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Der Frust des Grandseigneurs beim THW Kiel

Blazenko Lackovic Der Frust des Grandseigneurs beim THW Kiel

Trotz einer extrem erfolgreichen Karriere sitzt Blazenko Lackovic beim THW Kiel auf der Bank. Das hat er nicht nur noch nie erlebt, auch das Ende dieses Erlebnisses naht: Sein Vertrag wird nicht verlängert.

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Blazenko Lackovic (links, hier gegen Gummersbachs Evgeni Pevnov) wird spätestens am Saisonende das Trikot des THW Kiel ausziehen. Wo der 36-jährige Kroate dann seine Zelte aufschlägt, steht noch nicht fest. Er möchte in der Handball-Bundesliga bleiben.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Es gibt Dinge – kaum zu glauben –, die hat Blazenko Lackovic in seiner unglaublichen Karriere noch nicht erlebt. Der kroatische Rückraumspieler des Handball-Rekordmeisters THW Kiel war Olympiasieger (2004), Weltmeister (2003), kroatischer Meister und Pokalsieger mit RK Zagreb, mazedonischer Meister und Pokalsieger mit Vardar Skopje, Pokalsieger mit der SG Flensburg-Handewitt (2005), Pokalsieger mit dem HSV (2010), deutscher Meister mit dem HSV (2011), Champions-League-Sieger mit dem HSV (2013). Was der sympathische Familienvater mit dem charakteristischen Augenzwinkern noch nicht erlebt hat: die Bank, den Frust, dieses Gefühl, wenn das Geschehen über ganze Spiele hinweg an einem vorbeirauscht. Im Sommer läuft der Vertrag des 35-Jährigen bei den Zebras aus – und wird nicht verlängert.

 „Es ist eine neue Situation für mich. Bei all meinen Stationen habe ich eigentlich immer gespielt. Aber ich lerne dadurch auch sehr viel, Geduld zum Beispiel und wie wichtig harte Arbeit ist. Ich werde nächstes Jahr gehen.“ Wohin, dazu wollte der 195-malige kroatische Nationalspieler (571 Tore) noch nichts sagen. „Ich möchte auf jeden Fall in der Bundesliga bleiben.“ Stets blieb „Lac“ leise, stellte sich in den Dienst der Mannschaft, deren Trainer Alfred Gislason keine Gelegenheit ausließ, den Handball-Grandseigneur vom Balkan und sein Gewicht als Mentor für die jungen Rückraumspieler wie Lukas Nilsson und Nikola Bilyk zu loben. Zuletzt im Verlauf des Novembers betonte der isländische Chefcoach allerdings auch, dass er auch künftig eher auf die Youngsters setzen werde, die „schließlich lernen müssen“. Oder anders ausgedrückt: „Lackovic hat die schlechteste Quote aller Rückraumspieler. Ob er weiterhin seine Chance bekommt, hat er selbst in den Händen.“

 Eine Quote, die auch darunter litt, dass es nicht immer leicht war, für Lackovic, fokussiert zu bleiben. Tribüne, Bank, fünf Minuten im kalten Wasser. Die Chance, sich zu beweisen, erhielt er kaum. Nicht einmal in Veszprem, als die Zebras in der Champions League ohne sein Zutun mit 19:21 unterlagen, während Lackovic auf der Bank schmorte. Im Heimspiel gegen Schaffhausen oder in der Bundesliga in Coburg trat die Kieler Nummer acht aus dem toten Winkel der Frustration, lieferte ab, sagte in Coburg nach 60 Minuten: „Ich bin glücklich über dieses Spiel. Jeder Moment, den ich auf dem Feld verbringe, ist wichtig. Daher ist so ein Spiel Gold wert, damit ich zeigen kann, wie gut ich bin und dass ich bereit und immer konzentriert bin.“ Den Schritt, aus Skopje im Februar als „Feuerwehrmann“ zurück in die Bundesliga und dann auch noch zum Branchen-Primus THW zu wechseln, bereue der Rechtshänder nicht: „Zum THW zu kommen, hat mich weitergebracht. Ich denke, es war zu dem Zeitpunkt die richtige Entscheidung.“

 Jetzt erlitt der Kroate, der am 25. Dezember 36 Jahre alt wird, einen weiteren Rückschlag, zog sich im Training einen Muskelfaserriss in der Wade zu und wird „voraussichtlich bis zum Jahresende“ (Mannschaftsarzt Dr. Frank Pries) ausfallen. Gekommen war er, weil sich Christian Dissinger bei der Europameisterschaft im Januar verletzt hatte. Jetzt könnte es wieder der 25-Jährige sein, der für Lackovic’ Zukunft zum Zünglein an der Waage wird. Dissinger, inzwischen nach den Olympischen Spielen wieder lange ausgefallen, ist wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen, arbeitet auf sein erneutes Comeback hin. „Wenn Christian Dissinger zurückkommt, wird es für Blazenko nicht leichter“, sagt THW-Geschäftsführer Thorsten Storm, dem bislang noch keine Anfrage für Lackovic von einem anderen Verein vorliegt. Neben Dissinger tummeln sich dann Nilsson, Bilyk und zuweilen auch Spielmacher Domagoj Duvnjak auf der halblinken Rückraumposition, wenn Gislason in der Rückraum-Mitte auf Linkshänder Steffen Weinhold setzt. Fünf sind einer zu viel. Doch der hoch dekorierte Lackovic habe, so Storm, „von allem etwas“, sei „ein guter Typ, sehr sympathisch“, lasse sich „nichts zu schulden kommen“. Vollprofi nennt man das. Die Zeichen stehen auf Abschied. Christian Dissinger wird voraussichtlich im Dezember zurück auf dem Feld sein. Nicht ausgeschlossen, dass Blazenko Lackovic den THW Kiel schon in der Winterpause verlässt.

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Ein Artikel von
Tamo Schwarz
Sportredaktion

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