12 ° / 7 ° Sprühregen

Navigation:
Golfende Familien-Bande

Geschwister Voigt Golfende Familien-Bande

Drei Brüder und ihre Schwester spielen Golf. Soll vorkommen. Dass das Quartett es gemeinsam auf ein Handicap von -5,6 bringt, ist aber außergewöhnlich.

Vier auf einen Streich (von links): Paul (21), Lukas (22), Daniel (27) und Sarah Voigt (25) haben auch beim gemeinsamen Kartenspielen Spaß.

Quelle: Volker Rebehn

Kitzeberg. Einmal im Leben ein einstelliges Handicap: Davon träumen viele Golferinnen und Golfer. Für die allermeisten bleibt es ein Traum. Im Golfverband Schleswig-Holstein haben zurzeit 1052 Golfspieler und 179 Golfspielerinnen der insgesamt 46959 Mitglieder eine Stammvorgabe bis 9,9. Wenn es vier aus einer Familie zusammen schaffen, ist das sehr selten. Den Geschwistern Daniel (27), Sarah (25), Lukas (22) und Paul Voigt (21) vom Golf-Club Kitzeberg ist das gelungen. Addiert man ihre Handicaps, steht -5,6 zu Buche.

 Das Talent, mit einem Ball umgehen zu können, haben die Vier von klein auf gezeigt. Das begann auf der Anlage des Heikendorfer Tennis-Clubs und war nicht anders, als die Familie Voigt im Jahre 2000 in Andalusien Urlaub machte. Die Eltern Wolfgang und Susanne waren bereits passable Golfer und motivierten Sarah, Lukas und Paul, auf einem der nahen Golfplätze an einem Kinderkursus teilzunehmen. Mit Erfolg! Die Drei, gerademal neun, sechs und fünf Jahre alt, hatten das erste Mal einen Golfschläger in der Hand und meisterten die Anforderungen für das Bronze- und Silberabzeichen mit Bravour. „Es hat riesigen Spaß gemacht“, erinnert sich Sarah. So viel, dass sie und die beiden Jungs ein Jahr später in Kitzeberg die Platzreife ablegten. Daniel war bereits zwei Jahre früher dran.

 Schnell offenbarte sich das Potenzial der jungen Kitzeberger. Spielten sie noch eine Zeit lang parallel Tennis und Golf, konzentrierten sie sich bald aufs Golf. Das Training im Verein, die Turniere an den Wochenenden und später das Training in den Landeskadern nahmen – neben der Schule – viel Zeit in Anspruch. Klar, dass die Handicaps rasant besser wurden. Daniel wurde 2003 mit 14 Jahren einstellig, Sarah 2007 mit 16, Lukas 2006 mit 12 und Paul 2008 mit 13. „Im Sommer waren wir jeden Tag auf dem Platz“, sagt Lukas. Er wollte sogar ins Profilager wechseln und trainierte vier Jahre besonders intensiv. Neun Stunden täglich in den Ferien, vier Stunden in der Schulzeit ackerte Lukas. Am Ende entschied er sich dagegen. „Es hat ein bisschen gefehlt. Ich habe letztlich nicht mehr an den Erfolg geglaubt“, blickt er zurück. Bereut hat er diesen Schritt nie.

 Am Trainingsumfang hat sich – sieht man einmal von Daniel ab – bis heute nicht viel geändert. Nur, dass die Vier heute ihr Hobby mit Beruf oder Studium unter einen Hut bringen müssen. Sarah arbeitet als Reiseberaterin in Rostock und trainiert so oft es geht in Warnemünde. An den Wochenenden kommt sie nach Kitzeberg, trifft Freunde und spielt natürlich mit ihren Brüdern Golf. Paul studiert BWL im zweiten Semester an der Fachhochschule Kiel, Lukas BWL im vierten Semester an der Christian-Albrechts-Universität, und Daniel ist Jura-Doktorand in Münster und will anschließend Medizin studieren.

 Immer nur bergauf ging es bei den Voigt-Kindern allerdings nicht. Wie wohl jeder Golfer haben auch sie die Erfahrung gemacht, trotz harten Trainings mehrere Jahre nicht von der Stelle zu kommen. Ein neuer Schub kam, so erzählen sie, als sie sich selbst weniger unter Druck gesetzt und gelernt haben, schlechtere Ergebnisse besser wegzustecken. Lukas und Sarah wurden 2015 jeweils Zweite bei den Landesmeisterschaften und auch in der Landesrangliste. Lukas zog als einziger Schleswig-Holsteiner in die Finalrunde der deutschen Meisterschaft und wurde 26. Klar, dass die Vier Stützen der Kitzeberger Herren- beziehungsweise Damenmannschaft sind. „Die Mannschaft macht Spaß, dafür trainiere ich“, sagte Paul. Die anderen stimmen zu. Trotz aller Entspanntheit wollen sie weiterhin ihre Handicaps verbessern. So ist Daniels Ziel (derzeit -0,9) der Plusbereich („zumindest einmal kurz“), und Lukas (+1,2) peilt eine Top-Ten-Platzierung bei der DM an. Paul (- 3,1) und Sarah (- 2,8) lassen alles auf sich zukommen. „Für uns ist Golfen ein toller Grund, dass wir uns oft sehen können“, sagt Lukas. Zu Hause sei Golf aber nur ganz selten ein Thema.

Anzeige
Mehr aus Golf-News 2/3