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THW setzt sich gegen Meshkov Brest durch

Champions League THW setzt sich gegen Meshkov Brest durch

Der THW Kiel hat sein erstes Auswärtsspiel der laufenden Champions-League-Saison gewonnen: Beim weißrussischen Meister HC Meshkov Brest gewannen die Zebras einen echten Krimi mit 25:24 (14:12).

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Nikola Bilyk (THW Kiel) traf gegen HC Meshkov Brest mehrfach.

Quelle: Sascha Klahn (Archiv)

Brest. Der THW Kiel trat in der heißen Atmosphäre der ausverkauften Sportshall Wiktorija mit der Hypothek der langen Anreise und ohne die beiden erkrankten Schweden Niclas Ekberg und Lukas Nilsson an. Für den besten Kieler Torschützen Ekberg musste auf Rechtsaußen Ole Rahmel den alleinigen Part übernehmen, durch den Ausfall von Nilsson brach für THW-Coach Alfred Gislason vor allem im Überzahlspiel eine wichtige Option weg.

Gegen die 5:1-Deckung der Weißrussen mit dem schnellen Außen Simon Razgor auf der Spitze fing das Kieler Spiel trotzdem zunächst gut an. Mit konzentrierten und lange ausgespielten Angriffen fanden die Zebras die Lücken und waren erfolgreich. Brest-Keeper Ivan Pesic konnte vom Start weg einige Bälle wegfischen, der Kroate steigerte sich im Laufe der ersten Halbzeit immer weiter.

Erst das Spiel im Griff, dann ließ der Druck nach

Doch auch THW-Keeper Niklas Landin verbuchte hinter einer stabilen und beweglichen Deckung um den Mittelblock aus Patrick Wiencek und René Toft Hansen wichtige Paraden, hielt sein Team beim knappen Rückstand in den ersten zehn Minuten im Spiel und ermöglichte anschließend, dass sich die Gäste etwas absetzen konnten. Denn die 6:0-Formation des THW Kiel zwang Brest immer wieder ins Zeitspiel und zu nicht optimal vorbereiteten Würfen, schickte Rahmel in den Gegenstoß und lieferte seinen Vorderleuten die nötige Sicherheit. Bis zur 22. Minute erarbeiteten sich die Zebras so eine Drei-Tore-Führung (9:6) und schienen die Partie völlig im Griff zu haben. Die Weißrussen hatten zudem Glück, dass Ex-Bundesliga-Profi Pavel Horak für ein böses Foul an Toft Hansen nur eine Zeitstrafe kassierte.

Im Anschluss aber ließ der Kieler Druck im Angriff etwas nach, und Brest kam besser in Schwung. Der 10:10-Ausgleich fiel nach gut 25 Minuten, daran konnte auch Meshkov-Schreck Marko Vujin (nun 18 Treffern in drei Spielen gegen den HC) nichts ändern, obwohl er nach seiner Einwechslung in der 23. Minute gleich aus dem Rückraum traf und in Abwesenheit von Ekberg auch die Siebenmeter sicher verwandelte. Zu seinen Gunsten wich Zarabec, Steffen Weinhold übernahm die Position in der Rückraummitte. In der 30. Minute hieß es 12:12, und es deutete alles auf ein Remis zur Pause hin. Doch Brest traf im eigenen Angriff und kurz darauf nach Kieler Ballverlust ins leere Tor (Toft Hansen saß mit Zeitstrafe draußen) – die Gastgeber gingen mit einer 14:12-Führung in die Kabine.

Mit großem Schwung aus der Kabine

Wie die Feuerwehr kamen die Kieler aus der Pause. Mit einem 4:0-Lauf drehten sie die Partie zum 16:14 (34.), verteidigten nun in einer 5:1-Formation mit Christian Dissinger auf der Spitze und zwangen Brest zu technischen Fehlern und schlechten Würfen. Doch die eigene Fehlerquote stieg ebenfalls, Pesic kaufte den Zebras einige freie Bälle ab. Auch Christian Zeitz, der während einer verletzungsbedingten Pause von Ole Rahmel auf Rechtsaußen zum Einsatz kam, reihte sich ein, warf seinen ersten Ball von der ungewohnten Position über das Tor. Doch mit dem zweiten Wurf traf Zeitz, die Zebras führten 18:17 (43.).

Angeführt von Marko Vujin, der sich weiter steigerte, nicht nur als insgesamt sechsfacher Torschütze glänzte, sondern auch ein Auge für seine Nebenleute hatte, blieben die Zebras vorn und konnten ihren Vorsprung erneut ausbauen. Niklas Landin wechselte sein Prädikat von „überragend“ auf „Weltklasse“, trieb die Gastgeber teilweise zur Verzweiflung. Als Toft Hansen auf schönes Vujin-Anspiel zum 23:20 traf (53.), standen die Aktien gut für den THW Kiel, kurz darauf betrug die Führung gar vier Tore. „Wir haben guten Handball gespielt, aber Brest hat am Ende nochmal alles reingeworfen“, sagte Nikola Bilyk. Die Weißrussen kämpften sich zurück, angepeitscht von der „nur“ 3500 Zuschauer fassenden, aber unglaublich lauten Halle verkürzten sie Stück für Stück. Alles spitzte sich auf die letzten zwei Minuten zu, der Krimi näherte sich seinem großen Finale.

Ein echter Handballkrimi

Eine gute Minute vor Schluss stand es 23:24, dem THW Kiel drohte der scheinbar sichere Sieg aus der Hand zu gleiten. Doch dieses Mal behielten die Kieler die Nerven, spielten ihre Angriffe geduldig herunter – ein bisschen zu geduldig: Weniger als eine Minute vor dem Ende ist der Arm der Schiedsrichter oben, keine Lücke zu finden, Gislason nimmt seine letzte Auszeit. Zwei Pässe noch, Vujin auf Weinhold, Weinhold auf Bilyk, Bilyk ist auf sich allein gestellt, wirft – und trifft (mit etwas Glück) zum 25:23.

„Vielleicht hätte ich da etwas besser reagieren müssen“, sagt Brest-Keeper Ivan Pesic zerknirscht, der mit 15 Paraden aber insgesamt eine Top-Leistung zeigte, die nur Niklas Landin (17) noch übertrumpfte. Zwar verkürzte Brest nochmal, doch die letzten Sekunden spielen die Zebras ruhig herunter. Am Ende heißt es 25:24 für den THW Kiel. „Wir sind in beide Halbzeiten gut gestartet, dadurch waren wir im Spiel. Ich denke, wir haben verdient gewonnen“, sagte THW-Trainer Alfred Gislason nach der Partie. Und Marko Vujin ergänzte: „Unsere Motivation war sehr hoch, wir haben uns gesagt: Diese aufwändige Reise muss sich lohnen. Und wir haben ein gutes Spiel gemacht.“

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Ein Artikel von
Niklas Schomburg
Sportredaktion

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