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THW kassiert höchste Derby-Heimpleite

Champions-League THW kassiert höchste Derby-Heimpleite

Nach einer schwachen zweiten Halbzeit hat der THW Kiel das zweite Derby gegen die SG Flensburg-Handewitt deutlich verloren. Das 22:30 (12:14) im Gruppen-Hinspiel der Handball-Champions-League bedeutete die höchste Derby-Heimniederlage der Geschichte.

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Ilija Brozovic versteht die Schirientscheidung nicht.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Im Vergleich zum ersten Derby eine Woche zuvor begann der THW gut, namentlich vor allem Steffen Weinhold und Christian Zeitz. Die beiden Linkshänder machten im Rückraum Betrieb, brachten den THW mit 3:1 (5.) in Front. Doch die Gäste schüttelten sich kurz und drehten das Spiel zum 4:3 – es entwickelte sich ein enges und intensives Derby. Vielleicht brauchten die Flensburger auch einige Minuten Anlaufzeit, denn Gästecoach Ljubomir Vranjes hatte sein Team ordentlich durchgewürfelt: Waren Thomas Mogensen und Lasse Svan Hansen gar nicht im Kader, saßen Torhüter Mattias Andersson, Henrik Toft Hansen und Kentin Mahé zwar auf der Bank, kamen aber nicht zum Einsatz. Auf der Gegenseite entschied sich THW-Trainer Alfred Gislason neben Zeitz für eine Änderung: Niklas Landin begann im Tor.

Der Däne erwischte einen guten Start und hielt auch einige freie Bälle, doch der THW tat sich mit zunehmender Spieldauer immer schwerer gegen die kompakte SG-Deckung. Die Abwehrreihen dominierten weite Teile der ersten Hälfte, die kraftraubende Arbeit rund um beide Torräume veranlasste die Coaches schon früh zur Rotation. Hin und her wogte die Partie, beim 6:5 in der 17. Minute erzielte Patrick Wiencek das erste Tor eines Rechtshänders – zuvor Ekberg, Weinhold und drei Mal Zeitz – und leitete eine gute Kieler Phase ein, in der der eingewechselte Lukas Nilsson beherzt in eine der wenigen Lücken der SG-Deckung stieß und zum 9:7 abschloss (22.).

Hier finden Sie Fotos vom CL-Match THW Kiel gegen SG-Flensburg-Handewitt am 20.11.2016 in Kiel.

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Kurz vor Ende der ersten Hälfte lag Flensburg beim 12:11 wieder in Führung, und das Spiel wurde hitziger. Ex-Zebra Rasmus Lauge, beim Einlauf noch mit Applaus begrüßt, ernete nach einem harten Einsatz gegen Zeitz Pfiffe bei jedem Ballkontakt und agierte auch in der Offensive rücksichtslos gegen Nilsson. Innerhalb von 25 Sekunden schickten die isländischen Schiedsrichter dann Wiencek und Zeitz mit Zeitstrafen auf die Bank, der THW musste unter einem gellenden Pfeifkonzert der 10.000 Fans in doppelter Unterzahl etwas abreißen lassen. Mit dem Pausenpfiff traf Domagoj Duvnjak zum 12:14 – nach einem völlig anderen Spiel fast der gleiche Pausenstand wie im Bundesliga-Heimspiel.

Der THW kam wie ausgewechselt aus der Kabine – im negativen Sinne. Flensburg zeigte der immer passiver agierenden Kieler Deckung mit schnell zirkulierendem Ball und präzisen Anspielen die Grenzen auf. Über 17:13 und 19:15 zog die SG sukzessive davon, während die Zebras platt wirkten, nicht mehr dagegenhalten konnten. Acht Minuten ohne eigenes Tor: Das 15:22 (43.) war eine Vorentscheidung. Denn an diesem Sonntag folgte kein Aufbäumen der Kieler, konnte die Abwehr die SG-Angriffe nicht mehr stoppen, ließ Flensburg zu einfachen Toren aus dem Rückraum kommen. Sinnbildlich die vier Treffer von Johan Jakobsson, der bei zehn Metern hochstieg und kompromisslos abschloss. Auch THW-Keeper Niklas Landin bekam nur noch vereinzelt eine Hand an den Ball.

Für die Kieler ging es dahin, während sich die neu formierte SG-Truppe endgültig warmspielte. Zehn Minuten vor dem Ende lag der THW mit 17:26 hinten, kam kaum noch zu Gegenstößen und ließ auch im Positionsangriff die erforderliche Durchschlagskraft vermissen. Dass Niclas Ekberg in der 58. Minute auch noch per Siebenmeter an Kevin Møller scheiterte, passte einfach zu dieser Partie, die der THW auch in der Höhe verdient mit 22:30 verlor – die höchste Derby-Heimniederlage der Geschichte war perfekt. „Es ist schwer zu erklären, was anders war als vor einer Woche“, sagte THW-Keeper Landin. „Wir haben einfach zu viele individuelle Fehler gemacht.“ Einen Lichtblick bot aber sogar dieser schwarze Tag: Sebastian Firnhaber feierte sein Pflichtspieldebüt im THW-Trikot – und hatte bei einem Treffer aus einem Versuch eine lupenreine Torausbeute.

Statistik

THW Kiel: Landin (1.-60. Minute/15 Paraden), Wolff (bei zwei 7m/0) – Duvnjak 1, S. Firnhaber 1, R. Toft Hansen 1, Lackovic n.e., Sprenger, Weinhold 4, Wiencek 2, Ekberg 1, Zeitz 4, Dahmke 1, Brozovic, Vujin 2, Nilsson 3, Santos 2.

SG Flensburg-Handewitt: Andersson n.e., Møller (1.-60. Minute/12 Paraden) – Karlsson, Eggert 6/6, Glandorf 2, Wanne 5, Djordjic 1, Jakobsson 4, Heinl 2, Zachariassen 1, H. Toft Hansen n.e., Gottfridsson 3, Lauge 1, Mahé n.e., Radivojevic 4, Horvat 1.

Schiedsrichter: Sigurjónsson/Petursson (Island) – Strafminuten: THW 10 (Wiencek, Zeitz, Brozovic, Dahmke, Duvnjak), SG 10 (Heinl, Karlsson, Lauge, 2x Jakobsson) – Siebenmeter: THW 1/0 (Ekberg scheitert an Møller), SG 6/6 – Spielfilm: 1:0, 3:1, 3:4 (10.), 6:5 (17.), 8:6, 9:7 (22.), 9:9, 11:11 (27.), 12:14 – 13:15, 13:17, 15:17 (36.), 15:22 (43.), 17:26 (50.), 20:27, 20:30 (59.), 22:30 – Zuschauer: 10.285 in der ausverkauften Sparkassen-Arena.

Von Niklas Schomburg und Tamo Schwarz

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Ein Artikel von
Niklas Schomburg
Sportredaktion

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