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„Es ist nicht mehr wie vor zehn Jahren“

SG-Coach Ljubomir Vranjes „Es ist nicht mehr wie vor zehn Jahren“

Es gibt nicht viele Titel, die Ljubomir Vranjes als Spieler und Trainer noch nicht gewonnen hat. Der 43-Jährige war als Spieler Welt- und Europameister, als Trainer DHB-Pokal- und Champions-League-Sieger. Was ihm noch fehlt: der deutsche Meistertitel.

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Ljubomir Vranjes war als Spieler Welt- und Europameister, als Trainer DHB-Pokal- und Champions-League-Sieger.

Quelle: Sascha Klahn (Archiv)

Flensburg. Was noch negativ zu Buche schlägt: die Nordderby-Bilanz gegen den THW Kiel mit nur neun Siegen in 23 Spielen, seit Vranjes im November 2010 das Traineramt bei der SG übernahm.

 

 

 Herr Vranjes, jetzt kommen drei Nordderbys in Folge. Sie könnten Ihre Bilanz aufmöbeln ...

 [lacht] Es ist ja schon das dritte Jahr in Folge mit so vielen Spielen gegen Kiel. In der Vorsaison waren es sechs. Alltag ist es gewiss noch nicht, und Spaß macht es immer, gegen Kiel zu spielen. Kiel ist eben Kiel und wird immer Kiel sein. Aber: Das ganz besondere Gefühl ist weg, es ist nicht mehr wie vor zehn Jahren.

 

 Ein Abnutzungseffekt, den sie bedauern?

 Ja, der Handball macht sich selbst kaputt. Das Fernsehen, die EHF, der DHB, die Handball-Bundesliga bestimmen, und wir sind nur Marionetten. Dreimal in elf Tagen gegen den THW Kiel – der Handball ist leider so. Die Belastung im November ist unglaublich hoch, darum werde ich meine Spieler rotieren lassen wie immer. Aber es gibt einen Unterschied: In der Champions League ist es fast egal, ob ich Zweiter, Dritter oder Vierter in der Gruppe werde. In der Bundesliga werden die spielen, die einen guten Tag haben.

 

 Der THW hat in dieser Woche in Plock verloren. Sie sagen, Ihre Mannschaft habe in Schaffhausen „nicht überragend ausgesehen“ ...

 ... und trotzdem hoffe ich, dass sich beide Mannschaften am Sonntag stark präsentieren. Es ließ sich natürlich nicht verstecken, dass da an diesem Wochenende ein Saison-Highlight auf uns zukommt. Aber immerhin: Alle haben in Schaffhausen gespielt, alle sind im Rhythmus.

 

 Ihr Verhältnis zu den eigenen Fans war zuletzt nicht unbelastet, in einem offenen Brief bei Facebook haben Sie mehr Unterstützung eingefordert. Wie wichtig sind die Flensburger Fans in den Partien gegen den THW?

 Da brauche ich ganz bestimmt keinen Brief zu schreiben. In Schweden sagt man: Das ist wie ein schlafender Bär. Und wenn der THW da ist, wird er wach und steht wieder auf. Das ist für uns sicher ein Vorteil. Aber das ist in Kiel auch ein Vorteil für den THW, und da fangen wir ja jetzt an. Dort weht ein neuer frischer Wind, junge Spieler übernehmen viel Verantwortung, zusammen mit den Routiniers und zwei starken Torhütern. Der THW ist auf dem Weg zu einer Top-Mannschaft in Europa. Die Jungen brauchen noch Zeit.

 

 In der Vorsaison hat die SG Ihrer Meinung nach den besten Handball gespielt, seit Sie in Flensburg Trainer sind. Hält dieses Hoch an?

 Noch nicht ganz, aber wir sind auf dem Weg dorthin. Teilweise spielen wir überragend, besonders in der Bundesliga haben wir unsere Sache schon ganz ordentlich gemacht. Aber die Kontinuität ist noch nicht da. Vielleicht hat das auch mit meinem Coaching zu tun. In der Champions League habe ich vielen Spielern eine Chance geben wollen, habe sie zum Teil lange weiterspielen lassen, auch wenn es nicht optimal lief.

 

 Es scheint, als pflege man in Flensburg ein gewisses Understatement, als würden Ansprüche auf den Meistertitel nur sehr leise geäußert. Dabei ist die SG doch irgendwie mal wieder dran mit der Meisterschaft, auf die sie seit 2004 so sehnlich wartet, oder?

 Moment! Ich sage ganz deutlich: Wir verstecken uns nicht, ich habe ganz sicher den Kader, um Meister zu werden. Und übrigens fahren wir mit 18:0 Punkten nach Kiel. Aber niemand ist einfach nur ,dran’, die Spiele müssen erst gespielt werden, und wir haben vor jedem Gegner und vor der Liga Respekt.

 Wäre die deutsche Meisterschaft der perfekte Abschied aus Flensburg? Der schwedische Verband wollte Sie schon als Coach der Tre Kronor, jetzt sind Sie als Nachfolger von Dagur Sigurdsson als deutscher Bundestrainer im Gespräch.

 Wenn du Trainer der SG bist, ist das wohl so. Aber ich beschäftige mich gar nicht damit, habe noch nicht einmal darüber nachgedacht. Wenn eine offizielle Anfrage kommt, werde ich mich damit beschäftigen, bis dahin ist alles Spekulation. Ich glaube auch nicht, dass ich noch einmal gefragt werde, schließlich habe ich 2014 schon einmal abgesagt.

 

 Interview:

 Tamo Schwarz

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Ein Artikel von
Tamo Schwarz
Sportredaktion

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