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Mit Weltklasse Europameister

Handball-EM Mit Weltklasse Europameister

Der Traum ist in Erfüllung gegangen: Deutschland ist Europameister. Das Team von Bundestrainer Dagur Sigurdsson hat am Sonntag vor 15000 Zuschauern in der Tauron Arena von Krakau sein Meisterstück gemacht und Spanien mit 24:17 (10:6) regelrecht deklassiert.

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Der Kieler Rune Dahmke (Mitte) glänzte in einigen Schlüsselszenen, erzielte vier Treffer und hatte Anteil daran, dass die Spanier mit Cristian Ugalde (links) und Antonio Jesus Garcia zusehends verzweifelten.

Quelle: Sascha Klahn

Krakau. Schlussakkord einer unglaublichen, rauschartigen Europameisterschaft einer deutschen Mannschaft, die sich als Außenseiter den zweiten Titel in der deutschen EM-Geschichte erkämpft hat.

Ist es ein Traum? Ein Märchen? Einer dieser „Wo warst du eigentlich damals, als ...“-Momente? Am 31. Januar 2016 um 19.08 Uhr ist klar: Die deutschen Handballer haben Historisches geleistet, haben den Teamspirit und sich selbst gleich mit auf den Schild gehoben. Zur Erinnerung: Diese Sigurdsson-Superauswahl, 16 EM-Debütanten, ist ohne vier Stammspieler nach Polen gereist, hat im Turnierverlauf zwei weitere verloren, ist das jüngste EM-Team überhaupt.

Hier sehen Sie Bilder aus der Kabine der Handball-Europameister.

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Zuerst bricht sich Fassungslosigkeit Bahn. „Das muss erst einmal sacken. Auf einmal hängt hier eine Goldmedaille um meinen Hals“, sagt Martin Strobel, dieser 29-jährige Routinier und allürenfreie stille Antreiber im Rückraum. Schon vor der Siegerehrung knallen in der Kabine die Champagnerkorken. Der Kieler Rune Dahmke strahlt: „Ich hatte seit vier Wochen keinen Stoff.“ Es ist der Startschuss für eine lange Partynacht.

 Jung, jünger, Europameister. Das Finale ist die würdige Krönung einer starken Vorrunde, einer fantastischen Hauptrunde und eines in letzter Sekunde gedrehten Thriller-Halbfinales. Die stolzen Spanier, deren Nation so sehnsüchtig auf den ersten EM-Triumph wartet, haben an diesem Tag – so unglaublich es klingen mag – nicht den Hauch einer Chance. Dagur Sigurdsson zeigt ein weiteres Mal eine taktische Meisterleistung. Vergessen ist das 29:32 aus der Vorrunde, das schmerzhafte, unangenehme Kreisläuferspiel. Die deutsche Abwehr verdient sich Bestnoten. Das erste Feldtor gelingt den Iberern erst in der zwölften Minute. Die Außen kommen nicht zum Zug, die Kreisläufer noch weniger. Nach einer Viertelstunde avanciert „Oh, wie ist das schön“ zum Soundtrack des Abends. Genau: Nach einer Viertelstunde. Martin Strobel und Steffen Fäth dirigieren den deutschen Angriff. Zur Pause steht es „nur“ 10:6, weil Arpad Sterbik im spanischen Tor steht. 10:6 – Spanien gelingen nur sechs Tore in den ersten 30 Minuten. Wie sollen sie auch vorbeikommen an Finn Lemke, Hendrik Pekeler, Erik Schmidt, Julius Kühn, die im Ensemble zu Riesen werden, über sich hinauswachsen, einen Weltklasse-Block zaubern. „Es war unmöglich, zu gewinnen“, wird der spanische Trainer Manolo Cadenas später sagen.

Hier sehen Sie Bilder vom Handball-EM-Finale zwischen Deutschland und Spanien.

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 Nach der Pause nimmt auch der Wolff-Wahnsinn endgültig seinen Lauf. Der künftige Kieler Andreas Wolff pariert 20 Bälle. Er pariert sie nicht, er zelebriert Paraden. Die Spanier gehen unter, der Rückraum versinkt in Angst. Als Rune Dahmke Cristian Ugalde in der 35. Minuten beim Tempogegenstoß den Ball aus den Händen spitzelt, ist das Match fast, als Kai Häfner, dieser unglaubliche Hannoveraner Nachnominierte, in kurzer Abfolge dreimal trifft (18:11; 49.), ist es sicher gewonnen. Verzweifelte Spanier decken offensiv in einer 4:2-Formation, anschließend mit einer offenen Manndeckung. Doch längst hat Deutschland dieses Spiel gewonnen. Bis zuletzt scheuen Lemke und Co. hinten keinen Schmerz, lassen sich auch von einigen Zeitstrafen nie aus der Ruhe bringen. Dahinter definiert Andreas Wolff das Wort „abwehren“ völlig neu. Im Sekundentakt scheitern Dujshebaev und Entrerrios. Der spanische Handball implodiert, nie erzielte eine Mannschaft weniger Tore in einem EM-Finale. Auf der deutschen Seite endet alles im „We are the Champions“-Konfettiregen mit tanzenden Nationalspielern in #badboys-Shirts. „Ich bin überglücklich“, sagt Sigurdsson. Für den Isländer ein Gefühlsausbruch.

 Deutschland ist für die Olympischen Spiele in diesem Sommer in Rio de Janeiro und für die WM 2017 in Frankreich qualifiziert. Es ist der größte Erfolg seit dem WM-Titel 2007. Ist es ein Märchen? Ist es ein Traum? Es ist eine unglaubliche Geschichte.

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Ein Artikel von
Tamo Schwarz
Sportredaktion

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