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26:24! Mit Macht und Kraft ins Viertelfinale

Sieg bei den Löwen 26:24! Mit Macht und Kraft ins Viertelfinale

Totgesagte leben länger. Dem krisengeschüttelten THW Kiel ist im Achtelfinale der Handball-Champions-League eine kleine Sensation gelungen. Die Zebras siegten bei den Rhein-Neckar Löwen mit 26:24 (12:12) und zogen nach dem 24:25 im Hinspiel ins Viertelfinale ein.

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Nikola Bilyk (THW Kiel) setzt sich gegen Hendrik Pekeler (links) und Alexander Petersson (beide Rhein-Neckar Löwen) durch.

Quelle: Marco Wolf

Mannheim. Dort heißt der nächste Gegner wie in der Vorsaison FC Barcelona. Ablenkungsmanöver? Theaterspiel? Seit einer Woche hatten sich Stellungnahmen über verletzte, nicht einsatzbereite Zebras aneinandergereiht. Am Donnerstagabend in der Mannheimer SAP Arena stehen nun alle massiv gehandicapten Kieler auf dem Feld, hatten sich ihrem Coach Alfred Gislason und der Mannschaft angeboten und nach dem Abschlusstraining grünes Licht von der ärztlichen Abteilung erhalten. Kapitän Domagoj Duvnjak, Steffen Weinhold, René Toft Hansen – alle drei stehen sogar in der Anfangsformation; alle drei laufen zudem auf allen Zylindern, auf Volllast.

Die Stimmung vor diesem deutsch-deutschen Duell in der Königsklasse ist bombastisch. Die Löwen haben ihre Hymne, das Badnerlied. Frisch auf! Und die Kieler? Die haben ihre Muskeln, ihren Willen, ihre Motivation. Das Prädikat „handfest“ ist noch untertrieben für das, was das Team von Alfred Gislason anfangs an den Tag legt. Zweite Minute: Zeitstrafe Toft Hansen. Sechste Minute: Rote Karte Toft Hansen, der Alexander Petersson ungestüm und rabiat zu Boden streckt, später fair eingesteht: „Kann man geben.“ Da waren’s nur noch 15, und zwar zurecht. Hart geht’s weiter: Raul Santos nimmt Patrick Groetzki in den Klammergriff, Patrick Wiencek nimmt weit vor seinem Hoheitsbereich im Innenblock Hendrik Pekeler unsanft in Empfang. Verdichten, vernichten, scheint das Motto zu lauten. Darf man das sagen? Nur so wird es hier und heute funktionieren.

Weinhold, Duvnjak, Nikola Bilyk – Aktivposten. Nur an der Chancenauswertung hapert es mal wieder bei den Zebras. Brozovic frei am Kreis (11.), Siebenmeter Ekberg (13.), Siebenmeter Vujin (24.), Wiencek Heber (30.) – weit drüber, gehalten, gehalten, Latte. Dazu Ballverluste, Unkonzentriertheiten, Technisches. Die Halle tobt bei jeder Entscheidung der mazedonischen Schiedsrichter gegen die Löwen. Die spielen ihre offensive, kompromisslose 6:0-Deckung mit „Zerstörer“ Pekeler ganz vorne. Der THW tut es ihnen gleich. Von wegen 5:1 wie im Hinspiel. Gislason bleibt auch ohne Toft Hansen bei seiner 6:0. Die taktischen Scharmützel aus dem Hinspiel sind Geschichte. Heute wird Handball gespielt – auf die wesentlichen Grundtugenden reduziert.

Das geht auch nach der Pause so weiter. Steffen Weinhold schwärmt später von einer „echt schönen Mannschaftsleistung, bei der jeder seine Aufgabe hatte“. Es mutet sonderbar an, dass ausgerechnet Löwen-Coach Nikolaj Jacobsen die Ideen auszugehen scheinen. Die ehemalige Kieler „Zaubermaus“ wechselt kaum, außer verletzungsbedngt im Tor (Appelgren für Palicka), und so reduziert sich alles auf Macht- und Kraftkämpfe, auf das Schieben und Reißen und klaffende Lücken, auf Drehungen und Kreuzungen und Eins-gegen-Eins. Pekeler hängt förmlich am jungen Nikola Bilyk („Ich bin so stolz“), aber der Österreicher macht doch das Kieler 22:21 (49.), steht in der zweiten Hälfte über weite Strecken neben seinem Youngster-Kollegen Lukas Nilsson auf dem Feld. Kurios, wie die Bälle ins Eck zischen. Winkelgenaue Maßarbeit von Kim Ekdahl du Rietz (6 Tore) bei den Löwen und Nilsson, Bilyk und dem an diesem Tag in entscheidenden Momenten so wertvollen Marko Vujin. Vujins 25:24 (56.) egalisiert das Hinspielresultat, Wiencek trifft zum 26:24 (58.), die Löwen treffen in den letzten sechs Minuten gar nicht mehr. Warum? „Der Grund hatte heute nur einen Namen und stand im Tor“, resümiert Löwen-Regisseur Andy Schmid. „Niklas Landin“. Den letzten Ball drischt Ekdahl du Rietz über die Latte. Der Rest: Kieler Jubel! Viertelfinale!

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Ein Artikel von
Tamo Schwarz
Sportredaktion

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