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„Beim Golfen hilft dir keiner“

Horst Wiemann „Beim Golfen hilft dir keiner“

Als Handballer war er früher beim deutschen Meister THW Kiel ein echter Teamplayer. Dem Golf-Journal erzählt Horst Wiemann nun, warum Mannschafts-Wettbewerbe reizvoll sind.

Horst Wiemann auf der Range.

Quelle: Gerhard Müller

Altenhof. Der Golf-Boom ist Geschichte, die Zuwachsraten liegen im Null-Komma-Bereich. Großer Beliebtheit erfreuen sich dagegen die Mannschaftswettbewerbe. In Schleswig-Holstein werden in dieser Saison 298 Teams antreten, von der 2. Bundesliga mit den Damen und Herren des GC Altenhof bis zu den Verbandsligen. In verschiedenen Altersklassen von der Jugend bis zur Ü70. Dafür gibt es gute Gründe.

 Michael Rieneck spielt für die zweite Mannschaft des GC Uhlenhorst. AK 35, D-Klasse. Absteigen können die Uhlenhorster nicht, denn tiefer geht es nicht mehr. Der 50-Jährige mit Handicap 13,7 kann sehr gut beschreiben, was den Reiz eines Mannschaftswettbewerbs ausmacht: „Normalerweise interessiert niemanden mein Score, deshalb ist es eine besondere Situation, dass jedes Einzelergebnis in das Mannschaftsresultat einfließt. Das ist eine ganz andere Belastung, da zittert selbst in den untersten Klassen schon mal der Schläger, und Einstellige kommen mit einer 100 ins Clubhaus.“

 Rieneck hat schon in der ersten Saison festgestellt, dass sich ganz schnell ein „Wir-sind-wir-Denken“ einstellt. „Wir haben gemeinsames Training organisiert, wir haben uns identische Kleidung gekauft, das hat fast schon mittelalterliche Attitüden, nur dass wir kein Banner vor uns hertragen“, sagt der Spieleautor („Säulen der Erde“, „Die Tore der Welt“). Elf Herren gehören zum Kader, maximal acht dürfen pro Spieltag eingesetzt werden, die besten sieben Einzelergebnisse gelangen in die Wertung. „Das ist mit Ehrgeiz und Nervosität verbunden“, versichert der Diplom-Kaufmann, der den Ehrgeiz so beschreibt: „Letztes Jahr sind wir Zweiter geworden, nun wollen wir aufsteigen.“ Die 300 Euro Startgebühr pro Team hält er aus diesen Gründen für eine sinnvolle Investition.

 Für Wolfgang Hens sind die Wettbewerbe in der Deutschen Golf-Liga sowie die Mannschaftspokale auch ein „Mitgliederbindungsargument“: „Damit wird das Zusammengehörigkeitsgefühl in den Clubs gestärkt“, sagt der Geschäftsführer des Golfverbandes Schleswig-Holstein, der in der vergangenen Saison für die AK35 des GC Waldshagen spielte. Der 55 Jahre alte Handicap-5,7-Golfer schätzt es auch, dass man sich zum gemeinsamen Training trifft oder Vorbereitungswochenenden organisiert. „Das ist halt echtes Mannschaftsdenken, viele kennen das von früher aus anderen Sportarten.“

 Zum Beispiel Horst Wiemann, den die Fans des THW Kiel nur unter seinem Spitznamen „Popeye“ kennen. Wiemann hat rund 17 Jahre auf höchstem Niveau Handball gespielt, mehr als 15 Jahre als Profi für die Zebras und zwei Spielzeiten für die SG Flensburg-Handewitt, immer als Kreisläufer. Mit dem THW wurde er 1994 und 1995 deutscher Meister, als spielender Co-Trainer von Noka Serdarusic. 1996 hat er beim GC Havighorst einen Schnupperkursus gemacht, das war der Beginn seiner zweiten Karriere: „Mein Ziel war von Anfang an, unter Handicap 5 zu kommen. Ich wusste damals nur nicht, dass das so lange dauern kann.“ Zwölf Jahre hat der 55-Jährige dafür benötigt, aktuell beträgt seine Vorgabe -4,6. Was treibt einen ehemals erfolgreichen Topsportler an, auch auf dem Golfplatz Leistung zu bringen? „Ich wollte mit Golf etwas erreichen und nicht nur bei schönem Wetter auf dem Platz rumlaufen“, sagt Horst Wiemann.

 Seine Wettkampferfahrung als Handballprofi kommt ihm dort zugute. Sie hilft ihm, in engen Situationen die Ruhe zu bewahren, auch für die AK 50 des GC Havighorst. Die AK50-Rangliste 2015, die aus den Einzelergebnissen der Mannschaftswettbewerbe errechnet wird, schloss er auf Platz acht ab, bei der AK50-Meisterschaft kam er mit zwei 80er-Runden in Hohwacht auf Platz zwei. Dies alles wäre ohne intensives Training nicht möglich. „Ich habe viel Zeit auf der Range verbracht“, gibt der IT-Experte zu. Geholfen hat ihm 2005 zudem die Ausbildung zum C-Trainer: „Da lernt man einiges, das bringt zwei, drei Pünktchen bei der Vorgabe. Hat er mit 55 Jahren noch Ziele? Logisch. „Ich habe in Havighorst von Weiß mal eine 73 gespielt, ich will irgendwann noch eine Par-Runde schaffen“, sagt Wiemann. Und außerdem reizt ihn das Mannschaftserlebnis: „Wenn ich als Handballer mal keinen guten Tag hatte, ist ein anderer eingesprungen. Beim Golfen kann dir keiner helfen.“

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