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Beeindruckender Auswärtssieg bei Melsungen

Handball-Bundesliga Beeindruckender Auswärtssieg bei Melsungen

Souveräne Dienstreise nach Hessen: Auf zuweilen beeindruckende Weise hat der THW Kiel am Mittwochabend in Kassel die Tabellenführung in der Handball-Bundesliga behauptet. Die Zebras besiegten die MT Melsungen in einem ungefährdeten Match mit 30:23 (18:12).

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Volle Konzentration: Raul Santos und der THW Kiel gewinnen in Kassel gegen die MT Melsungen deutlich.

Quelle: imago

Kassel. 40 THW-Anhänger des Fanclubs „Zebrasprotten“ haben sich auf den Weg nach Hessen gemacht. Erste Testfahrt mit dem neuen „Sprottenliner“-Fanbus, erste Ausfahrt Kassel. Ein gutes Omen? Was in der Vorsaison fast zur gleichen Zeit das Prädikat Spitzenspiel verdiente, als die Kieler zu Hause die Höhenluft schnuppernden Melsunger entzauberten, ist an diesem 30. November wieder das, was es vorher war: David gegen Goliath, Platz eins gegen elf. Doch in der Kasseler Rothenbach-Halle war zuletzt in drei Duellen zweimal nichts zu gewinnen, erst im Mai hieß es 30:29 für die MT, der sich inzwischen auch Ex-Zebra Dener Jaanimaa angeschlossen hat.

Die Kieler sind also gewarnt, schalten nach einer kurzen Phase des Abtastens, die die MT energisch für eine 3:1-Führung (6.) nutzt, ihre Aggregate auf „Volle Kraft voraus“. Das sieht dann so aus, dass Melsunger Ungeschicklichkeiten und Gebälk-Treffer mit einer vehementen schwarz-weißen Tempoverschärfung zu einem gefährlichen Ganzen kumulieren. Vom 3:1 kippt alles innerhalb von zehn Minuten zum 5:9. Weil der THW hier einen großen spielerischen Schritt nach vorn macht, den Ball gegen eine allzu lückenhafte Gastgeber-Abwehr mit Felix Danner und Philipp Müller im Innenblock schnell laufen lässt, Freiräume schafft. Weil er da aber auch seine individuelle Klasse mit vollem Gewicht in die Waagschale wirft. Weil also Einzelne herausragen. Das ist ja beim Rekordmeister unter Gislason eigentlich immer so.

Die MT macht, was alle gegen den THW vermeiden wollen: Fehler

Schönheit und Vehemenz wechseln sich ab, als hier Kapitän Domagoj Duvnjak den eingelaufenen Niclas Ekberg am Kreis mit einem traumhaft schönen Bodenpass in den freien Raum bedient (9:5/17.), da der junge Nikola Bilyk schon nach einer Viertelstunde vier Tore auf seinem Konto weiß, gestandene Akteure wie Michael Müller und Felix Danner mit seiner leidenschaftlichen Bewegungsart gegen die Hand stehen lässt und eine verdiente Verschnaufpause von seinem Trainer erhält. Früh ist Melsungens Klasse-Coach Michael Roth zum Reagieren gezwungen, bringt Patrik Fahlgren in der Rückraum-Mitte für Nenad Vuckovic. Doch zwischen dem 6:9 (19.) und 6:16 (25.) offenbaren die Nordhessen regelrechte Auflösungserscheinungen, machen das, was alle immer tunlichst vermeiden wollen gegen den THW: Fehler produzieren, Tempospiel des Gegners zulassen, ins offene Gegenstoß-Messer laufen. Alles zerfasert oder prallt in letzter Konsequenz am starken Andreas Wolff im Kieler Tor ab. Und die Zebra-Aggregate? Volllast! „Das war unsere beste Angriffsleistung der Saison“, wird Alfred Gislason später sagen.

Im zweiten Abschnitt betreibt die MT zunächst Ergebniskosmetik. Dener Jaanimaa zeigt eine tolle Vorstellung, die MT-Abwehr antizipiert zusehends besser, Timm Schneider lenkt das Spiel des Gastgebers zufriedenstellender. Außerdem probiert sich der THW auch aus, agiert mit Bilyk auf der Spielmacherposition, um den unermüdlichen Duvnjak zu entlasten, der zunächst im Innenblock, später an der Spitze einer offensiveren Deckung Schwerstarbeit verrichtet. Immer wieder setzt Jaanimaa Akzente, sorgt für Gefahr, der THW verfällt in alte Muster und hat jetzt Lukas Nilsson in der Shooter-Rolle. Enger als beim 20:24 (51.) und 22:26 (56.) aus Sicht der MT wird es bei dieser reibungslosen Kieler Testfahrt nicht mehr. „Wir sind momentan einfach nicht in der Lage, gegen so ein Team wie den THW zu gewinnen“, sagt MT-Coach Roth nach der Partie. „Kiel hat überragend gespielt.“ Sein THW-Kollege Gislason ist nach dem 30:23 zufrieden: „Im Mai haben wir hier noch um Platz drei gespielt – das waren heute Big Points“, sagt der Isländer. Punkte, mit denen die Zebras die Tabellenspitze behaupten.

MT Melsungen – THW Kiel 23:30 (10:18)

MT Melsungen: Sjöstrand (1.-60. Minute/9 Paraden), Villadsen (bei einem 7m/0) – Maric 1, Sellin 6/2, Golla 1, Fahlgren, Danner, P. Müller, Rnic 4/2, Schneider 1, Allendorf 2, Vuckovic, Jaanimaa 7, M. Müller 1.

THW Kiel: Wolff (1.-43. und 52. Minute und bei einem 7m/12 Paraden), Landin (bei zwei 7m und ab 43./7) – Duvnjak 3, Weinhold 2, Wiencek 3, Ekberg 9/4, Zeitz n.e., Dahmke n.e., Brozovic, Vujin 1, Bilyk 5, Nilsson 5, Santos 2.

Schiedsrichter: Blümel/Loppaschewski (Berlin) – Strafminuten: MT keine, THW 2 (Nilsson) – Siebenmeter: MT 7/4 (Wolff pariert Allendorf und Rnic, Landin pariert Sellin), THW 5/4 (Ekberg an die Latte) –  Spielfilm: 2:0, 3:1 (6.), 3:6 (10.), 5:9, 6:16 (25.), 8:18. 10:18 – 11:19, 14:20 (37.), 16:21, 20:24 (51.), 20:26, 22:26 (56.), 23:28, 23:30 – Zuschauer: 4300 in der ausverkauften Rothenbach-Halle in Kassel.

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Ein Artikel von
Tamo Schwarz
Sportredaktion

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THW Kiel
Foto: „Ein guter Typ“: Dener Jaanimaa wechselte in der laufenden Saison vom THW nach Melsungen und hat sich nach Ansicht von Trainer Michael Roth mittlerweile gut eingefunden.

Nur vier Tage nach dem Duell gegen den SC DHfK Leipzig (29:25) bekommt es der THW Kiel in der Handball-Bundesliga mit dem nächsten „gefährlichen“ Gegner zu tun: Am Mittwoch (20.15 Uhr) treten die Zebras in Kassel bei der MT Melsungen an.

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