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Handball-Bundesliga Einfach schön anzusehen

Eine historische Marke: Der THW Kiel hat im Duell der „Dinos“ der Handball-Bundesliga zum 50. Mal als Sieger das Feld verlassen. Das 34:21 (19:11) gegen den VfL Gummersbach war dabei zu keinem Zeitpunkt gefährdet.

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Patrick Wiencek hat sich gegen Kevin Schmidt und Simon Ernst durchgesetzt und wirft vom Kreis aufs Tor.

Quelle: Sascha Klahn

Kiel. Die Zebras festigen durch den Erfolg – auch aufgrund der gegenüber den Rhein-Neckar Löwen mehr ausgetragenen Partien – Platz zwei in der Tabelle. Leicht und locker ist ein Handballspiel in der Bundesliga gewiss nie – aber an diesem Mittwochabend sieht es zumindest so aus. Alles beginnt beschwingt, als die Vertragsverlängerung von Nikola Bilyk vor dem Anpfiff über den Videowürfel flimmert. Im Prinzip geht es danach nahtlos mit Ooohs und Aaahs von den Rängen weiter, weil die 60 Minuten viel (Schönes) zu bieten haben.

"Da wurden wir überrascht"

THW-Coach Alfred Gislason verzichtet dabei vorerst auf Kapitän und Spielmacher Domagoj Duvnjak, lässt’s die Jungen besorgen. Bilyk zieht die Strippen in der Mitte, Lukas Nilsson (links) und Marko Vujin (rechts) im Rückraum neben sich. Bis zum 8:2 (11.) hat das Trio bereits sieben Treffer ’rausgehauen, das Umschaltspiel der Zebras ist atemberaubend, nach acht Minuten ist VfL-Trainer Emir Kurtagic („Da wurden wir überrannt“) zum Umstellen gezwungen, ersetzt der Ex-Kieler Christoph Schindler Nationalspieler Simon Ernst in der Rückraum-Mitte, auch der wirkungslose Linkshänder Kavynn Nyokas muss weichen.

Der THW spielt schnell, variabel, breit, be-straft jeden Fehler der Oberbergischen umgehend. Nach knapp 24 Minuten verlässt auch Nationalkeeper Carsten Lichtlein in seinem 530. Bundesligaspiel entnervt sein Gehäuse, doch auch an Vertreter Matthias Puhle zischen die Kieler Bälle pfeilschnell vorbei. Endlich kommt auch Raul Santos gegen seinen Ex-Klub besser ins Spiel, verwandelt innerhalb von 60 Sekunden zwei Gegenstöße zum 16:8 (28.).

Es ist sein Spiel

Nach der Pause dann eine kurze Schrecksekunde: Andreas Wolff hält sich nach einer seiner phänomenalen 25 Paraden den Daumen, muss kurz behandelt werden. Seine Vorderleute agieren jetzt überhastet, aber die oft so markerschütternden Schwächeperioden der vergangenen Wochen wiederholen sich nicht. Gummersbach schließt zum 14:20 (33.) auf, Wolff muss kurz durchatmen, den Daumen-Schmerz verkraften. Aber dann: Weiter geht’s! Es ist sein Spiel. Wen kümmert schon ein Daumen, wenn Florian von Gruchalla frei vor einem auf Rechtsaußen auftaucht (34.) – Parade! Oder Andreas Schröder, den Wolff im Stile Manuel Neuers mit einer langen Fußabwehr in die Schranken weist (37.) – Parade! Oder Kreisläufer Evgeni Pevnov (50.) – Parade! Wolff ist eine Klasse für sich, doch ein besonderes Lob gebührt an diesem Tag dem Kieler Angriff. „Ein super Wolff, zwei junge Wilde und ein alter serbischer Hase“, fasst THW-Geschäftsführer Thorsten Storm das zusammen, was für Alfred Gislason „schön anzusehen“ ist, „wie die Jungs an Sicherheit gewinnen und die Taktiken besser laufen“.

Schön anzusehen ist auch der Tag der fulminanten Schlagwürfe, einer schöner und schneller als der andere. Eine Kunst, die Marko Vujin (7.), Christoph Schindler (33.) und Christian Dissinger (39., 102 km/h) winkelgenau beherrschen. Dissinger macht das Spiel ab der 38. Minute im Angriff schnell, Duvnjak verstärkt ab der 45. Minute die jetzt offensivere Kieler 3:2:1-Deckung, Wolff hält einfach weiter, und aus den Ooohs und Aaahs werden La Ola und stehende Ovationen. Einen solchen Abend haben Mannschaft und Fans gebraucht.

Von Tamo Schwarz und Merle Schaack

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