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Golfplätze auf Mallorca Auf der Sonnenseite

Mallorca im März – das kann Golfen auf der Sonnenseite des Lebens sein. Vier Plätze an vier Tagen machten es möglich, kein Tröpfchen Regen trübte den Genuss. Nach dem Golf-Journal-Test von 2015 im Süden der Insel standen dieses Mal Capdepera, Alcanada, Pula und Son Servera im Norden und Nordosten auf dem Prüfstand.

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Abwechslungsreich und anerkannt

Der Platz des GC Son Servera bei Cala Millor bietet schöne Ausblicke auf die Bucht von Levante und einige enge Bahnen durch alte Pinienwälder.

Quelle: GC Son Servera

Son Servera. Der von Gelb 5589 m lange Par-72-Kurs ist der ideale Auftakt für einen solchen Kurztrip. Warum? Weil Capdepera der unspektakulärste der vier Plätze ist. Von den ersten zwölf Bahnen bleibt kaum eine Erinnerung. Sie sind überwiegend flach und breit. Interessant wird es aber ab Loch 13, wenn es ins „Gebirge“ geht. Nun wird es eng, und es geht gehörig bergauf und -ab. Die 15, ein 147 m langes Par 3, gilt wegen des Blicks auf die Bucht von Canyamel sogar als eines der schönsten Löcher Mallorcas. Wer hier nicht Präzision walten lässt, versenkt seinen Ball entweder in der am Abschlag beginnenden ausgedehnten Buschgruppe oder rund um das Plateau-artige Grün in einem Abhang. Auf der 16 (348 m, Par 4) und der 18, einem 428 m langen Par 5, sind weite und präzise Abschläge nötig, will man seinen Score nicht gefährden. 89 Euro kostet das Greenfee im März, bis 9 Uhr ist man mit 69 Euro dabei. Seltsamerweise gibt es auch die Möglichkeit, nur zwölf Löcher für 55 Euro zu spielen. Dann verpasst man womöglich die attrakivsten Bahnen, denn in Capdepera kommt das Beste zum Schluss. Das schließt die Gastronomie mit ein, die ist absolut empfehlenswert.

Entschleunigtes Golfen und das auf einem Kurs, der allgemein nur als „Porsche-Platz“ firmiert – das muss kein Widerspruch sein. Die von Gelb 6152 m lange Par-72-Schönheit gehört Hans-Peter Porsche, Sohn von Käfer-Konstrukteur Ferdinand Porsche. „Hans-Peter Porsche hat sich hier seinen Lebenstraum erfüllt“, erzählt Club-Manager Kristoff Both, der aus Dassendorf im Süden Schleswig-Holsteins stammt. Both ist seit der Eröffnung 2003 in Alcanada. „Ich kenne hier jeden Stein“, sagt der 41-Jährige. Mit den Bäumen dürfte das schon schwieriger werden. Rund 700 wurden im Nachhinein gepflanzt. „Bei uns soll alles Natur pur sein“, nennt Both als Anspruch.

So wirkt der Platz auch, auf dem zwischen den Abschlägen und dem Fairway-Beginn besonders auf den hügeligen und waldreichen Front Nine ordentliche Distanzen zu überwinden sind. Das ist anspruchsvoll, aber keineswegs unfair. Und nebenbei lässt sich auch die Natur genießen, mit herrlichen Ausblicken auf die Bucht von Alcudia oder weil man häufig das Gefühl hat, ziemlich allein auf dem Platz zu sein. Das wiederum liegt an den Abschlagzeiten alle zwölf Minuten. Ein Luxus, der seinen Preis hat. Eine Runde kostet 130 Euro. Ausgebucht sind sie in Alcanada zwischen März und Mai dennoch täglich.

Für den Schwierigkeitsgrad des extrem gut gepflegten Kurses sorgen vor allem die extrem harten und schnellen Grüns. Die befinden sich auf Tour-Niveau, weshalb seit zwölf Jahren auch alle DGV-Kader hier trainieren. „Unser Platz verteidigt sich durch die Grüns“, sagt Kristoff Both und weiß, dass die Bereiche um die Fahnen nicht nach Jedermanns Geschmack sind. Im Prinzip gilt auf den Grüns für den Ball das alte Käfer-Motto: Er läuft und läuft und läuft. Sehr gewöhnungsbedürftig.

