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Der Hammer, der geht so ...

Handball-Bundesliga Der Hammer, der geht so ...

Ein Spiel wie eine Therapiesitzung: zunächst holprig, dann aufbrausend, insgesamt befreiend. Der THW Kiel bezwingt am Sonntagnachmittag in der Handball-Bundesliga die HSG Wetzlar mit 34:25 (17:13).

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Bei Marko Vujin läuft es noch nicht rund

Nikola Bilyk beim Spiel gegen Wetzlar in der Sparkassen-Arena Kiel.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Christian Zeitz spielt groß auf, der Rest der Mannschaft ist – wie man so schön sagt – on fire. Es ist kein gewöhnliches Spiel, es ist ein Befreiungsschlag, und ein bisschen auch eine Zäsur in der aktuellen Spielzeit. Denn Alfred Gislason sorgt für klare Verhältnisse, platziert – anders als für gewöhnlich – keine Spieler „auf Abruf“ hinter der Bank, sondern geht klipp und klar mit 14 Akteuren ins Spiel. Steffen Weinhold fehlt verletzt, Christian Sprenger und Ilija Brozovic stehen darüber hinaus nicht im Kader. „In den letzten Spielen waren wir unser eigener Feind. Lief es nicht, brach die Stimmung zusammen“, sagt Alfred Gislason. Aufgeräumt, klar, transparent. Kein Raum mehr für Zaudern.

Nach einer Schweigeminute für THW-Urgestein Georg „Nucki“ Wegner geht alles ganz schnell. Die Zebras geraten mit 1:5 in Rückstand (8.), und ebenso schnell wechselt Alfred Gislason zum ersten Mal sein Personal aus. Christian Dissinger (Gislason: „Er wollte zu viel“) und Marko Vujin müssen den Rückraum wieder verlassen, Nikola Bilyk und Christian Zeitz beginnen sodann ihren Arbeitstag. Und wie! Sieben Minuten später trifft Zeitz zur ersten Führung (7:6/15.) und dann im Drei-Minuten-Takt weiter und weiter. „Der Hammer, der geht so! Der Hammer, der geht so!“ wird zum Soundtrack des Abends. Patrick Wiencek dirigiert die Deckung und am meisten sich selbst mit einem immensen Radius. Dieser Enthusiasmus steckt an. Das Publikum auf den Rängen und die Zebras sowieso. Andreas Wolff gerät gegen seine alten Kollegen irgendwann so richtig in Fahrt, muss sich von seinem Freund Jannik Kohlbacher ein paar Mal empfindlich brüskieren lassen, aber sitzt am Ende am längeren Hebel: Parade gegen Philipp Weber, Parade gegen Kristian Bjørnsen (beide 20.), Kapitän Domagoj Duvnjak und Zeitz reißen bis zum 14:11 (24.) alles an sich, Duvnjak muss auch noch an der Spitze der 3:2:1-Deckung ran. Aber nicht mehr lange.

Nicht mehr lange, weil ein 5:0-Run nach der Pause (Duvnjak, Zeitz, Wiencek, Bilyk, der ewig coole Niclas Ekberg) zum 22:13 (37.) die Punkte schon mundgerecht verpackt. Gislason rotiert weiter, bringt Blazenko Lackovic (schon vor der Pause), Lukas Nilsson. Irgendwann sind diese beiden starken Typen Stefan Kneer und Evars Klesniks (später Anton Lindskog) im HSG-Innenblock gebrochen von einerseits beweglichen und anderseits blitzschnell umschaltenden, kompromisslos auf die Deckung gehenden Kielern, kann Gislason seinerseits die Deckung wieder auf eine 6:0 zurückziehen, Spielmacher Duvnjak entlasten. Bilyk übernimmt das Zepter in der Rückraum-Mitte, dann kommt Dissinger auf eben dieser Position noch einmal wieder, macht seine Sache jetzt richtig gut. Mit 103 Kilometern pro Stunde donnert die Lederkugel zum 25:16 ins Wetzlarer Netz (41.), und aus den Lautsprechern dröhnt „So geht der Hammer, und der Hammer, der geht so ...“ Zeitz glänzt vorne, Zeitz glänzt hinten, verdichtet die Schnittstellen mit einem ebenfalls starken René Toft Hansen. Kein Durchkommen auf dieser Seite, und nach der Partie scherzt der 36-Jährige: „Wie ich mich fühle? Der Trainer sagt, ich sei alt, also fühle ich mich alt.“

Doch Zeitz spielt an diesem Tag: jung, ansteckend, aufbrausend. Und Gislason hofft, dass sich „die Mannschaft in den nächsten Wochen noch steigern“ kann. Am Ende kann sich Raul Santos noch zweimal in die Torschützenliste eintragen. Auch so ein Spieler, bei dem er an diesem Tag womöglich geplatzt ist, der Knoten.

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Ein Artikel von
Tamo Schwarz
Sportredaktion

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