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THW Kiel rutscht auf Rang zehn ab

28:30-Niederlage THW Kiel rutscht auf Rang zehn ab

Ein Spiel wie zwei Welten. Es gibt die ersten zehn Minuten, und die restlichen 50. Am Ende verliert der THW Kiel das „Spitzenspiel“ bei den Rhein-Neckar Löwen mit 28:30 (11:13). Die mit Meisterschaftsambitionen in die Saison gestarteten Zebras haben nun sechs Punkte Rückstand zur Tabellenspitze.

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„Ich bin nicht der beste Handballer“

Kiels Trainer Alfred Gislason gibt Anweisungen.

Quelle: Michael Deines/dpa

Mannheim. Löwen-Spielmacher Andy Schmid zelebriert eine echte Gala an diesem Sonntagnachmittag, der so launig beginnt, mit Comedian Bülent Ceylan als Anheizer und den in der SAP Arena gefeierten Ex-Löwen Uwe Gensheimer und Kim Ekdahl du Rietz, die zur Zebrajagd gern mal vorbeischauen. Doch die Gehetzten sind zehn Minuten lang erst einmal die Löwen, weil die Kieler loslegen wie Großwildjäger, Christian Dissinger und Rune Dahmke in der Deckung gegen den genialen Schweizer Schmid betont robust zupacken und Niklas Landin an alter Wirkungsstätte erst mal ein paar ganz schwere Bälle hält. Kiel liegt mit 4:2 (8.) und 5:4 (12.) vorn. Auch weil Zarabec mit viel Chuzpe auf die 5:1-Formation der Löwen mit Gudjon Valur Sigurdsson an der Spitze reagiert.

„Wir wollten unbedingt gewinnen“

Denn da, wo Alexander Petersson und Hendrik Pekeler hoch stehen, schafft Zarabec’ Dynamik Räume für die eigenen Halben, sind die Badener verwundbar. Wird das hier vielleicht doch noch ein echtes Top-Match? So eines wie die Champions-League-Achtelfinals in der Vorsaison? Nein, weil Kieler Vorsätze zu Staub zerfallen wie bei Rauchern nach Silvester. „Wir wollten unbedingt weniger technische Fehler machen“, sagt Patrick Wiencek. „Wir wollten unbedingt gewinnen“, sagt Rune Dahmke. Aus beidem wird nichts. Der eingewechselte Lukas Nilsson lässt die Partie mit einem Dreiklang aus Fehlpass, Fehlwurf, Fehlpass erstmals zum 5:8 kippen (17.). Landin und Dissinger haben mit Würfen auf das leere Tor Pech und treffen nur das Gebälk. Leer ist es, weil Löwen-Coach Nikolaj Jacobsen auf Dahmkes Manndeckung gegen Schmid mit dem siebten Feldspieler reagiert, alle Bemühungen der Gäste wieder aushebelt. Landin entnervt Patrick Groetzki, entschärft einen Gegenstoß nach dem anderen. Das wirft einen weichgezeichneten Schleier über eine zusehends einseitige Partie.

Moralisch, kämpferisch ist dem THW nichts vorzuwerfen. Keiner steckt auf. Und trotzdem ist beim 24:18 (47.) alles entschieden. An Stelle von Sigurdsson gibt jetzt Groetzki den offensiven Zerstörer. Und vorne beginnt eine Gala von Andy Schmid und dem künftigen Kieler Hendrik Pekeler. Zehn der 17 Löwen-Tore nach der Pause gehen auf ihr Konto. Es ist ein kongeniales Duo aus Schmids Intuition, gepaart mit Dynamik und einem exzeptionellen Schlagwurf sowie Pekelers Stellungsspiel, sein blindes Verständnis mit seinem Spielmacher, das ihn am Kreis immer wieder freispült. Da, wo Kim Ekdahl du Rietz, dieser Überspieler der vergangenen Jahre, fehlt, verschmelzen Schmid und Pekeler zu etwas Neuem, nehmen die Kieler Deckung regelrecht auseinander.

Es reicht nicht zur Spitze

Dass sich der zuletzt so gehemmte Nikola Bilyk mit sechs Toren ab der 29. Minute mit viel Herz und Mut widersetzt, ist schön zu sehen. Dass sich Wiencek und Christian Zeitz irgendwann in der 51. Minute, als das Spiel längst verloren ist, in einer Mischung aus Ratlosigkeit und gegenseitigem Vorwurf verheddern, weniger. Schmids No-Look-Pass auf Pekeler zum 30:24 (57.) stellt den genialen Schlusspunkt dar, danach stellt der deutsche Meister sein Spiel ein, kann der THW Ergebniskosmetik betreiben. Die rund 60 treuen Kieler Fans, die sich am frühen Morgen um 5:54 Uhr in den Zug (oder Bus) Richtung Mannheim gesetzt haben, ziehen traurig von dannen. Spät in der Nacht werden sie in Kiel ankommen – mit dem Gefühl, dass es für ihre Zebras momentan zur Spitze einfach nicht reicht.

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