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Kieler Feuer in der "Hölle Nord"

CL-Auswärtssieg in Flensburg Kieler Feuer in der "Hölle Nord"

Eine Fußball-Weisheit sagt: Lieber fünfmal 1:0 als einmal 5:0. Der THW Kiel hat sich mit einem moralischen Ausnahmeakt nach dem 22:30 am vergangenen Sonntag rehabilitiert und die SG Flensburg-Handewitt in der Handball-Champions-League auswärts in der „Hölle Nord“ mit 26:25 (17:13) in die Knie gezwungen.

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Ein harter Kampf: Steffen Weinhold und sein THW Kiel setzten sich bei der SG Flensburg-Handewitt durch.

Quelle: Sascha Klahn

Flensburg. Die Kieler Bilanz nach drei Nordderbys innerhalb von elf Tagen: 2:1. Derby, die Dritte: Im 91. Nordderby sind die Rollen nach dem jüngsten Desaster irgendwie vertauscht. SG-Coach Ljubomir Vranjes rotiert Thomas Mogensen (Mitte) und Lasse Svan (Rechtsaußen) zurück in den Kader, beginnt mit Johan Jakobsson und Jim Gottfridsson. Dieses Mal geht sein Rezept nicht auf, weil Mogensen nicht ankommt, Jakobsson zur Fehlerquelle Nummer eins avanciert, das Flensburger Spiel eng und zäh und unter Ausschluss der Außen geschieht. Bis zum 4:2 läuft’s noch für die SG, dann ist der THW dran.

Ganz kurz brauchen Patrick Wiencek und Ilija Brozovic, der den verletzten René Toft Hansen im Abwehr-Mittelblock ersetzt, um sich einzugrooven. Ein-, zweimal muss sich Andreas Wolff im Kieler Tor schütteln, ehe die ersten Bälle an seinen Pranken zu Staub zerfallen. Nur weniger Tritte auf den Kieler Kickstarter bedarf es, um im Positionsspiel das vor drei Tagen verloren geglaubte Tempo aufzunehmen. Das Geschwindigkeits-Etikett haftet an diesem Tag Kiels Linkshänder-Spielmacher-Allrounder Steffen Weinhold an, der Fäden eher energisch tanzen lässt denn zieht. Und die erste kleine Wende leitet mit Christian Zeitz genau der 36-jährige Zebra-Routinier ein, der von Beginn an von dem bösen A-Wort aus Richtung der nicht immer ideenreichen Flensburger Fans („Wir hassen den THW“) begleitet wird. Was für Popeye die tägliche Dosis Spinat, sind für Zeitz die Flensburger Schmährufe. Fast scheint es, als sei die Taktik von THW-Coach Alfred Gislason auf den Rückkehrer zugeschnitten, der vor der Pause fünfmal trifft, die Gegner bei seinem „Tanz“ zum 10:8 (19.) wie Schaufensterpuppen erstarren lässt. „17 Gegentore bis zur Pause zu Hause – das ist einfach zu viel“, sagt ein enttäuschter SG-Coach Ljubomir Vranjes nach dem Spiel. Mattias Andersson hält nur einen einzigen Ball, einen Gegenstoß von Zeitz (9.), wird in der 26. Minute ausgewechselt. Der THW liegt zur Halbzeit mit 17:13 vorn.

