17 ° / 16 ° Regen

Navigation:
Özil, der Umstrittene

EM wie Michael Özil, der Umstrittene

An Mesut Özil scheiden sich die Geister mehr als an jedem anderen deutschen Nationalspieler – außer vielleicht an Mario Götze, aber der ist ja erst mal raus. Özil hingegen dürfte auch morgen Abend im Viertelfinale gegen die italienische Mannschaft  wieder zur deutschen Startelf gehören. Bundestrainer Joachim Löw hält an seinem Spielmacher gegen alle Kritik fest.

Voriger Artikel
Regeln, die sich keiner wünscht
Nächster Artikel
Genug geredet

Am Ende zählt sowieso nur ein Urteil: das des Bundestrainers, meint Sportchef Michael Kluth.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Diese defensive Körpersprache! Dieser mangelnde Einsatz! Dieser (fahr)lässige Elfmeter gegen die Slowakei! Arbeit wird schon gefragt sein gegen Italien. Thomas Müller ochst an die zwölf Kilometer pro Spiel. Julian Draxler pflügt gegen die Slowakei über die linke Seite, bereitet ein Tor vor und erzielt eines selbst. Sami Khedira ackert als Sechser nach vorn. Toni Kroos sät im Spielaufbau die Saat, die Mario Gomez einfährt. Sie alle, so scheint es, arbeiten für Mesut Özil mit. Weil die deutsche Nationalmannschaft ein so eingeschworener Haufen ist, dass sie ihn mitträgt, einfach weil er schon so lange dazugehört. Reicht das?

Andererseits ist der Maßstab, der an den Spielgestalter angelegt wird, schon ein bisschen merkwürdig. Tore soll er vorbereiten, aber auch selber schießen, dazu Anführer sein, das Team mit aufrüttelnden Worten und mit beherzten Grätschen motivieren. Eine Mischung aus Effenberg, Müller und Netzer. Ja, das wünscht man sich, aber so etwas gab’s noch nie, nirgendwo. Alessandro de Piero und Zinedine Zidane kamen allenfalls an besten Tagen mal nah an das Ideal heran. Effektiver ist aber Özil, wie die Zahlen bestätigen. Niemand ist an so vielen Treffern beteiligt wie Mesut Özil. Er kann ja nichts dafür, dass jede An- und Mitnahme so selbstverständlich aussieht und so gar nicht nach Arbeit. Özils Trikot bleibt auch deshalb sauber, weil er Ball und Raum so beherrscht, dass der Gegner seiner nicht habhaft wird.

Ja, an Mesut Özil scheiden sich die Geister. Kritik an ihm ist so berechtigt wie Lobeshymnen auf ihn. Am Ende zählt sowieso nur ein Urteil: das des Bundestrainers. Und Jogi Löw schätzt offensichtlich, was er an Özil hat. Löw irrt sich in solchen Dingen fast nie.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Michael Kluth
Ressortleiter Sportredaktion

Mehr zum Artikel
EM wie Michael
Foto: Der Bundestrainer muss beim Halbfinale liefern, findet Sportchef Michael Kluth.

Bei der Europameisterschaft 1996 glich der deutsche Kader gegen Ende einem Lazarett, und die deutsche Mannschaft wurde humpelnd Europameister. Schon insofern sind jetzt drei verletzte und ein gesperrter Spieler vor dem Halbfinale am Donnerstag gegen Frankreich kein Grund zur Beunruhigung.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus EM wie Michael 2/3