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Deutschland verliert das Auftaktspiel

Handball-EM in Polen Deutschland verliert das Auftaktspiel

Großer Kampf, aber keine Belohnung: Die deutschen Handballer haben am Sonnabend in Breslau bei der EM in Polen ihr Auftaktspiel gegen den Gruppenfavoriten Spanien mit 29:32 (15:18) verloren. Bester Werfer war Christian Dissinger mit sechs Treffern.

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Zum Auftakt der EHF EURO 2016 trifft die deutsche Handball-Nationalmannschaft (weiß) auf Spanien (rot). Rune Dahmke steigt vor Jorge Maqueda (links) und Gedeon Guardiola zum Sprungwurf in die Luft. Rechts Henrik Pekeler.

Quelle: Sascha Klahn

Breslau. Vor rund 6000 Zuschauern kostete eine siebenminütige Schwächephase zwischen dem 10:10 (16.) und dem 11:18 (23.) die junge deutsche Mannschaft einen möglichen Punktgewinn gegen den zweimaligen Weltmeister. Beste deutsche Torschützen waren Christian Dissinger mit sechs und Tobias Reichmann mit fünf Treffern. Nach einem spielfreien Tag ist am Montag (20.30 Uhr/ARD) Schweden der nächste Gegner. Mit einem Sieg hätte die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) gute Chancen auf das Erreichen der Hauptrunde.

"Ich bin enttäuscht, aber stolz auf die Mannschaft. In der ersten Halbzeit haben wir in einer schlechten Phase zu viele leichte Fehler gemacht. Die haben uns sehr wehgetan. Mit ein bisschen mehr Glück hätten wir mehr Lohn einfahren können", sagte Bundestrainer Dagur Sigurdsson und beschwerte sich über die Schiedsrichter: „Ob die Schiedsrichter das Spiel beeinflusst haben? Ich sage es mal so: Wir müssen uns unseren Respekt noch erarbeiten."

Auch der wegen Wadenproblemen und einer Reizung der Achillessehne ausgefallene Kapitän Uwe Gensheimer lobte seine Teamkollegen. „Man hat gespürt, dass wir nah dran waren. Wir können mit dem Auftreten zufrieden sein. Wir müssen nur die kleinen Fehler abstellen, dann können wir viel erreichen“, sagte Gensheimer, der bei der EM wie Patrick Groetzki (Wadenbeinbruch) zum Zuschauen verurteilt ist. Beide hatten vor dem Spiel den Teamkollegen mit Botschaften über die sozialen Netzwerke noch Mut gemacht. Angesichts der Statistik waren die Aufmunterungen auch nötig. Von 20 Spielen bei Olympischen Spielen, WM, EM und Qualifikationen dafür seit 1992 hatte die DHB-Auswahl lediglich vier gewonnen. Auch die Gesamtbilanz las sich mit 24 Siegen in 60 Spielen kaum besser.

In den ersten 15 Minuten sah auch Gensheimer, dass die deutsche Mannschaft alle Statistiken Lügen strafen wollte. Vom 1:0 (1.) lag das DHB-Team bis zum 6:4 (6.) vorn. Die Spanier nahmen eine Auszeit und drehten die Partie. Die deutsche Mannschaft aber war vom 6:7 (9.) unbeeindruckt und übernahm mit 9:7 (12.) wieder die Führung. Rune Dahmke, Kieler National-Linksaußen sagte dazu: "Zehn Minuten lang in der ersten Halbzeit haben wir einfach zu viele Fehler gemacht, zu riskante Pässe an den Kreis gespielt. Wir wollten eng stehen, das ist uns über weite Strecken gelungen."

Hier sehen Sie Bilder vom Spiel Spanien gegen Deutschland.

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Danach riss der Spielfaden, im Angriff gingen die Bälle reihenweise verloren. Es fehlte an Präzision beim Torwurf und bei den Abspielen. Ein ums andere Mal wurde das mit knapp 25 Jahren mit Abstand jüngste Team ausgekontert. Obendrein bekamen die Torhüter Carsten Lichtlein und zunächst auch der für ihn eingewechselte Andreas Wolff im Gegensatz zu Spaniens Arpad Sterbik keinen Ball zu fassen. Nach 24 Minuten lief die DHB-Auswahl einem hoffnungslos scheinenden 11:18 hinterher.

