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Parabens, Portugal

EM wie Michael Parabens, Portugal

Im Hamburger Portugiesenviertel am Hafen haben sie die Nacht zum Tag gemacht. In den Kneipen der Altstadt von Lissabon haben sie nicht ihren getragenen Fado gesungen, sondern ausgelassen getanzt. Es ist wunderbar, dass dieses freundliche, immer etwas traurige portugiesische Volk am Rande Europas jetzt mal überglücklich sein darf.

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Die Lehren der Euro 2016

Portugal kann ja nichts für den Modus und hat sich den Titel im Finale wahrlich verdient, schreibt KN-Sportchef Michael Kluth.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Portugal ist Europameister. Zum ersten Mal. Das ist schön.

Ob es sportlich verdient ist? Wer will das heute noch wissen? Der neue Modus gibt es nun mal her, dass eine Mannschaft ohne Sieg in der Vorrunde sich als Gruppendritter für die K.o.-Runde qualifiziert. Und da haben die Portugiesen mit Kroatien, Polen und auch Wales nicht gerade Laufkundschaft hinter sich gelassen. Dass sich in der anderen Hälfte des Tableaus die Topteams gegenseitig eliminiert haben, kann man ja den Portugiesen nicht vorwerfen. Auch das gibt der Modus her.

Als Portugal im Finale erstmals auf einen der Turnierfavoriten traf, hat das Team geliefert. Mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung haben die Portugiesen den Franzosen ihren langsameren Fußball mehr und mehr aufgezwungen und sich auch nicht davon beirren lassen, dass der Gegner ihren besten Spieler – nach meiner Überzeugung: absichtsvoll – aus dem Spiel getreten hat. Im Gegenteil: Mit dem Ausfall Cristiano Ronaldos war die portugiesische Mannschaft auf sich selbst zurückgeworfen, und sie hat sich auf sich besonnen.

Dass der verletzt ausgewechselte Ronaldo das Finale in der Verlängerung selbst vom Spielfeldrand aus noch zur One-Man-Show gemacht hat – geschenkt. Er kann nicht anders. Seine Kameraden haben einen 1:0-Sieg nach Hause gebracht. Zu ihrem freundlichen, immer etwas traurigen Volk.

Parabens, Portugal. Herzlichen Glückwunsch.

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Ein Artikel von
Michael Kluth
Ressortleiter Sportredaktion

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