Frische in die englische Offensive, doch am Ende schafften die Three Lions den Siegtreffer nicht mehr.

Wales schickt Russland nach Hause

Das war endlich Gute-Laune-Fußball. Gegen den erschreckend schwachen WM-Gastgeber Russland feiert Wales einen überzeugenden Sieg und steht gleich bei der EM-Premiere im Achtelfinale. Gareth Bale setzt sich an die Spitze der Torjägerliste. Russland ist sportlich gescheitert. Gareth Bale spritzte vor Freude mit seiner Wasserflasche umher. Der Superstar ließ kleine Fontänen in die Luft steigen, ehe er mit seinem walisischen Kollegen vor 15 000 jubelnden Fans die dicke EM-Überraschung feierte. Mit großem Offensivschwung ist Debütant Wales als Gruppensieger noch vor dem großen Nachbarn England ins Achtelfinale gestürmt. Durch den 3:0 (2:0)-Erfolg gegen Russland schmiss die walisische Fußball-Nationalmannschaft am Montag in Toulouse zudem das enttäuschende und sieglose Team des nächsten WM-Gastgebers aus dem Wettbewerb.

Nachdem in den Spielen zuvor Bale immer per Freistoß getroffen hatte, sorgten gegen die schwachen Russen die Premier-League-Profis Aaron Ramsey (11.) und Neil Taylor (20.) zunächst nach schnellen Gegenstößen für die frühen Tore. Dann legte Bale (67.) in der zweiten Halbzeit vor 28 840 Zuschauern nach und setzte sich mit nun drei Toren an die Spitze der EM-Torjägerliste. „Das ist toll. Die Leistung war klasse“, sagte Trainer Chris Coleman über den erfrischenden Auftritt seines Teams.

Im Achtelfinale am Samstag im Pariser Prinzenpark ist ein Briten-Duell gegen Nordirland für die Waliser gut möglich. Sollte es für Deutschland am Dienstag gegen die Nordiren ganz schlecht laufen, könnten auch die Weltmeister der nächste Gegner von Bale und Co. sein. „Das ist noch nicht das Ende des Turniers. Es geht noch weiter. Wir müssen sehen, wenn wir als nächstes bekommen“, sagte Coleman.

Madrid-Star Bale hatte die Taktik angesichts des komplizierten Gruppemodus vorgegeben: Nicht rechnen, spielen - und gewinnen. Der Superstar zog immer wieder mit hohem Tempo oft im Solo-Modus durch das Mittelfeld auf das Tor der Russen zu. Dabei blieb er zwar gelegentlich hängen oder scheiterte am trotz drei Gegentoren guten russischen Torwart Igor Akinfejew, der mit einigen unkonventionellen Paraden Schlimmeres für die Russen verhindert. Aber Bale zeigte, wie leicht diese biederen WM-Gastgeber 2018 auszuspielen waren.

Keine Abwehrchance hatte Akinfejew beim sehenswerten Lupfer von Ramsey, der nach genialem Pass von Joe Allen allein auf den Sbornaja-Torwart zulief und clever zur Führung traf.

Den Russen, bei denen der Schalker Roman Neustädter nicht in der Startelf stand, fehlten die technischen Mittel, um die Waliser zu gefährden. Zwar überbrückten sie leidlich flott das Mittelfeld, nur waren gefährliche Aktionen selten. Meist war bei den Offensivbemühungen schon vor dem Strafraum Schluss. Wales-Keeper Wayne Hennessey musste nur selten eingreifen. Russlands Mittelstürmer Artem Dsjuba konnte sich gegen die wuchtige Innenverteidigung der Briten um Kapitän Ashley Williams nicht entscheidend durchsetzen.

Beim zweiten Tor war dann auch wieder Bale beteiligt. Seinen Pass verlängerte Roman Schirokow unfreiwillig zu Taylor. Der Mann von Swansea City scheiterte zuerst an Akinfejew, schoss aber im Nachsetzen zu seinem ersten Länderspieltor ein.

Auch in der zweiten Halbzeit bot sich das gleiche Bild. Einige russische Spieler schienen fast in Ehrfurcht zu erstarren, wenn Bale zu seinen Sprints ansetzte. Andere waren schlicht zu langsam, um dem Wales-Stürmer zu folgen. Allerdings fehlte dem schnellen Sprinter diesmal die Effektivität - bis er in der 67. Minute doch noch zuschlug und den Ball am bemitleidenswerten Akinfejew vorbei schlenzte.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Die Fussball EM 2016 2/3