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Zwischen Plock-Pleite und Derby-Fieber

THW Kiel Zwischen Plock-Pleite und Derby-Fieber

Noch lange nach dem Abpfiff saßen Niclas Ekberg, Steffen Weinhold, Raul Santos und Niklas Landin in einem kleinen Kreis auf dem blauen Hallenboden von Plock. Beim Dehnen analysierten sie bereits die vergangenen 60 Minuten, nach denen der THW Kiel als 22:24-Verlierer von der Platte gegangen war.

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Reihenweise scheiterten die Kieler an Plock-Keeper Rodrigo Corrales, auch Raul Santos (li.). Michal Daszek (Mitte) reicht das Zusehen.

Quelle: imago sportfotodienst

Plock. Zwischendurch immer wieder ein Kopfschütteln, ahnungslose Blicke, Stirnrunzeln. Bis auch diese vier Kieler vom Feld schlichen, um sich noch am Abend auf den Weg nach Warschau zu machen, von wo aus der Zebratross am Donnerstagmorgen gen Heimat flog.

 „Wir haben zu viele einfache Fehler gemacht und sehr schlecht geworfen“, sagte Rechtsaußen Ekberg. „Und dann ist es in der Champions League natürlich sehr, sehr schwer“, fügte der Schwede niedergeschlagen hinzu. Die Zebras trauerten ihren vergebenen Chancen nach. Wären sie beim Stand von 15:13 (33.) oder 17:15 (39.) auf drei Tore davongezogen, hätten sie wohl die zwei Punkte aus Polen mitgenommen. Hätten Domagoj Duvnjak, Steffen Weinhold und Co. ihre Chancen besser genutzt, wären sie nicht als Verlierer vom Feld gegangen. Hätte, wenn und aber: „Die erste Halbzeit war gut, und dann kam wieder ein typisches ,Spiel nach der Pause’, wie in Wetzlar“, sagte THW-Coach Alfred Gislason. „Wir scheitern ständig frei am Torhüter, machen eine Menge technische Fehler – ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so viele Fehler in einem Spiel gesehen habe“, meinte der Isländer. „Die Enttäuschung war dann natürlich groß.“

 Euphorisch feierte auf der anderen Seite der polnische Vizemeister den ersten Sieg in der diesjährigen Gruppenphase der Champions League. „Wir wollten diesen Sieg unbedingt, wir brauchten ihn auch mehr als Kiel“, sagte Maciej Gebala, von 2013 bis 2016 im Trikot des SC Magdeburg. „Platz sechs ist unser Ziel, dafür waren die zwei Punkte extrem wichtig.“ Zwei Punkte, die Plock in der Abwehr gewann, die den THW mit seinen Weltklasse-Rückraumspielern bei nur 22 Toren hielt. „Wir waren schlecht im Angriff, der Trainer hat gesagt, wir müssen das in der Abwehr gewinnen“, erklärt Gebala. „In der zweiten Halbzeit haben wir dann sehr gut gedeckt, und Kiel konnte keine leichten Tore mehr aus der zweiten Reihe machen.“ Das ist die eine Seite der Medaille.

 Die andere ist die fehlende Durchschlagskraft im Kieler Angriff. In vielen Spielen erzielten die Zebras zu wenig Tore, vor allem auswärts. Meist auch gar nicht nötig, denn die Abwehr und das Torhütergespann funktionieren einwandfrei, sicherten so unter anderem die Siege in Berlin und Magdeburg, konnten aber die Niederlagen in Veszprem, Barcelona und Wetzlar nicht verhindern. Und auch in Plock war die Abwehr gut, Niklas Landin im Tor sehr gut – doch aufgrund der schwachen Angriffsleistung und der unglaublich vielen Fehler reichte es auch hier nicht. Der 5:0-Lauf von Wisla zwischen der 39. und 49. Minute brach dem THW das Genick, auch weil die Arena spätestens dann voll da war. „Von den letzten elf Spielen waren neun auswärts, dazu noch die Nationalmannschaft – das geht nicht spurlos an den Spielern vorbei“, so Gislason. Vielleicht fehlt auch deshalb die nötige Konzentration vor dem Tor.

 Am Sonntag kommt die SG Flensburg-Handewitt in die Kieler Sparkassen-Arena, das Heimspiel in der Bundesliga ist vielleicht das wichtigste Derby der Saison. Schwächen wie in Plock wird die SG den Zebras kaum verzeihen. „Wir müssen da jetzt gegensteuern, lockerer werden und trainieren“, sagte Gislason. „Es ist jetzt unsere Aufgabe, alles aus den Köpfen herauszubekommen.“ Immerhin hat der THW noch heute und morgen Zeit für einige Übungseinheiten, auch das ist in dieser Saisonphase nicht immer garantiert. Umso ärgerlicher, wenn dann externe Einflüsse die Planungen zunichte machen: Auf dem Weg nach Plock saß das Team in Hamburg mehr als zwei Stunden im Flieger am Boden, der Grund waren Probleme bei der Vereisung und unterbesetztes Flughafenpersonal. Immerhin: Auf dem Rückweg klappte alles, gestern Mittag waren die Zebras wieder in Kiel. Und begannen sofort mit der Vorbereitung auf das erste von drei Derbys innerhalb von zehn Tagen – die „Flensburger Wochen“ beginnen.

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Ein Artikel von
Niklas Schomburg
Sportredaktion

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