Danach nahmen die deutschen Spieler ihr Kämpferherz in die Hände. Kurz vor der Pause überschlugen sich die Ereignisse: Erst verkürzte der WM-Siebte auf 15:18 (30.), dann kassierten die Spanier binnen weniger Sekunden zwei Zeitstrafen, und zusätzlich sah Jorge Maqueda Rot wegen grober Unsportlichkeit. Der Rückraumspieler warf dem deutschen Kapitän Weinhold einen Freiwurf aus Nahdistanz direkt ins Gesicht. Steffen Weinhold, Nationalmannschaftskapitän, kommentierte das wie folgt: "Unseren Kampfgeist müssen wir jetzt in die nächsten Spiele mitnehmen. Wir haben die Spanier leider zu Gegenstößen eingeladen. Die Summe unserer technischen Fehler war der Hauptgrund für die Niederlage."

Allerdings konnte das DHB-Team die Überzahl zu Beginn der zweiten Halbzeit nicht nutzen. Die routinierten Spanier wehrten auch dank Sterbik immer wieder die deutschen Bemühungen ab, wenigstens noch ein Unentscheiden zu erreichen und einen Punkt zu gewinnen. " Nicht die bessere, sondern die erfahrenere Mannschaft hat gewonnen. Frustrierend, dass wir das Spiel nicht noch drehen konnten", sagte Hendrik Pekeler, Kreisläufer, nach Abpfiff. Auch Christian Dissinger, Kieler Rückraumspieler und bester Torschütze, ärgerte sich über die Niederlage: "Wir haben zu viele dumme Fehler gemacht. Auf dieser Leistung können wir aufbauen und müssen jetzt zeigen, wie gut wir wirklich sind. Wir waren über weite Strecken auf Augenhöhe. Aber eine schlechte Phase wie in der ersten Halbzeit dürfen wir uns auf diesem Niveau nicht erlauben. Es war heute trotzdem etwas Besonderes, bei einer so großen Meisterschaft für das eigene Land zu spielen."

Die Spanier freuen sich indes über den Sieg. Joan Canellas, spanischer Rückraumspieler vom THW Kiel, sagte den Kieler Nachrichten:  " Wir sind froh über den Sieg, denn wir hatten Probleme in der Abwehr. Ich selber habe Rückenprobleme, bin aber glücklich, dass ich der Mannschaft helfen konnte."

Spanien — Deutschland 32:29 (18:15)

  • Spanien: Sterbik (1.-60. Minute/13 Paraden), Perez de Vargas (bei einem 7m/0) – Gurbindo 2, Maqueda 3, Tomas 6, Entrerrios 1, Aguinagalde 1, Ugalde 1, Canellas 3, Morros de Argila 1, Garcia 1, Rivera 7/3, Guardiola 3, Mindegia, Del Arco 3, Dujshebaev.
  • Deutschland: Lichtlein (1.-17. Minute und bei einem 7m/3 Paraden), Wolff (17.-60./11) – Sellin, Lemke 1, Reichmann 5/3, Wiede 1, Pekeler 2, Weinhold 3, Strobel, Schmidt 4, Fäth 4, Dahmke 1, Ernst n.e., Pieczkowski 2, Dissinger 6, Kohlbacher.
  • Schiedsrichter: Pichon/Reveret (Frankreich)
  • Strafminuten: ESP 12 (2x Gurbindo, 2xEntrerrios, Maqueda, Tomas), GER 14 (Schmidt, 2x Pekeler, Lemke, Reichmann, Weinhold, Pieczkowski)
  • Disqualifikation: Maqueda (30., unsportliches Verhalten)
  • Siebenmeter: ESP 5/3 (Lichtlein pariert Rivera und Dujshebaev), GER 3/3
  • Spielfilm: 0:1, 2:2, 2:4, 3:5 (5.), 7:6, 7:9 (12.), 10:9 (15.), 14:10, 18:11 (23.), 18:15 – 19:15, 21:18 (37.), 24:20, 27:23 (47.), 27:25, 28:26 (51.), 31:26 (57.), 32:29
  • Zuschauer: 6000 in der Jahrhunderthalle in Breslau.
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Handball EM 2016 Polen
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Ein Artikel von
Tamo Schwarz
Sportredaktion

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