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Christian Prokop: „Der Druck ist aushaltbar“

KN-Interview Christian Prokop: „Der Druck ist aushaltbar“

Ist der wirklich so cool? Da sitzt Christian Prokop in Hamburg vor der Presse, gerade einmal seit drei Tagen Handball-Bundestrainer, und nennt den Druck, der auf ihm lastet, ganz lässig „aushaltbar“. Der DHB hat ihm klare Ziele gesteckt.

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Handballverrückter, Realschullehrer, Familienvater, seit knapp zwei Jahren Bundesliga-Coach... und plötzlich Bundestrainer: Der akribische Taktiker Christian Prokop ruht (noch) in sich.

Quelle: Sascha Klahn

Hamburg. Dabei ist der 38-jährige Vater einer dreieinhalbjährigen Tochter und eines sechs Monate alten Sohnes, Realschullehrer (Sport/Wirtschaft) und Handballverrückter, erst seit knapp zwei Jahren als Coach in der Ersten Liga und muss sich künftig mit anderen Zielen als der Konsolidierung im Oberhaus auseinandersetzen. Der Deutsche Handballbund (DHB) hat klare Ziele gesteckt: eine Medaille bei der Heim-WM 2019 und den Olympiasieg 2020. Wie geht’s eigentlich Christian Prokop?

 Herr Prokop, nach drei Tagen mit der Mannschaft: Wie fühlen sich die Fußstapfen Ihres Vorgängers Dagur Sigurdsson an? Oder gehen Sie lieber gleich links oder rechts daneben?

 Ich bin jemand, der einfach zielstrebig geradeaus geht. Aber ich habe in den Tagen in drei Trainingseinheiten mit der Mannschaft viele schöne Eindrücke gewonnen. Alle haben ehrgeizig und intensiv trainiert, alle Nachnominierten haben ihre Nominierung gerechtfertigt, wir haben taktisch an Defensive und Tempospiel gearbeitet. Und die Tage waren voll mit Gesprächen.

 Der DHB erwartet bei der Heim-WM 2019 eine Medaille und nicht weniger als den Olympiasieg 2020. Wie groß ist der Druck, den Sie spüren?

 Im Moment ist er aushaltbar. Ich denke in kurzen Zeitabständen. Wir müssen schnell zueinander finden und erst einmal die Qualifikation für die Europameisterschaft 2018 packen. Die Ausgangslage ist gut, aber die Spiele gegen Slowenien werden eine große Herausforderung, auch die Spiele gegen Portugal und die Schweiz sind keine Selbstläufer.

 Als erste Amtshandlung sind Sie auf die Trainer und Manager der Bundesliga zugegangen? Worüber haben Sie gesprochen?

 Die Kommunikation untereinander ist jetzt und in Zukunft ganz wichtig. Ich habe – noch nicht mit allen – über den Lehrgang in Hamburg gesprochen.

 THW-Trainer Alfred Gislason hat das Gespräch als „sehr gut“ empfunden. Sie haben, sagte er, Verständnis für das Anliegen des THW Kiel, der zuletzt stets sehr stark unter der Mehrfach-Belastung zahlreicher Spieler durch Liga, Champions League und Nationalmannschaft gelitten hat und mit vielen Verletzungen auch einen hohen Preis zahlen musste. Muss das Thema Überlastung neu gedacht werden?

 Wir brauchen einen offenen und konstruktiven Austausch, darum ist mir der Kontakt zu den Trainern sehr wichtig. Es gibt Ziele der Vereine und Ziele des DHB. Ich möchte natürlich gern mit den besten Spielern arbeiten, habe aber auch Verständnis für die Vereine. Darum gab es ja jetzt den ersten Schulterschluss vor dem bevorstehenden Achtelfinale, und wir haben für die Spiele gegen Schweden auf die Spieler des THW und der Löwen verzichtet. In Zukunft wird es aber wichtig sein, dass ich die Chance habe, mit den besten Nationalspielern zu arbeiten. Eine absolute Lösung beim Thema Überlastung wird es nicht geben. Alle Seiten müssen bereit sein, aufeinander zuzugehen. Wir haben das jetzt gemacht, das war ein erster Schritt. Aber der DHB und ich haben auch unsere Ziele zu vertreten, dementsprechend müssen wir die Belastung im Blick haben, aber auch unser Konzept umsetzen, und dafür brauche ich eben ein paar Trainingstage. Mir gefällt es nicht, wenn die Müdigkeit ständig herausgehoben wird. Das wird irgendwann dann auch ein mentales Problem, ein Alibi.

 In diesem konkreten Fall drohte ein offener Streit zwischen den betroffenen, überlasteten Spielern und dem DHB, der seinem Publikum seine Stars wie Andreas Wolff präsentieren wollte. Wie konnten Sie diesen Konflikt lösen?

 Das war eine Sache von zwei, drei Tagen. Ich bin sehr froh, dass ich vom SC DHfK Leipzig die Freigabe schon jetzt erhalten habe, obwohl mein Vertrag erst ab dem 1. Juli läuft. Aber vor Mittwoch konnte ich natürlich auch nicht mit den Vereinen in Austausch darüber treten.

 Welche Rolle werden die Zebras in Zukunft spielen? Bilden Sie das feste Gerüst oder beginnt für alle das Thema Nationalmannschaft jetzt bei Null?

 Erst einmal: Die Spieler, die jetzt bei uns sind, sollen ihre Chance nutzen. Wir haben einen großen Pool an Spielern, aus dem ich schöpfen kann. Ziel ist es natürlich, die etablierten Spieler wie die vom THW so schnell wie möglich wieder zu integrieren. Wenn ich sehe, wie aggressiv und beweglich ein Patrick Wiencek verteidigt, passt das natürlich perfekt zu uns. Das gilt auch für Hendrik Pekeler. Und Andreas Wolff ist Teil eines der stärksten Gespanne im internationalen Vergleich. Ich freue mich auf die baldige Zusammenarbeit.

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Ein Artikel von
Tamo Schwarz
Sportredaktion

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Kommentar

Wirklich eine gute Idee: Ein „Tag des Handballs“, um die 100-jährige Existenz der Sportart in Deutschland zu feiern. Jugend, Frauen, Inklusion, Autogramme, Spiel, Spaß, kunterbunt ... und mittendrin die Stars, die „Bad Boys“, die Europameister, die auf Schweden treffen. 10000 Fans haben sich Tickets für die Arena in Hamburg gekauft. Lasst die Spiele beginnen!

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