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DHB-Team greift nach Gold

Handball-EM DHB-Team greift nach Gold

Das EM-Wunder der deutschen Handballer geht weiter. Mit einem Sieg gegen Norwegen zog die junge Mannschaft ins Finale ein. Dank eines Treffers von Kai Häfner in letzter Sekunde kämpfte sich das Team mit dem dramatischen 34:33 (27:27, 14:13) nach Verlängerung ins Endspiel gegen Spanien. Doch Norwegen legt Protest ein.

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Jubel beim DHB-Team: Deutschland steht im Finale der Handball-EM in Polen.

Quelle: Attila Kisbenedek/afp

Krakau. Jetzt greifen die deutschen „Eurofighter“ bei der Handball-Europameisterschaft nach den Sternen: In einem Halbfinal-Thriller gegen Norwegen hat die deutsche Nationalmannschaft am Freitagabend in Krakau vor 10000 Zuschauern in der Tauron Arena den Einzug ins EM-Finale am Sonntag gegen Spanien gemeistert. Es ist ein Sekunden-Schocker, der in die Verlängerung geht. Am Ende stehen noch drei Sekunden auf der Uhr, Nachrücker Kai Häfner macht den entscheidenden Treffer zum 34:33 (31:30; 27:27, 14:13). Alles löst sich in fassungslosen Jubel auf. Deutschland ist im Finale, und so recht glauben kann es noch keiner.

„Medaille? Was? Muss ich erst drüber schlafen. Sonntag saß ich noch auf der Couch, jetzt Sonntag stehe ich im Finale“, sagt Julius Kühn, noch so ein Nachnominierter in diesem Handball-Astronauten-Ensemble mit 16 EM-Debütanten. „Ich bin aufgewühlt“, gibt Abwehrspieler Hendrik Pekeler mit leerem Blick zu Protokoll. Was sich in den 70 Minuten zuvor abspielt, ist Handball-Geschichte. Nicht mehr, nicht weniger. Zwei ähnliche Mannschaften prallen aufeinander: beide jung, beide unangenehm, beide im Raketentempo zur Weltspitze gereift – unerwartet, unbegreiflich, phänomenal. In der ersten Halbzeit setzt sich Deutschland auf 9:5 ab (16.). Da hat Tobias Reichmann, personifizierte Verlässlichkeit ohne Siebenmeter-Gewissen, bereits fünfmal getroffen. Reichmann wird sich – das muss einfach so sein – in Polen die Torjäger-Krone aufsetzen. Rune Dahmke, Kieler Linksaußen, beweist mit zwei Treffern, dass er „The Handgelenk“ ist, geht dann in diesem Spiel etwas unter. Doch dazu später mehr. Irgendwann wird auch Andreas Wolff, der sowieso seit dem ersten Turniertag vom Titel sprach, zum Faktor. Nicht so sehr wie sein Gegenüber, der Ex-Magdeburger Ole Erevik. Er hält überragend, 18-mal.

Es ist wieder ein taktisches, ein trickreiches Spiel. Einerseits, denn die Deutschen wechseln zwischen einer 5:1- und 6:0-Deckung. Zwischendurch nimmt Reichmann den gefährlichen Kent Robin Tønnesen in Manndeckung. Das ist nach der Pause, jetzt spielt der wertvolle Martin Strobel auf der Spielmacher-Position. Norwegen ist längst wieder dran. 16:16 (34.), 19:19 (43.), 22:22 (49.) – Raum und Zeit verschwimmen. Gibt es etwa Verlängerung? Welcher Krimi-Autor hat da seine Finger im Spiel? Und wer ist am Ende der Mörder? Ist es dieser Wahnsinns-Kerl Julius Kühn, der im zweiten Abschnitt seine Nervosität ab- und den Ball regelmäßig ins Eck schüttelt? Steffen Fäth ist es nicht. Er macht ein schlechtes Spiel, leistet sich sechs Fehlwürfe, schlechte Würfe, Ballverluste. Dann wieder macht er einen ganz wichtigen rein (18:19; 40.). „Das war nicht mein Tag, ich bin auch nur ein Mensch. Aber ich habe immer weiter gekämpft“, sagt der künftige Berliner. Stark!

Hier sehen Sie Bilder vom Handball-EM-Halbfinale Norwegen gegen Deutschland.

