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Ein hartes Stück Arbeit

THW Kiel gewinnt 27:26 gegen Hannover-Burgdorf Ein hartes Stück Arbeit

Der THW Kiel bleibt in der Handball-Bundesliga auf Kurs. Aber wie? Nervenflattern am Mittwochabend in der Sparkassen-Arena: Im sechsten Oktober-Pflichtspiel lösten die Zebras die ihnen von der TSV Hannover-Burgdorf gestellte Aufgabe mit 27:26 (13:11).

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Lukas Nilsson (Mitte) setzt sich gegen Joakim Hykkerud (re.) und Lars Lehnhoff (li.) durch.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Der Alltag hält manchmal Tristesse bereit, und so entwickelt sich nach überstandenem Kraftaufwand von fünf Auswärtsspielen in Folge und einer 8500 Kilometer langen Europa-Rundreise eine dieser „Ein Zebra springt nur so hoch, wie es muss“-Partien. Eine, die von der ersten Spielminute an Licht und Schatten aufweist. Das Licht der Kieler Symbiose aus Jugend (Lukas Nilssons unberechenbare Würfe) und Erfahrung (das sehenswerte Spiel von Steffen Weinhold) auf der einen, der Schatten von unkonzentrierten Phasen auf der anderen Seite. Hannover ist vom Verletzungspech gebeutelt, ohne einen etatmäßigen Mittelmann angereist. Die Aufgabe teilen sich Mait Patrail und kurzzeitig Fabian Böhm. Viel Verantwortung lastet auch auf Europameister Kai Häfner auf Halbrechts, der unter der Last ächzt und im ersten Abschnitt mit drei Fehlversuchen und einem Ballverlust unterzugehen droht. 

Aber die TSV spielt, das sagt nach dem Abpfiff auch THW-Trainer Alfred Gislason, „schlau“. Schlau und geduldig in verschiedenen Deckungsformationen, hinter denen besonders Keeper Martin Ziemer einen bärenstarken Tag hat. „Und wir verschießen von Außen oder Gegenstöße, dass es für mehrere Spiele gereicht hätte“, sagt Gislason. Das sieht dann nach der Pause so aus, dass Raul Santos unbedrängt bei einem Gegenstoß übertritt (37.), Niclas Ekberg frei an Ziemer scheitert (38.), Santos Ziemer nicht überwinden kann (43.) und Burgdorf plötzlich zum 18:18 ausgleicht. Wer hätte das gedacht? Ratlose, entsetzte Gesichter in der Sparkassen-Arena sagen: niemand. Jetzt wird es eine hitzige Begegnung. Ziemer muss nach einem Kopftreffer von Weinhold behandelt werden (44.), wehrt sich lautstark dagegen, aufgrund der Behandlungspause das Feld zu verlassen (was ein Torhüter nach neuem Regelwerk nicht müsste), kassiert eine Zeitstrafe. Es wird laut, und kurzerhand ist aus dieser Mittwochabend-Tristesse ein packender Handballabend geworden.

Auf einmal sind andere die Protagonisten dieses Fights. Beim THW ein starker Marko Vujin, der befreiter als zuletzt aufspielt, dreimal beim Siebenmeter die Nerven behält, mit sechs Toren zum besten Schützen avanciert. Oder Kai Häfner auf der anderen Seite, der nach dem Wiederanpfiff noch fünfmal trifft, seine Mannschaft spätestens mit dem 25:26 der TSV-Recken (55.) im Spiel hält, ehe Böhm sogar der erneute Ausgleich – es ist erst der dritte im Spiel überhaupt – zum 26:26 gelingt (57.). Jetzt ist alles möglich: Zum Beispiel, dass Marko Vujin durch einen Wurf über das gegnerische Tor zum tragischen Helden wird (58.), oder der gerade erst wieder eingewechselte Andreas Wolff zum Matchwinner, der mit einer fantastischen Parade gegen Torge Johannsen Schlimmeres verhindert (59.). Aber noch immer ist dieser unerwartete Kampf um jeden Millimeter nicht beendet. 20 Sekunden vor dem Schlusspfiff erzielt Kapitän Domagoj Duvnjak das 27:26, Hannovers Coach Jens Bürkle nimmt noch einmal eine Auszeit und wird später über die folgenden 20 Sekunden sagen: „Am Ende hatten wir auch Pech bei einigen Entscheidungen. Über die letzte Situation kann man diskutieren. Schade, was da passiert ist.“ Was Bürkle meint, ist ein hartes, wenn auch in dieser Gemengelage taktisch cleveres Foul von Nationalspieler Steffen Weinhold, der Patrail umreißt und so am letzten Wurf hindert. Die Schiedsrichter pfeifen weder ein vorausgegangenes Stürmerfoul der TSV, noch entscheiden sie regelkonform auf Siebenmeter. Es gibt einen letzten Freiwurf von Runar Karason, der verpufft. 

„Wir sind mit wenig Hoffnung angereist und haben dann gemerkt, dass hier was drin ist“, sagt TSV-Geschäftsführer Benjamin Chatton. Und Alfred Gislason weiß: „Wir können heute von Glück reden, dass wir die zwei Punkte geholt haben.“

THW Kiel: Wolff (1.-40. und ab 57. Minute/11 Paraden), Landin (40.-47./2) – Duvnjak 2, Toft Hansen 1, Lackovic n.e., Weinhold 5, Wiencek 3, Ekberg 3, Zeitz, Brozovic n.e., Vujin 6/3, Bilyk 1, Nilsson 4, Santos 2.

TSV Hannover-Burgdorf: Ziemer (1.-44. und ab 48. Minute/14 Paraden), Semisch (44.-48./1) – Johannsen 2, Patrail 3, Kisum n.e., Hykkerud 1, Lehnhoff 4, Häfner 5, Böhm 5, Karason 3/1, Schmidt 1, Hinz 1, Kalafut n.e., Kastening 1.

Schiedsrichter: Immel/Klein (Tönisvorst/Ratingen) – Strafminuten: THW 6 (Toft Hansen, 2x Weinhold), TSV 14 (2x Hykkerud, Johannsen, 2x Böhm, Schmidt, Ziemer) –  Siebenmeter: THW 3/3, TSV 3/1 (Landin pariert Lehnhoff, Johannsen vorbei) – Spielfilm: 0:1, 2:1, 4:2 (8.), 5:4, 8:5 (17.), 11:7, 11:9 (23.), 13:11 – 15:11, 16:13 (36.), 17:15, 18:18 (42.), 20:18, 23:21 (49.), 25:22, 26:23, 26:26 (57.), 27:26 – Zuschauer: 10285 in der Sparkassen-Arena.

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