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Nordderby: THW Kiel erobert Tabellenspitze

Bundesliga Nordderby: THW Kiel erobert Tabellenspitze

Der THW Kiel lässt die SG Flensburg-Handewitt in der Bundesliga nicht davonziehen und macht das Titelrennen wieder spannender. In wenigen Tagen gibt es erneut zwei Spiele der Nordrivalen gegeneinander.

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Nach dem Schlußpfiff umarmt Rune Dahmke (re.) Andeas Wolf und auch Patrick Wiencek (li.) eilt herbei.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Ein großer Wolff, ein Dreher, ein Pfosten, Abtauchen, Auftauchen, totgeglaubte Zebras, die Auferstehung, der Schlusspfiff, alles Jubel. Das 89. Nordderby, dieses Drama in drei Akten, hat alles, was das Handball-Herz begehrt. Durch ein zwischenzeitlich kaum für möglich gehaltenes 24:23 (11:14) gegen die SG Flensburg-Handewitt springt der THW Kiel wieder an die Spitze der Bundesliga.

Erster Akt, erste Halbzeit: „Das sah nicht gut aus“, resümiert THW-Rechtsaußen Niclas Ekberg später. Die Zebras – im Rückraum mit Steffen Weinhold als Regisseur und Kapitän Domagoj Duvnjak und Marko Vujin auf den Halb-Positionen – tun sich schwer gegen die kompakte SG-Abwehr. Apropos Abwehr: Hut ab vor beiden Innenblöcken im jeweiligen 6:0-Gefüge! Sowohl die Kieler René Toft Hansen und Patrick Wiencek als auch Henrik Toft Hansen und Tobias Karlsson auf Seiten der SG verrichten 60 Minuten lang Schwerstarbeit. Da stehen nun also diese Weltklasse-Defensivreihen, gegen die diese dramatisch gut besetzten Kontrahenten ganz unterschiedlichliche Lösungen suchen. Die Flensburger setzen mit Thomas Mogensen und Kentin Mahé auf Bewegung, Tempo, versuchen, den THW auseinander zu ziehen. Wenn’s nicht klappt, packen die quirligen SG-Spieler verdeckte Schlagwürfe aus. Geht auch. Zum Glück steht ganz hinten noch Andreas Wolff im Tor. 25 Paraden, allein 13 vor der Pause. Ohne ihn wäre der THW längst am Boden. Wolff demoralisiert zu vorderst Anders Eggert, der erst frei (11.), dann im Gegenstoß (15.), dann per Siebenmeter (16.) an dem großen bösen Kieler scheitert. Trotzdem – und das ist bemerkenswert – liegt der THW in der 25. Minute mit 7:13 hinten. Die Außen finden bis in den zweiten Abschnitt hinein gar nicht erst statt, alles ist dicht und zentral und läuft sich tot. Duvnjak will es mit Gewalt, schließt überhastet, schlecht vorbereitet ab. Ein Narr, wer jetzt noch sein Vermögen auf Schwarz und Weiß setzt.

Hier finden Sie Fotos vom Nordderby am 13.11.2016.

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Zweiter Akt, er beginnt kurz vor der Pause, weil sich der unglaublich starke Patrick Wiencek („Ich habe an die Wende geglaubt“) dieses einseitige Spektakel nicht bieten lassen will. Also holt sich der Kreisläufer den Ball kurzerhand im weiten Bogen aus dem Rückraum, läuft an, zieht ab, trifft zum 8:13 (26.). Ein moralischer Wendepunkt. „Das war entscheidend, hat uns Hoffnung gegeben“, sagt THW-Trainer Alfred Gislason. Zwischen der 32. (11:15) und der ersten Kieler Führung in der 42. Minute (16:15) brechen die Flensburger ein, verheddern sich zusehends in Fehlern (Johan Jakobsson), die das ansonsten so elegante Offensivspiel stocken lassen. Wolff hält weiter phänomenal, aber Mattias Andersson auch, zum Beispiel gegen die Linksaußen Raul Santos (7m/49.) und Rune Dahmke (50.). Dieser Krimi lässt die Sparkassen-Arena beben, und ein unglaublicher Dreher von Steffen Weinhold zum 23:21 (55.) könnte schon fast die Vorentscheidung, Duvnjaks drittes super-wichtiges Tor in kurzem Abstand zum 24:22 (59.) die Entscheidung bedeuten.

Dritter Akt, der die Zuschauer fast um den Verstand bringt: Lasse Svan verkürzt für die SG (24:23/60.), und was macht denn Lukas Nilsson auf einmal? „Dieses Wurf darf er sich nicht nehmen, das bringt uns fast um den Sieg“, sagt Gislason. Nur noch acht Sekunden sind zu spielen, als die letzte Angriffswelle der SG rollt und die große Stunde des Andreas Wolff schlägt. Tempogegenstoß, Duvnjak wirft sich in Mahés Weg, Wolff hält, hält den Abpraller von Lasse Svan, der von Nilsson gefoult wird. Es gibt einen letzten Siebenmeter, und Anders Eggert übernimmt am Ende dieses „Privatduells“ mit dem Kieler Schlussmann Verantwortung. Er trifft den Innenpfosten. Andreas Wolff erinnert sich so an diesen letzten Ball: „Rechts an mir vorbei, ausgeguckt, reicht!“, sagt der 25-Jährige trocken am Ende dieses Dramas in drei Akten, dieses Derbys, das für ihn ganz grundsätzlich „das beste Handballspiel der Welt“ ist.

THW Kiel – SG Flensburg-H. 24:23 (11:14)

THW Kiel: Wolff (1.-60. Minute/25 Paraden), Landin (bei einem 7m/0) – Duvnjak 6, R. Toft Hansen, Lackovic n.e., Weinhold 3, Wiencek 5, Ekberg 5, Zeitz, Dahmke 1, Vujin 2, Bilyk 1, Nilsson 1, Santos.

SG Flensburg-Handewitt: Andersson (1.-60. Minute/16), Møller n.e. – Karlsson, Eggert 5/3, Glandorf 2, Mogensen 5, Svan 3, Jakobsson 3, Zachariassen, H. Toft Hansen 3, Gottfridsson, Lauge, Mahé 2.

Schiedsrichter: Andreas und Marcus Pritschow (Stuttgart) – Strafminuten: THW 10 (Wiencek, 2x Zeitz, Dahmke, Nilsson), SG 6 (2x Mogensen, H. Toft Hansen – Siebenmeter: THW 2/0 (Vujin und Santos scheitern an Andersson), SG 5/3 (Wolff pariert Eggert, Eggert an den Pfosten) – Spielfilm: 0:1, 1:3, 4:4 (10.), 5:8 (14.), 7:9, 7:13 (25.), 8:14 (27.), 11:14 – 11:15 (32.), 16:15 (42.), 17:18, 19:19 (51.), 22:20 (54.), 23:21, 23:22 (58.), 24:22, 24:23 – Zuschauer: 10.285 in der ausverkauften Kieler Sparkassen-Arena.

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Ein Artikel von
Tamo Schwarz
Sportredaktion

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