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Norwegen drückt aufs Tempo, dass es eine Art hat. Treffer Deutschland, schnelle Mitte, Sekunden, Tor! Wer wird am Ende einknicken? Keiner! Erik Schmidt, Hendrik Pekeler, Finn Lemke, Julius Kühn – Deutschland macht die Abwehr groß, aber sie ist nicht kompromisslos. Es geht hin. Es geht her. Dreierwechsel, Viererwechsel, die deutsche Bank ist ein Bahnhof. Plötzlich führt Norwegen mit zwei Toren, Pekeler wirft frei über (56.), Kühn neben das Tor (59.). Dahmke meldet den starken Sander Sagosen in Manndeckung ab. Dann braucht die Nation nur dieses eine Mal sein Handgelenk wie nie: Noch 15 Sekunden sind zu spielen, Dahmke wirft und trifft, 27:27, Verlängerung.

Und wer ist nun der Mörder? Die Verlängerung ist nicht auszuhalten. „Ich weiß nicht, was da in meinem Kopf vorging, so Sigurdsson. Dieses Spiel hat keinen Sieger verdient. Reichmann trifft und trifft, und dann ist plötzlich Kai Häfner da. Mit links. Er macht das 29:29 (63.), das 30:29 (64.), aber Norwegen wehrt sich. 33:33, noch drei Sekunden, Häfner trifft. „Das Ding muss rein“, denkt sich der Hannoveraner. Muss es. Wird es. Häfner ist es, der Norwegen in Trauer stürzt und seinen Trainer in die Arme von Teammanager Oliver Roggisch. „Der hat sehr fest gedrückt“, scherzt der Bundestrainer später. Er weiß, dass es nicht das beste EM-Spiel seiner Mannschaft war. „Die Spieler haben zu viel nachgedacht.“ Im Finale werde dieses Nachdenken, so Sigurdsson, weg sein. „Dann werden wir bessere deutsche Handballspieler auf dem Feld sehen.“ Deutschland greift am Sonntag nach den Sternen.

Norwegen legte noch am Abend Protest gegen den 34:33-Erfolg der DHB-Auswahl ein. In den letzten fünf Sekunden der Verlängerung soll ein achter deutscher Spieler regelwidrig auf dem Parkett gestanden haben. Die EHF will am Sonnabend bis 11 Uhr entscheiden.

Deutschland – Norwegen 34:33 n.V. (31:30, 27:27, 14:13)

Deutschland: Wolff (1. - 52. und ab 61. Minute/13 Paraden), Lichtlein (52. - 60. und bei fünf 7m/2) – Sellin n.e., Lemke, Reichmann 10/7, Wiede 2, Pekeler 3, Strobel 1, Schmidt 1, Fäth 4, Häfner 5, Dahmke 3, Kühn 5, Ernst, Pieczkowski, Kohlbacher.

Norwegen: Erevik (1. - 60. Minute/18 Paraden), Christensen (bei einem 7m/0) – Sagosen 4, Kristensen n.e., Hykkerud, Myrhol 5, Overby n.e., Mamelund, Tønnesen 3, Jøndal 5/2, Bjørnsen 8/5, Lindboe n.e., Gullerud n.e., O’Sullivan 4, Reinkind 2, Hansen 2.

Schiedsrichter: Pichon/Reveret (Frankreich) – Strafminuten: GER 4 (Kühn, Pekeler), NOR 12 (Hansen, Jøndal, 2x O’ Sullivan, Bjørnsen, Tønnesen) – Siebenmeter: GER 7/7, NOR 8/7 (Lichtlein pariert Jøndal) – Spielfilm: 1:0, 1:2, 3:4 (8.), 5:5, 9:5 (16.), 9:7, 10:7 (18.), 11:10 (25.), 12:11, 12:13 (27.), 14:13 – 14:15 (32.), 16:16, 17:18 (38.), 20:19 (44.), 21:20, 22:22 (49.), 22:24 (51.), 24:26 (54.), 26:26, 26:27 (56.), 27:27 – Verlängerung: 28:29 (62.), 30:29 (64.), 31:30 – 32:31, 33:32 (69.), 33:33, 34:33.

Zuschauer: 10000 in der Tauron Arena in Krakau.

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