Gislason wirft die imaginäre Münze

„Das war verdient, unsere Einstellung war besser als im letzten Derby. Wir waren disziplinierter im Angriff“, sagt Gislason später. Später, nach dem Spiel, als sich die Ereignisse mehrfach überschlagen haben. Zeitz schafft es mit Rückenproblemen kaum noch auf die Bank, wenig später muss auch Weinhold (Adduktorenzerrung) passen, fängt sich Brozovic die zweite und dritte Zeitstrafe (49.), dreht die SG nach der Pause (Gislason: „Wir kamen gar nicht richtig aus der Kabine“) zwischen dem 14:18 (32.) und 19:18 (38.) die Partie. Wird das wieder böse enden? Jetzt entwickelt sich ein offener Schlagabtausch, ein feuriges Gegeneinander. Die Führung wechselt, die SG (Vranjes: „Meine Spieler hatten wieder Feuer in den Augen“) testet reihenweise Pfosten, Latte, den eingewechselten Niklas Landin, führt beim 21:20 zum letzten Mal (45.). Dann wirft Gislason eine imaginäre Münze. Ohne Weinhold in der Mitte muss Domagoj Duvnjak auf die Spielmacher-Position rücken. Soll Gislason jetzt Lukas Nilsson oder den gerade erst genesenen Nikola Bilyk auf Halblinks bringen? Der Isländer entscheidet sich für den Österreicher, weil der „heiß“ ist, und muss auch den Altenholzer Backup-Spieler Sebastian „Flamme“ Firnhaber ab der 55. Minuten in den Innenblock stellen. Mehr Feuer geht nicht.

Die schwarz-weiße Flamme des THW lodert an diesem Tag um Nuancen heller. Hier läuft ein Film mit atemberaubenden Schnittfolgen: Wechselfehler Kiel, doppelte Unterzahl (50.), Duvnjak trifft, Bilyk trifft (22:25/52.), Siebenmeter Anders Eggert, wieder Bilyk, Rasmus Lauge scheitert an Landin, Lauge an den Pfosten, Lauge Stürmerfoul, Lauge trifft, Lauge trifft zum 25:26, Auszeit Kiel, noch 44 Sekunden. Geschichte wiederholt sich nicht, anders als im ersten November-Derby behalten coole Zebras in der heißen Hölle die Nerven, spielen die Uhr runter, liegen sich in den Armen. Die letzte Klappe fällt.

Von Tamo Schwarz und Niklas Schomburg

factboxSG Flensburg-Handewitt - THW Kiel 25:26 (13:17)

SG Flensburg-Handewitt: Andersson (1.-26. Minute und bei einem 7m/1 Parade), Møller (ab 26. und bei zwei 7m/8) – Karlsson, Eggert 7/3, Glandorf 1, Mogensen 3, Svan, Wanne n.e., Jakobsson 4, Zachariassen 1, H. Toft Hansen 2, Gottfridsson 3, Lauge 4, Mahé, Radivojevic, Horvat n.e..

THW Kiel: Wolff (1.-37. Minute/10 Paraden), Landin (ab 37./7) – Duvnjak 5, Firnhaber, Sprenger n.e., Weinhold 1, Wiencek 2, Ekberg 5/3, Zeitz 5, Dahmke n.e., Brozovic, Vujin 1, Bilyk 3, Nilsson 1, Santos 3.

Schiedsrichter: Dinu/Din (Rumänien) – Strafminuten: SG 4 (Karlsson, Lauge), THW 12 (3x Brozovic, Weinhold, Zeitz, Firnhaber) – Disqualifikation (3x2): Brozovic (49.) – Siebenmeter: SG 3/3, THW 4/3 (Ekberg scheitert an Møller) – Spielfilm: 1:0, 3:1, 4:2 (4.), 4:6, 5:8 (14.), 8:9, 9:12 (21.), 11:14, 11:16 (27.), 13:17 – 14:18 (32.), 19:18 (38.), 19:20, 21:20 (45.), 22:22, 22:25 (52.), 23:26 (53.), 25:26 – Zuschauer: 6300 in der ausverkauften Flens-Arena.

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THW Kiel
Foto:Wie im ersten Derby? Nikola Bilyk könnte am Mittwoch wieder neben Lukas Nilsson auflaufen.

Ring frei für Runde drei: Der THW Kiel trifft am Mittwoch (18.30 Uhr) erneut auf den Landesrivalen SG Flensburg-Handewitt. Zum Rückspiel in der Champions League müssen die Zebras erstmals reisen und kämpfen mit personellen Problemen.

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