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Schweinsteiger-Comeback mit Kawumm

EM wie Michael Schweinsteiger-Comeback mit Kawumm

Die schönste Geschichte des an Geschichten reichen Auftaktsiegs der deutschen Nationalmannschaft gegen die Ukraine spielt in den letzten drei Minuten. In der 90. Minute kommt der Kapitän zurück an Bord, in der 92. macht Bastian Schweinsteiger nach einem Sprint über den ganzen Platz das 2:0.

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Schoss das 2:0 für Deutschland: Bastian Schweinsteiger.

Quelle: Martin Bureau/afp

Ein kleiner abgeschlossener Roman über das Glück, wie ihn nur der Fußball schreibt. Es schien, als habe Basti den ganzen Frust der vergangenen Verletzungsmonate in seinen Dropkick gelegt. Ein Comeback mit Kawumm, über das heute in den Büros und an den Werkbänken der Nation gesprochen werden wird.

Super-Comeback von Schweinsteiger

Mit erhobenem Daumen verließ der stolze Bastian Schweinsteiger den EM-Rasen in Lille. Über diesen Auftritt des Kapitäns staunten alle. Eingewechselt in der 90. Minute, Torschütze in der 92 Minute. „Unglaublich, dass es sowas gibt, das kann man sich nur wünschen. Ich habe in diesem Jahr nur 300 Spielminuten in den Knochen - und dann sowas“, sagte Schweinsteiger nach dem 2:0 gegen die Ukraine.

Selbst der Kurzauftritt am Sonntagabend bei der EM in Frankreich unterstrich, dass mit Schweinsteiger auch diesmal wieder zu rechnen ist. „Es freut mich natürlich sehr, dass Bastian Schweinsteiger nach der gesamten Schufterei in den letzten Monaten und Wochen so ein tolles Comeback feiert“, sagte auch Bundestrainer Joachim Löw. „Ich denke, das Tor gibt Bastian persönlich und auch uns allen Auftrieb.“

Schweinsteiger, der im EM-Jahr bei Manchester United nur 141 Minuten gesund auf dem Spielfeld gestanden und sein kurzes Länderspiel-Comeback vor einer Woche als Einwechselspieler beim 2:0 gegen Ungarn gegeben hatte, stellte keine Ansprüche. Dafür aber legten sich die Teamkollegen mächtig für den Mittelfeldstrategen ins Zeug. „Ich hoffe, dass er so früh wie möglich von Beginn an spielen und zeigen kann, was für ein Klassespieler er ist“, sagte Ersatzkapitän Manuel Neuer. Spannend ist die Frage, wer dann draußen bleiben muss.

Eine weitere schöne Geschichte: Shkodran Mustafi, der von 80 Millionen Bundestrainern mit wenig Vorschussvertrauen bedachte Hummels-und-Rüdiger-Ersatz, macht ein gutes Spiel, köpft das 1:0 und bereitet das 2:0 mit einer spektakulären Abwehraktion vor. Ein Gewinner des Auftakts.

Die dritte Geschichte ist die noch viel spektakulärere Rettungsaktion von Jerome Boateng auf der eigenen Torlinie beim Spielstand von 1:0, die bei uns Älteren Erinnerungen weckt. Manfred Kaltz hat sowas mal bei der WM 1978 in Argentinien gemacht, gleich zweimal hat der Hamburger beim 0:0 gegen Italien mit riesigen Spagatschritten den Ball von der Linie bugsiert. Und Ditmar Jakobs ist am 20. September 1989 im Bundesligaspiel des HSV gegen Werder Bremen bei der verzweifelten Abwehr eines Schusses ins Tor gerutscht  und hat sich an einem Karabinerhaken der Netzaufhängung verfangen, der ihm Nerven an der Wirbelsäule durchtrennte – Karriere-Aus. Ein  Schicksal, das Jerome Boateng Gott sei Dank erspart geblieben ist, als er im Rückwärtsfallen den Ball volley von der Linie haute.

Was es zu Zeiten von Manfred Kaltz und Ditmar Jakobs noch nicht gab: die Torlinientechnologie, mit der am Sonntagabend eindeutig bewiesen worden ist, dass der Ball (noch) nicht über die Linie war. Ein schöner Nachweis, dass der Fußball vor den Möglichkeiten moderner Technologie keine Angst haben muss, sondern sie als Chance begreifen kann. Auch eine Geschichte dieses Spiels.

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Ein Artikel von
Michael Kluth
Ressortleiter Sportredaktion

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