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Im Tunnel zum Titel

Handball-EM-Halbfinale Im Tunnel zum Titel

Sieben Jahre nach dem letzten Halbfinale bei einem großen Turnier schreiben die „Bad boys“ weiter an ihrem polnischen Wintermärchen. Am Donnerstagmorgen hieß es für die Handball-Nationalmannschaft „Dzien dobry, Krakow!“ Dort wartet am Freitag im Halbfinale (18.30 Uhr/ZDF) die zweite Überraschungsmannschaft des Turniers, Norwegen.

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Der Mann mit der legendären abgenutzten Taktiktafel: Mit einer taktischen Meisterleistung legte Bundestrainer Dagur Sigurdsson am Mittwoch den Grundstein zum 25:23-Sieg gegen den haushohen Favoriten Dänemark.

Quelle: Sascha Klahn

Breslau/Krakau. Der Umzug verläuft unaufgeregt. Am Vorabend haben die Spieler Hotelbett und Massagen einem Restaurantbesuch vorgezogen. Gegen 11 Uhr steigen sie in den Mannschaftsbus. Abwehr-Riese Finn Lemke hat nach der Dänen-Demontage nicht in den Schlaf gefunden und sich dann bis in die Nacht mit den Norwegern befasst, Spielerprofile angelegt, auf die nächste Hürde fokussiert. Zeit, den Halbfinal-Einzug zu feiern, nehmen sich die Spieler nicht. Fokus – die vielleicht größte Stärke. In Krakau checkt der Tross im „neuen“ Mannschaftshotel „DoubleTree by Hilton“ ein. Am Abend kann Bundestrainer Dagur Sigurdsson alle 16 Spieler fit zum Abschlusstraining in der imposanten Tauron Arena begrüßen.

Durchschnittsalter 24,6 Jahre

Zum Warmwerden lässt Sigurdsson Fußball spielen. Um taktische Details dreht sich alles erst unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Sigurdsson ist es, der die Auswahl des Deutschen Handballbundes mit seiner taktischen Ausrichtung der Kategorie Weltklasse zurück in die Weltspitze geführt hat. Zur Erinnerung: Für die EM 2014 und WM 2015 hatte sich Deutschland sportlich nicht qualifiziert und 2015 in Katar nur per Wild Card teilnehmen dürfen. Das 25:23 gegen Dänemark hat nun endgültig die Fähigkeiten des 42-jährigen Isländers offenbart, der seine Mannschaft sowohl offensiv wie defensiv variantenreich, ausgeklügelt und flexibel einschwor und die Dänen situativ geistreich vor unlösbare Probleme stellte. So fühle sich das bei der EM eben an, sagt der verletzte Kapitän Steffen Weinhold. „Der Trainer sagt, wir sollen für Julius Kühn eine Mauer stellen. Und dann macht Julius es genau so und wirft den Ball einfach rein.“

Durchschnittsalter 24,6 Jahre – jünger ist keine Mannschaft bei der EM. „Und jetzt wollen wir auch Norwegen schlagen, jetzt ist alles möglich“, sagt der gegen Dänemark überragende Spielmacher Steffen Fäth. Für DHB-Vizepräsident Bob Hanning wäre das Erreichen des Finales und damit die direkte WM-Qualifikation „die Sahne auf der Torte“. Dann fehle nur noch die Kirsche. Was Hanning meint: den Titel.

Dynamisch, beweglich, jung

Dagur Sigurdsson will daran (noch) keinen Gedanken verschwenden. „Wir haben unglaublich gute Mannschaften hinter uns gelassen. Siege sind das beste Teambuilding. Wir haben das erste Spiel verloren und dann eine Welle erwischt. Genau wie Norwegen.“ Deren Jungstar Sander Sagosen kann es kaum fassen: „Jetzt haben wir Frankreich rausgekickt, Olympiasieger, Weltmeister, Europameister. Krank!“ Doch die Norweger, die noch nie in einem Halbfinale standen, sind mehr als Sagosen. „Dynamisch, beweglich, jung, Wurfkraft aus dem Rückraum, starke Kreisläufer...“ Sigurdssons Analyse will nicht enden.

 Am Donnerstag sind die deutschen Akteure im Tunnel. Ein Tunnel nach Krakau, ein Tunnel nach Norwegen. „Ich kann mich an meinen letzten Siebenmeter nicht mehr erinnern“, sagt Tobias Reichmann. Mit seinem 19. von 20 Strafwürfen traf der Rechtsaußen und beste deutsche Schütze zum 24:23 (58.) gegen Dänemark, „wusste nicht einmal, wie es steht“. Und Kai Häfner fühlt sich am zweiten Tag nach seiner Nachnominierung „einfach nur wohl bei der Mannschaft“. Jetzt sei, sagt Häfner, alles möglich.

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