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Abwehr-Fels in der Brandung

THW Kiel Abwehr-Fels in der Brandung

Das hatte sich René Toft Hansen wahrscheinlich anders vorgestellt. Nach fünfmonatiger Verletzungspause feierte der 32-jährige Däne sein Comeback im Team des Handball-Rekordmeisters THW Kiel. Einer mit dem Charisma des 2,00 Meter großen Abwehrspezialisten ist schnell wieder heimisch im Innenblock.

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Im Abwehr-Mittelblock ist René Toft Hansen (rechts) einer der Besten der Welt.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Doch Toft Hansen schlitterte prompt mit den Zebras in eine Ergebnis-Krise, war sofort zu längeren als nur dosierten Kurzeinsätzen gezwungen, konnte allerdings an den Niederlagen gegen Hannover (29:31) und in Melsungen (25:29) nichts ändern. Zuerst war da ein gutes Gefühl: Der dänische Abwehr-Fels in der Brandung, die den Kielern zusehends entgegenschlägt, sorgte schnell wieder für klare Verhältnisse, erzeugte mit seiner Aura im Verbund mit seinem kongenialen Partner Patrick Wiencek das, was den Zebra-Mittelblock so berüchtigt macht – Erbarmungslosigkeit. Der Qualitätsunterschied zu den letzten Wochen ohne Titan Toft wurde schnell offenbar. „Wenn René fit ist, gibt es auf der Deckungsposition drei im Abwehr-Innenblock kaum einen Besseren auf der Welt“, lauteten die respektvollen Begrüßungsworte von THW-Trainer Alfred Gislason nach der Rückkehr seines Schützlings in den Deckungsblock.

„Wenn René fit ist“ – war er bloß in der Vergangenheit viel zu selten. Im Dezember 2015 setzte ein Kreuzbandriss den Titel- und Medaillenhamster außer Gefecht. Beispiellos kämpfte er sich bis zu den Olympischen Spielen in Rio 2016 zurück, krönte sein Comeback mit Gold und war danach für Außenstehende nicht mehr derselbe. Das Kapitänsamt reichte er nach der Saison an Domagoj Duvnjak weiter, wirkte seither oft müde, ausgelaugt. Im November 2016 kam die nächste Zwangspause durch einen Haarriss im Schienbeinkopf und eine Kreuzbandzerrung. Die Weltmeisterschaft im Januar 2017 geriet zum (sportlichen) Fiasko. Dänemark schied im Achtelfinale aus. Toft Hansen musste später ab April aufgrund einer Schambeinentzündung (THW-Mannschaftsarzt Dr. Frank Pries: „Auch ein Resultat fehlender Schonung“) wieder pausieren.

„Jetzt fühle ich mich gut. Während der Verletzung war ich schon sehr frustriert. Beim Kreuzbandriss wusste ich genau, dass ich sechs bis neun Monate ausfallen würde. Jetzt konnte mir das keiner so genau sagen. Erst vor drei Wochen war ich dann endlich schmerzfrei.“ Wer René Toft Hansen kennt, weiß, wie sehr Ehefrau Kathrine und die kleine Julie (3) den Frust in den vergangenen Monaten zu lindern vermochten. Schmerzfrei und glücklich will der dänische Nationalspieler nun in die Zukunft blicken. In Kiel? „Meine Zukunft ab Sommer 2018 war bei mir zuletzt noch nicht im Fokus. Ich will erst richtig fit sein. Meine Familie und ich fühlen uns sehr wohl in Kiel. Der THW ist ein Top-Verein. Aber ich hatte auch viele Verletzungen in den vergangenen Jahren. Ich muss sehen, ob ich es schaffe, bin aber entspannt.“ Im kommenden Sommer wird Nationalspieler Hendrik Pekeler am Kreis den THW verstärken. Die Verträge von Toft Hansen und Christian Zeitz laufen aus. Zu beiden Personalien wollten sich die THW-Verantwortlichen bislang nicht äußern.

Bei den Zebras herrscht Handlungsbedarf in der Deckung, doch Storm erteilt einem weiteren Transfer eine Absage: „Die wirtschaftlichen Möglichkeiten für einen weiteren Spieler sind momentan erschöpft, auch wenn wir wissen, dass eigentlich einer fehlt.“ Also wird es auch auf den dänischen Abwehr-Fels René Toft Hansen ankommen, der endlich zurück ist in der Kieler Brandung.

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Ein Artikel von
Tamo Schwarz
Sportredaktion

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