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Triumph der Taktik

Halbfinaleinzug Triumph der Taktik

Die Sensation ist perfekt: Die deutschen Handballer stehen nach einem 25:23 (12:13) gegen Dänemark im Halbfinale der Handball-EM in Polen. Diesen Erfolg hatte der Mannschaft vor dem Turnier niemand zugetraut.

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Hendrik Pekeler kann sein Glück kaum fassen: Deutschland zieht ins Halbfinale ein.

Quelle: Sascha Klahn

Breslau. Ist das Schach oder Handball? Mit einer taktischen Meisterleistung hat Deutschland das Unmögliche möglich gemacht und schreibt weiter an einem Wintermärchen 2.0. Am Mittwochabend bezwingt die Mannschaft von Bundestrainer Dagur Sigurdsson den Über-Favoriten Dänemark mit 25:23 (12:13) und spielt nun am Freitag in Krakau im Halbfinale gegen das zweite Überraschungsteam aus Norwegen.

Das sind die Bilder des packenden Spiels Deutschland – Dänemark.

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Auf dem Feld herrscht das Prinzip Verwirrung, und der deutsche Bundestrainer Dagur Sigurdsson spielt auf dieser Klaviatur ein ganz großes Konzert. Er hat gleich eine Reihe von Plänen gegen die athletischen, körperlich überlegenen Dänen. Nach wenigen Minuten nehmen Tobias Reichmann und Rune Dahmke Superstar Mikkel Hansen und den anfangs brandgefährlichen Löwen Mads Mensah Larsen in Manndeckung. Nur wenige Spielminuten später errichtet Sigurdsson im Abwehrzentrum eine Mauer: Finn Lemke (2,10 Meter), Erik Schmidt (2,04) und der nachnominierte, äußerlich coole Julius Kühn (1,98) lassen wenig zu, Kühn zuerst auf der halbrechten, dann auf der halblinken Deckungsposition. Auch diese taktische Finesse hat nur eine geringe Halbwertszeit.

Chaos als Mittel

Die Dänen sind zum Reagieren gezwungen, ihre halblinke Angriffsseite ist stumpf, Mikkel Hansen glänzt nur mit Schlagwürfen, Deutschland drängt das dänische Spiel nach rechts, bleibt auf Augenhöhe. Im Angriff das gleiche Prinzip: Chaos! Dahmke und Reichmann lösen ihre Positionen auf. „Die Dänen sollten die klare Zuordnung verlieren“, beschreibt Rune Dahmke die taktischen Rochaden von Sigurdsson und seinen Trainerstrategen. So entstehen Räume für die Rückraumspieler. Steffen Fäth brilliert, trifft sechsmal. Julius Kühn und Kai Häfner, diese nachnominierten Teufelskerle, schmettern ein schmissiges Spiel auf die Platte, als wären sie von Anfang an Figuren dieses Wintermärchens gewesen. Der Hannoveraner Häfner kommt, zieht an den richtigen Strippen, hat Fäth und Wiede neben sich. Die Dänen suchen ihr Heil in einer offensiveren Deckung, doch die Deutschen haben wieder eine Antwort: Martin Strobel, Wiede, Häfner, sie können auch wühlen gegen diese Kolosse Henrik Toft Hansen und Henrik Møllgaard, sie halten den Druck aufrecht. Wer ist hier der Vize-Europameister? Wer ist hier der Underdog?

Dahmke und Landin sorgen für Schrecksekunde

Rune Dahmke scheitert zweimal an seinem Kieler Kollegen Niklas Landin, die beiden rasseln zusammen. Schon wieder so eine Kieler Schrecksekunde (13.). Nach der Pause macht Dahmke das wichtige 20:19 (47.), die Partie wogt hin und her. Jeder einzelne ist jetzt wichtig. Niclas Pieczkowski kommt, drückt, trifft zum 21:20 (49.). Dann wieder die Dänen: 21:23 (53.), doch die Skandinavier haben das Spiel von gestern in den Knochen. Schon vorher zeigen sie Nerven, Jesper Nøddesbo trifft das leere Tor nicht. Andreas Wolff, der zäh ins Spiel kam, an dem Sigurdsson trotzdem festhielt – er hält jetzt einen nach dem anderen. Gehen den Dänen jetzt die Kräfte aus? Pieczkowski und der sowieso wertvollste aller Abwehrhünen – Hendrik Pekeler – stoßen weit raus aus der Abwehr. Mikkel Hansen trifft nur den Pfosten. „Deutschland! Deutschland!“-Rufe brettern hoch in die Kuppel der Jahrhunderthalle. Die Fans stehen Kopf. Weil Kühn (53.), Strobel (57.), Reichmann (58.), Wiede (59.) treffen und den Dänen nichts mehr gelingt. Pekeler zerreißt sich, Anders Eggert zerreißt es das Herz, er trifft nur den Pfosten (59.), Mikkel Hansen zerreißt’s zwischen Lemke, der direkt aus dem Krankenbett kam und nach dem Spiel nicht mehr sprechen kann, und Pekeler. „Warten und am Ende zuschlagen – das war unser Plan“, sagt Pekeler. Die Szene ist Sinnbild für ein ganzes Spiel. Für den Triumph der Taktik. Das System Sigurdsson lässt den Traum von einer Medaille weiterleben.

Der Isländer tanzt nach dem Schlusspfiff. „Ich bin so wahnsinnig stolz auf diese Jungs.“ Jetzt nach Krakau! Norwegen! Halbfinale! In diesem Winter wird ein neues Märchen geschrieben.

Deutschland - Dänemark 25:23 (12:13)

Deutschland: Wolff (1.-60. Minute/15 Paraden), Lichtlein (bei einem 7m/0) – Sellin n.e., Lemke, Reichmann 4/3, Wiede 5, Pekeler, Strobel 1, Schmidt 1, Fäth 6, Häfner 3, Dahmke 2, Kühn 1, Ernst, Pieczkowski 1, Kohlbacher 1.

Dänemark: Landin (1.-60. Minute/13 Paraden), Møller n.e. – Lynggaard n.e., Christiansen 1, Mensah Larsen 2, Mortensen, Eggert 6/3, Lauge, Nøddesbo, Svan Hansen 2, Lindberg 2, Møllgaard, Toft Hansen, M. Hansen 7, Damgaard 3, Balling n.e..

Schiedsrichter: Horacek/Novotny (Tscheschien) – Strafminuten: GER 8 (Schmidt, Pekeler, Wiede, Pieczkowski), DEN 8 (Møllgaard, Toft Hansen, Eggert, Mensah Larsen) – Siebenmeter: GER 3/3, DEN 3/3 – Spielfilm: 0:1, 1:3 (4.), 3:5 (10.), 6:5 (13.), 7:7, 7:8 (17.), 10:8 (22.), 10:12 (27.), 11:13, 12:13 – 15:13 (34.), 16:14 (25.), 16:18 (42.), 17:19, 20:19 (47.), 21:21 (49.), 21:23 (53.), 25:23 – Zuschauer: 6500 in der Jahrhunderthalle in Breslau.

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Ein Artikel von
Tamo Schwarz
Sportredaktion

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