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Handball-Champions-League Selbst eingebrockt

Die Handballer des THW Kiel haben in der Vorrunde der Champions League die dritte Niederlage kassiert. Der deutsche Rekordmeister verlor am Mittwoch beim bislang sieglosen polnischen Vertreter Wisla Plock mit 22:24 (13:12).

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Flug aufs Tor beim Auswärtsspiel in Plock.

Quelle: imago

Plock. Am Anfang ein munteres Spielchen, am Ende eine völlig unnötige Niederlage: Der THW Kiel hat in der Handball-Champions-League mit 22:24 (13:12) bei Orlen Wisla Plock verloren. Zwar verdiente sich der polnische Vizemeister den Sieg, doch er wäre aus Kieler Sicht auch deutlich vermeidbar gewesen.

Dabei hatte die Partie für die Gäste gut begonnen: Eine bewegliche Abwehr vor einem vom Start weg starken Niklas Landin im Tor stellte die Polen vor harte Aufgaben, zwang die „Oilers“ immer wieder ins Zeitspiel, blockte verzweifelte Würfe aus dem Rückraum. Die Zebras, die kurzfristig auf den kranken Ilija Brozovic verzichten mussten, hatten bis auf ein paar sehenswerte Anspiele an den Kreis sogar den Orlen-Mittelmann Dmitry Zhitnikov voll im Griff. Und vorne war Marko Vujin zwei Mal schnell da, besorgte die ersten beiden Führungen für den THW. Doch schon nach fünf Minuten tauchte der rote Faden auf, der sich von nun an durch das Kieler Spiel ziehen sollte: Domagoj Duvnjak und Steffen Weinhold vergaben ihre Chancen, auch der wieder einsatzbereite Rune Dahmke traf aus spitzem Winkel nicht – Plock war sofort wieder da.

Keine Veränderung nach der Pause

Weil aber auch die Polen Fehler machten, wogte das Spiel hin und her. Es entwickelte sich eine flotte Partie, die noch an Tempo gewann, als Plock-Trainer Piotr Przybecki die flinken Marko Tarabochia, Gilberto Duarte und den gelernten Rechtsaußen Michal Daszek in den Rückraum stellte. Die THW-Abwehr aber hielt dagegen, zunächst in der kompakten 6:0 mit René Toft Hansen und Patrick Wiencek im Mittelblock, später auch in der 3:2:1 mit Duvnjak auf der Spitze und Weinhold und Blazenko Lackovic auf Halb. Und doch hatte am meisten die 21. Minute Symbolcharakter, führte den sich teilweise die Haare raufenden Zuschauern vor Augen, warum das Spiel so eng blieb: Beim Stand von 10:10 hatte Plock die Chance auf die Führung, doch Landin knöpfte Tarabochia den Gegenstoß ab – auf der anderen Seite aber konnten Duvnjak und Dahmke den Ball nicht im Tor unterbringen, im Anschluss setzte auch Orlen-Linksaußen Adam Wisniewski seinen Heber auf den Kasten. Jetzt stöhnten nicht nur die Fans, sondern auch die Trainer. Zur Halbzeit führte der THW mit 13:12.

Auch nach der Pause änderte sich der Charakter des Spiels nicht. Doch die Kieler taten sich nun noch schwerer, Lukas Nilsson und Nikola Bilyk fanden frisch eingewechselt überhaupt nicht ins Spiel, und auch Kapitän Duvnjak war bei insgesamt nur drei Treffern aus neun Versuchen ein Stück entfernt von seiner Galaform. So nutzte der THW die sich gleich reihenweise bietenden Chancen, auf drei oder mehr Tore davonzuziehen, nicht, sondern stellte sich mit wenig Druck, Abspielfehlern, falschen Sperren und Stürmerfouls selbst ins Abseits.

"Viel zu viele Fehler"

Stattdessen zog sich Plock ab der 39. Minute am eigenen Schopf aus dem Fehlersumpf, zumindest zeitweise. Angetrieben vom unermüdlich singenden, schreienden, nach vorne treibenden blau-weißen Fanblock, zogen die Polen in Front. Immer lauter wurde die Halle, während Wisla innerhalb von zehn Minuten aus einem 15:17 ein 20:17 machte – und den Sieg damit eigentlich schon in der 50. Minute in der Tasche hatte. „Wir haben auch sehr viele Fehler gemacht“, sagte Plocks Trainer Przybecki nach dem Spiel. „Aber wir haben gekämpft und mit Herz gespielt. Und mit einer tollen Deckung.“

Das Kieler Aufbäumen in den letzten zehn Minuten lief ins Leere, erneut jäh gestoppt durch Unkonzentriertheiten und Fehler, viel zu viele Fehler. „Natürlich sind wir nicht zufrieden mit unserem Spiel“, bilanzierte THW-Coach Alfred Gislason im Anschluss und brachte die Misere in einem Dreiklang auf den Punkt: „Extrem viele Fehler, schlechte Würfe, falsche Entscheidungen.“ 24:22 – „Plock verdient den Sieg, sie waren insgesamt einfach besser als wir“, sagte Gislason. Aber dieses unnötige Rückreisegepäck handelten sich die Zebras selbst ein.

Wisla Plock: Morawski n.e., Corrales Rodal (1.-60. Minute/15 Paraden) – Kwiatkowski, Daszek 3, Duarte 1, Wisniewski 1, Ghionea 3/2, Rocha 2/1, T. Gebala 2, Ivic 6, Tarabochia 2, M. Gebala 2, Pusica, Mihic 2, De Toledo, Zhitnikov.

THW Kiel: Landin (1.-60. Minute/20 Paraden), Wolff (bei einem Siebenmeter/0) – Duvnjak 3, Toft Hansen, Lackovic, Sprenger n.e., Weinhold 2, Wiencek 1, Ekberg 3, Zeitz 1, Dahmke 2, Vujin 6, Bilyk, Nilsson, Santos 4/1.

Schiedsrichter: Nenad Nikolic/Dusan Stojkovic (Serbien) – Strafminuten: Plock 6 (Duarte, 2x Pusica), THW 4 (Lackovic, Vujin) – Siebenmeter: Plock 3/3, THW 1/1 – Spielfilm : 0:1, 1:2 (5.), 4:2 (9.), 4:4, 8:8, 9:10 (20.), 11:11, 12:13 – 13:15, 15:17 (39.), 20:17 (49.), 20:19, 23:20 (56.), 23:22, 24:22 – Zuschauer: 4800 in der ausverkauften Orlen-Arena in Plock.

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