Beim GC Pula südlich von Cala Ratjada sind sie stolz auf ihre Vergangenheit, und sie arbeiten intensiv an der Zukunft. Sieben Turniere der European Tour sind hier ausgetragen worden, Martin Kaymer und Bernhard Langer kennen den Platz ebenso wie Pep Guardiola, aber das ist ja ein Profi, wenn es um größere Bälle geht. Der Spanier Jose Maria Olazabal kümmerte sich zwischen 2003 und 2006 um das Design, und zu behaupten, das hätte dem Kurs richtig gut getan, ist sicherlich nicht übertrieben. Die Bahnen sind sehr abwechslungsreich und teilweise eine echte Herausforderung, besonders auf dem einen oder anderen langen Par 4.

Die hügelige Landschaft mit den alten Olivenbäumen verleiht dem Platz ebenso seinen besonderen Charakter wie die Höhenunterschiede der Bahnen 10 bis 14. Auf der 10, einem mit 449 m gar nicht mal so langem Par 5, geht es permanent bergauf, auf der 11, einem 278 m kurzen Par 4, dafür bergab, sodass der mit alten Steinen idyllisch eingefasste Teich vor dem Grün ein Par nicht unbedingt erschwert. Auf diesem Platz kommt einfach keine Langeweile auf. Die Grüns sind in sehr gutem Zustand, und trotz des gewissen Höhenunterschieds kann man darauf verzichten, ein Cart zu mieten, denn zwischen den Fahnen und den Abschlägen sind keine nennenswerten Distanzen zu überwinden.

Die Anlage gehört der Familie Sala, Sohn Arnau ist der Geschäftsführer mit passablen Deutschkenntnissen. „80 Prozent unserer Gäste sind Deutsche“, erzählt er und hält den Platz nicht nur wegen des Greenfees von 84 Euro bzw. 74 Euro vor 9.20 Uhr für fair. „Dank Olazabal ist es jetzt ein richtiger Golfkurs“, sagt Arnau Sala. Und dass rund um die Finca von 1561 ein familiäres Hotel mit 48 Zimmern entstand, ist auch nicht von Nachteil. „Golf unlimited“ kostet im März täglich 120 Euro, im Januar sogar nur 72 Euro, Frühstück und Nutzung des Wellnessbereichs inklusive.

Son Servera bei Cala Millor ist der zweitälteste Platz auf der Insel. 1967 entstanden die ersten neun Bahnen, vor vier Jahren erst folgte die Erweiterung auf 18 Löcher. „Wir wollen einer der besten Golfplätze auf Mallorca werden“, verkündete Direktor Stefano Bortolotti, ein Südtiroler aus Bozen. Eine weitere Besonderheit: Son Servera ist der einzige Mitglieder geführte Club auf der Insel, der Präsident heißt Frank Blochmann und ist ein Hamburger. Berühmtestes Mitglied ist allerdings ein Mallorquiner: Tennisprofi Rafael Nadal.

Abgeschlagen wird auf dem von Gelb 5844 Parkland-Kurs im Zehn-Minuten-Rhythmus. Zu Wartezeiten kann es dennoch kommen, allerdings nur zwischen den Bahnen 3 und 7. Das sind die schwierigsten, denn nachdem auf der 3, einem 115 m langen Par 3, ein Teich zu überwinden war, geht es durch Pinienwälder. Die Fairways sind plötzlich eng abfallend oder ansteigend, da kommen Ballsucher schon mal auf ihre Kosten. So wird auch Loch 6, ein eigentlich nur 348 langes Par 4, wegen seines erhöhten Grüns zur Herausforderung, oder Bahn 7, wo man wieder mit dem Teich von der 3 Bekanntschaft schließt und die großen Koi-Karpfen bewundern kann. Anschließend sind die größten Probleme jedoch überwunden, und der Kurs präsentiert sich offen und fair. Fair wie das Greenfee von 89 Euro. „Unser Platz spiegelt die Natur Mallorcas wieder, mit seinen Bergen, den alten Bäumen und den Blicken aufs Meer“, sagt Club-Direktor Bortolotti und versichert, dass in die Pflege viel investiert werde. Nächstes Jahr wird der Club 50, da will man richtig jung wirken.

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