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Gislason: "Ein extrem wichtiger Moment"

Interview Gislason: "Ein extrem wichtiger Moment"

Das 13. Pokalfinale des THW Kiel, der zehnte Triumph des Rekord-Pokalsiegers und zugleich der 13. große Titel (2x Champions League, 6x Meisterschaft, 5x Pokal) für Trainer Alfred Gislason mit den Zebras. Ein ganz besonderer. Oder, Alfred Gislason?

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HBL-Präsident Uwe Schwenker (re.) überreicht THW-Trainer Alfred Gislason bei der Siegerehrung die Goldmedaille für den DHB-Pokalsieg.

Quelle: Sascha Klahn

Kiel/Hamburg. Herr Gislason, Schönheit im Handball ist schwer messbar. Aber Ihre Mannschaft hat lange nicht so schönen Handball gespielt wie in der ersten Halbzeit des Pokalendspiels...

Alfred Gislason: ...und ganz ehrlich: Eigentlich ist genau das unser Plan. Aber das geht so richtig erst, wenn eine Mannschaft perfekt eingespielt ist. Dann läuft der Ball. Das braucht Zeit.


Ich habe Sie selten so gelöst, so strahlend gesehen wie nach dem Schlusspfiff, als Sie in die Kieler Fankurve liefen. Wie viel Erleichterung, wie viel Genugtuung steckte in diesem Jubel?

Nicht alle verstehen, was wir hier machen. Und nicht alle haben Verständnis für unsere Probleme. Wir haben viel investiert, das Team komplett verjüngt. Aber die Ansprüche in diesem Verein bleiben ja bestehen, weiter Titel gewinnen zu wollen. Ich weiß genau, was wir machen, bin bei unserer Linie geblieben und sehe ein Riesenpotenzial in dieser Mannschaft. Die Erleichterung ist schon sehr groß, das gebe ich zu. Aber vor allem empfinde ich Riesenfreude. Am Sonnabend nach dem Halbfinale wurde ich von unzähligen Journalisten gefragt: ,Was würde bei einer zweiten titellosen Saison in Folge passieren?’, ,Würde der Pokalsieg die Saison retten?’ – jetzt haben wir den Titel, aber auch ohne ihn wäre nichts kaputt gewesen.


Dennoch: Ist dieser Titel ein ganz besonderer?

Ja, das glaube ich schon. Ein extrem wichtiger Moment. Einige gewinnen ihren ersten Titel. Großartig für die Jungs und für den Verein. Für die Mannschaft ist dieser Titel ein gewisser Meilenstein. Sie weiß jetzt, dass sie solche Spiele gewinnen kann, hat Selbstvertrauen gewonnen. Das bestätigt mich, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Dieser Titel kann die Grundlage für Großes sein. Und er bedeutet mir persönlich sehr, sehr viel.


Könnte er auch Schub für das Saisonfinale sein?

Es müsste ein mittleres Wunder passieren, damit wir noch in die Meisterschaft eingreifen können. Die SG Flensburg-Handewitt ist schwer einzuholen. Aber wir werden bis zum Saisonende um jeden Punkt kämpfen. Ob es einen Schub geben wird, ist schwer zu sagen. Gegen Barcelona im Champions-League-Viertelfinale müssen wir hundertprozentig ohne Domagoj Duvnjak auskommen, ...

... der in dieser Woche am Knie operiert werden soll, danach sechs bis neun Monate ausfallen wird und von der Europameisterschaft im Januar 2018 in seiner Heimat Kroatien träumt.

Wir dürfen ihn nicht weiter quälen, jetzt lassen wir ihn in Ruhe. Er wollte unbedingt spielen. Wir hätten nicht zugelassen, dass er seine Gesundheit riskiert. Aber die Ärzte haben ihm gesagt, dass er sich nicht gefährdet und „nur“ die Schmerzen aushalten muss, dann würde es gehen. Er hat bis zum Final Four so gut wie gar nicht trainiert, war nur mit Behandlungen beschäftigt. Er hat uns diesen Titel ermöglicht. Jetzt hoffe ich, dass Steffen Weinhold gesund bleibt, dass Christian Zeitz irgendwann wieder da ist für die Abwehr, und mit Nikola Bilyk haben wir einen guten Vertreter in der Rückraum-Mitte. Und wir haben jetzt mit Rune Dahmke auch noch eine etwas ungewöhnliche Option auf der Spielmacher-Position.


Sie haben Dahmke im Finale den Vorzug vor Duvnjak und Bilyk auf dieser Position gegeben. Warum?

Wir haben in der Woche mit ihm auf der Mitte trainiert, ich wollte etwas Neues reinbringen. Er hat auf der Position in der Jugend viel gespielt, ist technisch sehr gut, hat Duvnjak sehr gut in Position gebracht. Mit ihm war mehr Tempo, mehr Druck in unserem Spiel. Das war eine unglaublich starke Leistung. Wir haben zuletzt viel Kritik für unsere Linksaußen bekommen. Beim Final Four waren beide fast ohne Fehler. Ich habe mich richtig für Rune gefreut. Vielleicht kam damals die Nominierung für die Nationalmannschaft zu früh für ihn, das ist oft so bei jungen Spielern. Danach hat ihn das „Müssen“ unter Druck gesetzt.


Andere Spieler kamen am Wochenende gar nicht zum Einsatz. Trotzdem war der Teamspirit beeindruckend.

Ich spreche in der Kabine an, wer erst einmal nur hinter der Bank bleibt. Aber die Spieler merken es auch so. Ein Blazenko Lackovic weiß, dass ich auf die Jungen setze, und er unterstützt sie vorbildlich. Stimmung und Einstellung waren überragend, alle haben sich voll reingehängt, vom Weltklasse-Kapitän Duvnjak über den starken Niklas Landin im Tor, Steffen Weinhold, Patrick Wiencek bis zu jedem Spieler auf der Bank.


Ihre Medaille bekamen Sie von HBL-Präsident Uwe Schwenker (ehemaliger THW-Manager, d. Red.) überreicht.

Uwe und ich haben noch guten Kontakt. Ein schöner Moment.


Ist die Kritik der vergangenen Monate wirklich an Ihnen abgeprallt?

Es geht uns doch allen so, dass wir lieber etwas Positives als Negatives lesen oder hören. Aber ich lese wirklich nichts im Internet, bin nicht auf Facebook, war in meiner Zeit in Kiel seit 2008 insgesamt sogar weniger als zehnmal auf unserer Vereinshomepage. Ich bekomme viel von der Kritik also gar nicht mit. Aber die Pfiffe nach unserer Heimniederlage gegen Silkeborg, als einige auf den Rängen auch meine Ablösung gefordert haben, habe ich schon bemerkt.


Interview:

Tamo Schwarz

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Ein Artikel von
Tamo Schwarz
Sportredaktion

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