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Mitten im Nirgendwo

Apeldör Mitten im Nirgendwo

Dieter Worms hat in Apeldör mit einer Mixtur aus Mut und Übermut einen 27-Loch-Platz mit Hotel geschaffen. Dabei hätte in der Provinz gar kein Golfkurs entstehen dürfen.

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Abwechslungsreich und anerkannt

Blick vom Clubhaus auf das 18. Grün: In Apeldör wird Spielern auch nach der Runde einiges geboten.

Quelle: Stefan von Stengel

Apeldör. Die Anfahrt durch die Geestlandschaft scheint nicht enden zu wollen. Mitten im Nirgendwo, zwischen Tellingstedt und Hennstedt, taucht er plötzlich auf, der Golfplatz Apeldör. In dieser Einöde, ist vor 20 Jahren ein Resort entstanden, das vom Golf-Magazin in Deutschland auf Rang 14 geführt wird. Verantwortlich dafür ist ein Mann, der sein Geld mit Wertpapieren und Buntmetallen in London und Hamburg verdiente, ehe er zum Aus- und Einsteiger wurde: Dieter Worms.

 Der 66-Jährige ist „Mr. Apeldör“. Er ist Betreiber und Präsident, er hat es geschafft, den Club in einer strukturschwachen Region zu verwurzeln, in der eigentlich gar kein Golfplatz hätte entstehen sollen. Eine Studie der Fachhochschule Westküste hatte ein negatives Ergebnis ergeben. Zu wenig Menschen im Umkreis, Hamburg, Kiel und Dänemark jeweils eine Stunde entfernt. Doch Worms, in Münster geboren, verließ sich auf seinen westfälischen Dickschädel – und sein Gespür. So lernte er den Landwirt Ulrich Wöhler kennen und musste erstmal Überzeugungsarbeit leisten. „Die Menschen hier haben gedacht, da kommt einer aus Hamburg, der tickt doch nicht richtig“, erinnert sich Worms und gibt zu, dass die Entscheidung, in dieser Provinz einen Golfplatz zu bauen, eine Mixtur aus Mut und Übermut gewesen sei.

 Über eine Empfehlung lernte er David Krause kennen. Der Kanadier hatte von 1986 bis 1991 für den US-Golfplatzarchitekten Robert Trent Jones sen. den Championship-Kurs in Valderrama in Andalusien umgebaut, Austragungsort des Ryder Cups 1997 und 16 Jahre lang Gastgeber des Finals der European Tour. Von Valderrama nach Apeldör, das ist fast, als hätte Sir Norman Foster nach der gläsernen Reichstagskuppel in Berlin eine Sporthalle in Heide entworfen. Krause, der über Worms sagt, er kenne keinen Menschen, der so viele Ideen habe, fand, für 18 Fairways und ebensoviele Grüns eigne sich die Landschaft hervorragend. Heraus kam ein Kurs (sowie ein weiterer öffentlicher 9-Loch-Platz), der nicht besonders lang (für Herren von Gelb 6002 m und von Blau 5772 m) ist. Krause hat nicht weniger als 96 Bunker eingestreut, er ließ viel Mutterboden zur Seite schieben, um Teiche mit einer Fläche von 90000 Quadratmetern zu bauen und Fairways zu formen, und er setzte auf ondulierte Grüns, auf denen die Spieler sich ausreichend Zeit lassen sollten, die ideale Puttlinie ausfindig zu machen. Die Grüns, die mit ihrem Schwierigkeitsgrad unter sämtlichen schleswig-holsteinischen Plätzen auf Rang drei geführt werden, und der Wind sind die entscheidenden Faktoren, die den Kurs zu einem anspruchsvollen Platz machen.

 Wenn es eine für Apeldör charakteristische Bahn gibt, dann ist es die 3. Das Par 4, von Gelb nur 378 m lang, wird „die Welle“ genannt. Das Fairway wirkt ein wenig wie die Nordsee, auf der ein steifer Südwest in rhythmischen Abständen Wellenberge vor sich herschiebt. Wellig ist zudem das Grün, das mit 1300 Quadratmetern geeignet ist, manchen Eigenheimbesitzer neidisch zu machen. Eine spezielle Bahn ist auch die 8, ein 152 m langes Par 3. Wenn die Fahne rechts gesteckt ist, ist sie auf direktem Weg nur über Wasser zu attackieren.

 Als schwierigstes Loch gilt die 5, ein 416 m langes Par 4. Dort stört zwar kein Bunker, es geht eigentlich immer nur geradeaus, aber verrichtet der Westwind mal wieder keine Kurzarbeit, dann ist es selbst für Single-Handicapper extrem schwierig, das Grün mit zwei Schlägen zu erreichen. Ähnliches gilt für die 18, ein 355 m langes Par 4, weil ein seitlicher Teich zur Vorsicht gemahnt und außerdem auf der Clubterrasse jede Menge Experten sitzen.

 Pluspunkte sammelt Apeldör auch mit seinem Restaurant, in dem so viel Holz verbaut wurde, dass man fast meinen könnte, man sei in Oberbayern gelandet. Und ein großes Plus ist das 2005 entstandene Hotel, das 2008 auf 42 großzügige Zimmer erweitert wurde. Die Preise für Übernachtung und Saunabenutzung inklusive Greenfee sind so attraktiv, dass die Auslastung bei 60 Prozent im Jahresdurchschnitt liegt. Gäste kommen aus ganz Norddeutschland und Skandinavien, und sie schätzen, wenn man den Reaktionen im Internet Glauben schenken darf, auch die Freundlichkeit der Mitarbeiter sehr. 70 sind es insgesamt, die Dieter Worms und sein Partner Karsten Voss auf der Gehaltsliste stehen haben. „Man sollte nicht glauben“, betont Worms, „dass eine Golfanlage ein Dukatenesel ist.“ Aber dabei wirkt er keinesfalls so, als habe er es jemals bereut, mitten im Nirgendwo sesshaft geworden zu sein.

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Ein Artikel von
Gerhard Müller
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